Plug-and-Play-Module verbannen RZ-Paradigmen ins Reich der Mythen

Microsoft macht es vor: Der Computer ist das Rechenzentrum

Seite: 3/4

Anbieter zum Thema

Das Non-Plus-Ultra: ITPACs

Das derzeitige „Non-Plus-Ultra“ merzt diese Nachteile aus. In der Weiterentwicklung der ITPACs gibt es im Wesentlichen vier Einheiten: den IT Block mit den lüfterlosen Servern und daraufgesetzt die Lüfter (AHU). Längsseitig dazu gehört der Evapuration-Block, auf dem das „Mixing“ sitzt. Hier werden kalte Zuluft und warme Abluft gemischt, so dass die Eintrittstemperatur stets konstant bleibt.

Diese Bauweise findet sich im Rechenzentrum von Quincy (siehe: Abbildung 3). In ein Rack dieser Anlage, das höher ist als üblich, passen 96 Server – zwei pro Höheneinheit, 50 Units pro Rack plus Switches, die je zwei Höheneinheiten einnehmen. Um die Verdunstungskälte, die die Temperatur um 6 bis 8 Grad senken kann, zu erzeugen, benötigt das komplette Rechenzentrum nur 1 Prozent der Wassermenge, die in einem Datacenter herkömmlicher Art notwendig ist. Das hat Auswirkungen auf den Stromverbrauch; der PUE-Wert liegt zwischen 1,05 und 1,2.

Obwohl Quincy in der Wüste liegt, etwa auf gleicher Höhe wie Madrid, erläutert Koch, komme die Anlage auch bei 40 Grad Außentemperatur ohne weitere Kühlmechanismen aus. Die Kühlung mit Frischluft ist so effektiv, dass in gemäßigten Zonen sogar komplett auf zusätzliche Kühlmechanismen verzichtet werden kann.

Wo Wasser vedampft

Tatsächlich baut Microsoft in Dublin das dortige Rechenzentrum entsprechend aus (siehe: Abbildung 9). Das liegt daran, dass die jüngsten Rechner-Generationen sowohl eine viel höhere Außentemperatur vertragen als auch eine höhere Luftfeuchtigkeit (siehe. Abbildung 10. 11 und 12).

Bildergalerie
Bildergalerie mit 20 Bildern

Zum Beispiel garantiert Dell die Verfügbarkeit seiner Network- und Storage-Komponenten sowie der Server bei 10 bis 35 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 10 bis 80 Prozent. Sollte die Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu 10 Prozent darüber oder darunter liegen, 5 bis 40 Grad, und die Luftfeuchtigkeit bei 5 bis 85 Prozent, garantiert Dell auch dann die Funktionstüchtigkeit. Für andere Hersteller gelten ähnliche Zusagen.

Geplant wird das Rechenzentrum, das nach knapp 12 Monaten Bauzeit Ende dieses Jahres in Betrieb gehen soll, für 12, 13 Megawatt. Die Entscheidung ganz und ausschließlich auf freie Kühlung zu setzen, sei jedoch keine, die aus dem Himmel fiel, erläutert Koch. Vielmehr habe man dort in der ersten und zweiten Ausbaustufe mit 2 Megawatt Leistung noch auf zusätzliche Kompressoren gesetzt. Allerdings wurde bei den Ausbauten 4 und 5 auch auf diese Sicherung verzichtet. Stattdessen wählte Microsoft Evapuratoren.

Frischluft ist kühl genug

Doch die Wetteraufzeichnungen vor Ort beweisen, dass die Sommertemperaturen 22, 23 Grad kaum überstiegen. Einmal seit Aufzeichnung seien die Werte auf 27 Grad geklettert, erläutert Koch. Also setze man jetzt voll und ganz auf die Frischluftkühlung, ohne Sicherung durch zusätzliche Kompressor oder Verdunstungsanlagen.

„Das ist sicher ein großer Schritt, der von außen sehr mutig aussieht“, sagt der Microsoft-Experte. „Doch eigene Erfahrungen belegen, dass das funktioniert.“

Da die Luftfeuchtigkeit eine durchaus entscheidende Rolle für den zuverlässigen IT-Betrieb spielt, stellt sich jedoch die Frage, ob die ausschließliche Frischluftkühlung eine Entfeuchtung erfordert. Doch auch das schließt Koch zumindest für Dublin aus. Zwar regnet es in Irland durchaus, doch zugleich gebe es keine extremen Temperaturschwankungen. „Die Winter sind eher mild und nass, aber nicht zu feucht“, erläutert er.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:34578500)