Gläserner CeBIT-Mainframe der IBM macht Station in Karlsruhe

Schnellster Großrechner rechnet nun bei Fiducia

| Redakteur: Ulrike Ostler

„Mit der neuen Generation der Großrechner können wir unseren Kunden ein Optimum an Kapazität, Performance und Sicherheit bieten“, so Carsten Pfläging, Vorstandsmitglied bei der Fiducia und verantwortlich für den Bereich Informationstechnologie und Betrieb.
„Mit der neuen Generation der Großrechner können wir unseren Kunden ein Optimum an Kapazität, Performance und Sicherheit bieten“, so Carsten Pfläging, Vorstandsmitglied bei der Fiducia und verantwortlich für den Bereich Informationstechnologie und Betrieb. (Bild: Fiducia IT AG)

Die Fiducia IT AG hat ihre Großrechner komplett auf die neue IBM-Technik „zEC12“ umgestellt. Das war ein Mammut-Projekt, bei dem sieben Mainframes ausgetauscht wurden: Mehr als 6.000 Arbeitsstunden und fast ein Jahr Arbeit stecken dahinter. Jetzt stellt die Fiducia, zumindest kurz, ein gläsernes Exponat aus.

Auf dem Rücktransport von der IT-Messe CeBIT in Hannover machte das Messe-Exponat auch in Karlsruhe bei Fiducia Station. Das Besondere: Anstatt einer Blechverkleidung gewährt bei diesem Modell eine Glashülle ungewohnte Einblicke in das Innenleben eines Großcomputers. Zudem verfügt der Rechner mit der Bezeichnung zEC12 über den derzeit schnellsten Prozessor der Welt.

Die Fiducia IT AG ist ein Mainframe-Shop. Sie erbringt die IT-Dienstleistungen in der genossenschaftlichen Finanz-Gruppe. Etwa 700 der rund 1.100 deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie gut 50 Privatbanken setzen auf die IT-Lösungen.

Darüber hinaus profitieren öffentliche Verwaltungen und Unternehmen wie der ADAC e. V. vom Know-how und der Infrastruktur des Unternehmens. Aktuell verwaltet Fiducia über 17 Millionen Kontokorrentkonten, verarbeitet jährlich 3,9 Milliarden Buchungsposten, betreut fast 100.000 Bankarbeitsplätze und gewährleistet an ihren 23.000 Selbstbedienungsgeräten auch die reibungslose Versorgung der Bankkunden mit Bargeld.

Das Bankensystem Agree

Das Kernprodukt ist das Bankensytem „Agree“, das in diesem Jahr zehn Jahre alt wird. Dennoch gehört es nicht zu den Alteisen. Denn in Benchmarks zur Konkurrenz und bei den Kunden bekommt das System Bestnoten, etwa im Hinblick auf die Zuverlässigkeit und die Kosten.

2003 fusionierten die Fiducia IT AG und die Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaften e. G. (RBG) zur Fiducia. „Dabei war unser selbstgestecktes Ziel, die bestehenden Banksysteme der beiden Partner durch eine neue, bessere Lösung abzulösen“, so Klaus-Peter Bruns, Vorsitzender des Vorstands der Fiducia IT AG. Technologische Basis wurde das moderne Java-basierte Banking Framework.

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Klaus-Peter Bruns, damals Leiter Anwendungsentwicklung, gilt als die treibende Kraft bei der erfolgreichen technischen Umsetzung. „Wir wollten mit Agree die Banken ganz besonders bei den Vertriebsprozessen unterstützen. Gleichzeitig sollten Standardabläufe möglichst automatisch ablaufen, um Bankmitarbeiter von Routineaufgaben zu entlasten“, beschreibt er die damaligen Überlegungen.

Vorstufen zur Cloud

Was heute mit Cloud Computing als Innovation gilt, nahm das Konzept der Fiducia vor 10 Jahren bereits vorweg. „Komplexe IT-Prozesse wie Datensicherung, Wartung und Administration der Systeme sollten sich nach der Einführung von Agree an das Rechenzentrum der Fiducia auslagern lassen. Und weil die Anwendung auf der Java Banking Framework-Architektur (JBF) beruht, waren wir unabhängig von der in den Banken vorhandenen Systemplattform. Ein Vorteil, der uns auch heute noch bei der Weiterentwicklung zugutekommt“, so Bruns.

Die Eckpunkte des Banksystems waren somit umrissen. Die Verantwortlichen konnten die Umstellung der Banken auf das neue System in Angriff nehmen. Der ambitionierte Zeitplan des Mammutprojekts wurde eingehalten. Mitte 2007 nutzten die damals noch 840 Volksbanken und Raiffeisenbanken mit mehr als 100.000 Arbeitsplätzen und rund 23.000 SB-Automaten Agree.

Doch jedes Release bringt Neuerungen oder Weiterentwicklungen. So lassen sich seit 2006 Kompetenzen auf verschiedenen Hierarchie-Ebenen systematisch und fein steuern. Seit Anfang 2007 können Banken ihren Kunden ausgewählte Bankprodukte online verkaufen. Zusätzlich werden wesentliche Prozesse noch stärker Workflow-gesteuert.

Weder Rast noch Rost

So genannte „Assistenten“ führen seit Anfang 2010 Bankberater sicher und schnell durch die Abläufe. Viele Prozess-Schritte laufen automatisch ab. Seit 2012 wird der Bankkunde noch stärker in die Geschäftsprozesse integriert. „Co-Creation“ ist das Stichwort. Die Software ermöglicht nach der neuen Logik dem Kunden nicht nur, über unterschiedliche Kanäle wie den Rechner oder das Smartphone seine Finanzgeschäfte zu erledigen, er kann sich künftig auch sein individuelles Angebot selbst zuschneiden.

Bruns erläutert die Änderungen: Heute werde den Kunden ein Produkt mit definierten Merkmalen angeboten. In Zukunft definiert die Bank Bandbreiten, innerhalb derer der Kunde das Angebot selbst gestalten kann.

Zu den wichtigsten Trends in der Finanzbranche gehört derzeit das „Mobile Banking“: Immer mehr Kunden erledigen inzwischen ihre Bankgeschäfte mit Smartphone und Tablet-PC. Seit 2009 bedient die Fiducia mit Agree auch diesen Kanal.

Das CeBIT-Exponat des zEC12 von IBM hat gläserne Wände.
Das CeBIT-Exponat des zEC12 von IBM hat gläserne Wände. (Bild: Fiducia IT AG)

Mit dem Modul „Agree Mobile Banking“ können Bankkunden Geld überweisen, ihre Umsätze abfragen oder Zugangsdaten ändern. Die Banking App der Fiducia gehört zu den Erfolgreichen im App Store.

Die Grundlage Mainframe

Doch die Reise geht weiter. Inzwischen unterstützt ein „Finanzmanager“ den Bankkunden bei seiner Budgetplanung. Rechnungen können ganz einfach überwiesen werden, indem das Smartphone einen aufgebrachten QR-Code scannt.

Die Hardware-Grundlage für Agree sind Großrechner. Seit Kurzem ist die Plattform zEC12 im Einsatz, also dieselbe Bauart wir das CeBIT-Exponat. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen alle Mainframes am Standort Karlsruhe ausgetauscht.

Die in ihrer Art bisher einmalige Ausstellung bildete den Abschluss dieses Projektes.

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