Anbieter zum Thema
Luftige Leichtbauhallen und statt Betonbunker
Wie etwa auf den Bildern (9 und 13) zu erkennen, verabschiedet sich Microsoft, wo es geht, auch von der üblichen RZ-Bauweise. In Quincy etwa dient die offene Halle der jüngsten RZ-Erweiterung nur noch der Beschattung und zum Schutz vor Regen.
Das funktioniert nicht bei jedem Rechenzentrum, sagt Koch, zum Beispiel wenn sie vor Angriffen aus der Luft geschützt sein müssen. Bei Microsoft befinden sich die Hallen zwischen den Gebäuden aus früheren Bauphasen und sind wie sie von außen durch die üblichen Sicherheitsmaßnahmen geschützt.
In die Betrachtung der Gesamtkosten geht bei Microsoft auch der mögliche Rückbau nach vielleicht 15 Jahren ein. Bei bisheriger Bauweise sind die Rechenzentren komplett veraltet, ein Rückbau aufwändig, die Zuführung zu einem anderen Verwendungszweck fast unmöglich. Dagegen lassen sich Lagerhallen wie bei den jüngsten Erweiterungen in Dublin und Quincy, auch für andere Zwecke nutzen oder zu vergleichsweise geringen Kosten komplett abbauen.
RZ-Module rücken aufs Feld, nach an die Energie-Erzeuger
In Zukunft allerdings erübrigen sich an manchen Standorten auch die Hallen (siehe: Abbildung 14, 15) und die Aussage „der Computer ist das Rechenzentrum“ umgesetzt. Diese Kompaktbauweise hat noch weitere Vorteile.
Die autonomen IT-Module lassen sich in fast jeder Umgebung erreichten, zum Beispiel auf weniger teurem Baugrund und nahe an jeder Art von Stromerzeugung (siehe: Abbildung 16). „Heute ist es teurer und mit mehr Anstrengung verbunden ein Rechenzentrum mit Strom zu versorgen als mit Datenleitungen“, erläutert Infrastruktur-Experte Koch.
Darüber hinaus seien die Widerstände gegen Starkstrommasten und Überlandleistungen weitaus größer als wenn Glasfaser im Erdreich versenkt würde. Zudem böten die ITPACs die Möglichkeit, alternative Energiequellen, die weniger Strom als große Kraftwerke produzierten wie Windkraft-, Biomasse- und Solaranlagen, gleich vor Ort zu nutzen (siehe: Abbildung 17).
Software bringt die Redundanz mit und ersetzt doppelte Hardware
Mit dem Fallen der scheinbar bisher unumstößlichen Regeln für den Rechenzentrumsbau könnte sich mit der Zeit die Zahl herkömmlicher IT-Betonbunker deutlich reduzieren. Mit dem Wegfall verschiedener Sicherungen für die Kühlung aber gerät der Heilige Gral des Rechenzentrumsbau, das Redundanzprinzip ins Wanken.
Dieses Paradigma, das Hochverfügbarkeit durch doppelt und dreifache RZ-Bestanteile von der Stromversorgung bis zum Switch, von der USV bis zum Chiller garantiert, könnte sich erübrigen, wenn die IT-Systeme eine neue Software-Architektur bekämen.
Denn die Software selbst kann dafür sorgen, dass Daten auf verteilten Systeme so repliziert werden, dass der Ausfall von einer oder gar mehrerer Hardwarekomponenten keine Rolle mehr spielt. Das Routing kann so geschickt sein, dass andere Wege gefunden werden, ohne einzelne Knoten zu überlasten (siehe: Abbildung 18 – Beispiele aus dem Micrososft-Portfolio, 19). Anwendungen lassen sich so virtualisieren werden, dass Hardware-Cluster obsolet sind.
Erst Feinde, dann Freunde? Legen Sie die Energiekosten um!
„Man schafft sich mit solchen Vorschlägen und Maßnahmen erst Feinde“, sagt Microsoft-Infrastruktur-Experte Koch. Er spricht von „Software, die in sich redundant ist“ und erwartet, dass der Prozess, die Hardware- und Facility-Redundanz durch Softwaremechanismen zu ersetzen, ein langer und zäher sein wird.
Er gibt allerdings zu bedenken, dass ein zweiter Port in einem Switch rund 100 bis 1000 Dollar kostet. „Für das Geld, das ein Unternehmen vielleicht für eine entsprechende RZ-Ausstattung investieren müsste, lässt sich unter Umständen auch die benötigte Software umschreiben“, so Koch.
Um Skeptiker zu überzeugen, dass es nicht per se ein Vorteil ist, alle Komponenten doppelt vorrätig zu halten, hält er einen Tipp parat: Die Rechenzentrumskosten sollten nach Energieverbrauch umgelegt werden und nicht wie bisher meistens nach Fläche verrechnet werden.
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:34578500)