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Nach Einschätzung des britischen IT-Beratungsunternehmens Butler Group ist die Argumentation der Hamburg Süd typisch für heutige Mainframe-Anwender: Sie wollen ihre alte Technologie nicht wegwerfen, sondern sie weiter verwenden. Gleichzeitig bestehe aber ein großer Druck zur Standardisierung von Plattform-Technologien, um die Wartungs- und andere damit verbundene Kosten zu reduzieren. Dabei überwiegen laut Butler-Group-Analyst Alan Rodger die Kosten für die Wartung der Applikationen, die eine eigene Infrastruktur benötigen, jegliche mögliche Vorteile.
Mainframe-Upgrade und Emulation der Anwendung zu teuer
Die Entscheidung für die Migration hat sich die Hamburg Süd allerdings nicht leicht gemacht: Geschäftsführung und Organisation prüften im Vorfeld mehrere Alternativen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie Risiken und Chancen. Die Idee, eine neue BS2000 zu kaufen, scheiterte an der Anfangsinvestition. Und die hohen Wartungskosten für das System wären weiterhin zu Buche geschlagen. „Die heutigen Systeme sind außerdem zu groß für unsere Anforderungen, sie sind eher für große Unternehmen wie Banken und Versicherungen ausgelegt“, erklärt Max Schaldach, Projektleiter für die Ecos- und Voyan-Umstellung bei der Hamburg Süd.
Auch die Emulation der Anwendungen unter Linux hielten die Verantwortlichen nicht für sinnvoll: Schon die Softwaremiete für den BS2000-eigenen Transaktionsmonitor UTM wäre laut Huwald unter Kostengesichtpunkten nicht sinnvoll gewesen. Zudem wäre Adabas weiterhin als zweite Datenbank mit allen Wartungskosen im Unternehmen geblieben. Aus den gleichen Gründen fiel auch die weitere Alternative, das Hosting durch einen Dienstleister, aus.
Die Hamburg Süd entschied sich stattdessen für den kompletten Technologiewechsel mit HP als Generalunternehmer. HP offerierte gemeinsam mit Twinsoft, einem IT-Dienstleister mit BS2000-Expertise, eine Komplettlösung, wobei HP für das Projektmanagement und Twinsoft für die Implementierung verantwortlich zeichnete: Die Mainframe-Architektur mit Transaktionsmonitor und Adabas-Datenbank sollte – so das Konzept – ersetzt werden durch eine moderne Client-Server-Architektur mit Web-Frontend und Web-Servern.
Darunter liegt die konvertierte Anwendung mit dem Datenbank-Handler. Mit dessen Hilfe wird auf die Oracle-Datenbank zugegriffen. Die Aufgabe des Transaktionsmonitors übernehmen die Web-Server und Service-Routinen, die die Anwendung so zum Ablauf bringen. Neben der eigentlichen COBOL-Anwendung enthält die umgestellte Anwendung auch in Java geschriebene Komponenten. Eine solche Kombination aus Plattform-, Datenbank- und Transaktionsmonitorwechsel stellt laut Forrester Research die anspruchsvollste Variante einer Mainframe-Migration dar: Sie birgt aufgrund ihrer Komplexität zwar das höchste Risiko, sichert aber letztlich die geringste Abhängigkeit von Alttechnologien.
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