Stack Infrastructure will in Babenhausen einen Rechenzentrums-Campus bauen – eigentlich. Doch die Lokalpolitik zeigt sich unentschlossen: Hat der Betreiber weiterhin Interesse am Vorhaben?
Symbolbild: Der fraktionslose Michele Ridente warnt, dass Babenhausen auf einer „Industriebrache sitzen bleibt.“ Was genau hinter der Warnung steckt.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
„Die Uhr tickt“, sagt Rebecca Schulz von Stack Infrastructure. Das US-amerikanische Unternehmen hat bereits viel Geld in den geplanten Standort in Babenhausen investiert. Eigentlich war geplant, dass im April die Kaufverträge mit dem Gelände-Eigentümer Aumovio unterzeichnet werden. Doch noch fehlt ein klares Signal aus dem Rathaus. „Wir wollen in Deutschland expandieren. Die Mitbewerber auf dem Rechenzentrumsmarkt würden nicht warten“, so Schulz.
Konkret geht es um das ehemalige Continental-Areal an der VDO-Straße, das der Nachfolger Aumovio an Stack verkaufen will. Auf dem rund 270.000 Quadratmeter großen Gelände sollen drei Rechenzentrumsgebäude entstehen, dazu eine Gewerbefläche für kleinere Betriebe. Stack stellt 150 bis 200 direkte Arbeitsplätze und drei Milliarden Euro Investitionsvolumen in Aussicht.
Wo betreibt Stack Infrastucture Rechenzentren?
Stack Infrastructure ist ein US-amerikanischer Rechenzentrumsbetreiber mit Hauptsitz in Denver, Colorado. Das Unternehmen entwickelt und betreibt Hyperscale- und Colocation-Standorte in Nordamerika, Europa sowie im Asien-Pazifik-Raum.
In den USA betreibt der Anbieter unter anderem zwei Campus in Atlanta mit zusammen rund 180 Megawatt, zwei Standorte im Raum Dallas–Fort Worth mit rund 580 Megawatt, zehn Campus in Northern Virginia mit rund 2,4 Gigawatt sowie drei Campus im Silicon Valley mit rund 150 Megawatt IT-Leistung.
Im Asien-Pazifik-Raum zählt Johor Bahru in Malaysia mit rund 216 Megawatt zu den größten Standorten, ergänzt durch zwei Campus in Melbourne mit zusammen rund 432 Megawatt.
In Europa betreibt das Unternehmen Campus in Kopenhagen mit rund 72 Megawatt sowie in Frankfurt-Liederbach mit rund 96 Megawatt. Weitere Standorte befinden sich in Genf mit zwei Campus und rund 42 Megawatt, in Mailand mit neun Campus und rund 299 Megawatt sowie in Oslo, Stockholm und Zürich mit zusammen mehreren Campus und Leistungen im zweistelligen Megawattbereich.
Verträge geplant, Beschluss vertagt: Kein ‚Nein‘ – aber auch kein ‚Ja‘...
Damit das Bauleitverfahren starten kann, bräuchte es einen Aufstellungsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung. Den hat die CDU/FWD-Mehrheit laut op-online.de in der März-Sitzung verweigert, uns stattdessen eine Absichtserklärung (Letter of Intent) mit dem Investor aushandelt. Bis Anfang April – so zumindest der Plan. Die für den 27. April geplante Bügerveranstaltung wurde abgesagt, weil bis heute keine Vereinbarung vorliegt.
Hinter dem Zögern steckt kein grundsätzliches ‚Nein‘, betonen CDU und FWB ausdrücklich. „Wenn wir es nicht wollten, würden wir laut ‚Nein‘ sagen. Das wäre einfach!“, sagt FWD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil. Was die Mehrheit will, ist Absicherung: Einem Vernehmen nach soll der Investor Garantiegeldzahlungen an die Stadt leisten, die Kühlung mit Trinkwasser soll vertraglich ausgeschlossen werden, und die geplante Gewerbefläche vor dem Rechenzentrum soll der Stadt übertragen werden. Ein entsprechendes Eckpunktepapier haben laut op-online alle Stadtverordneten erhalten.
...der Bürgermeister nennt das Verhalten der CDU „fahrlässig“
Bürgermeister Dominik Stadler wartet noch auf eine Antwort von Stack Infrastructure. Den Fahrplan der CDU halte er für „völlig unrealistisch“. Dass die die Partei eine juristische Beratung in der Sitzung abgelehnt hat, nennt er „fahrlässig“. Aus Stadlers Sicht ist der Aufstellungsbeschluss schlicht der „Startschuss für ein normiertes und rechtlich abgesichertes Verfahren.“
Die Logik hinter dem Zögern der CDU ist: Wer Baurecht schafft, bevor Verträge stehen, gibt Verhandlungsmacht ab. Doch die Lokalpolitik ist sich uneinig: Der fraktionslose Michele Ridente warnt, Babenhausen bleibe „auf einer Industriebrache sitzen“, und dass das „Kapital dann schlicht 20 Kilometer weiter wandert.“ Den geforderten Letter of Intent nannte er eine „politische Augenwischerei“, da dieser rechtlich meist unverbindlich sei, während ein städtebaulicher Vertrag ein „viel schärferes Schwert“ sei.
Stand: 08.12.2025
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Die FDP nannte das CDU-Vogehen „Zeitverschwendung“. Die Grünen betonten ebenfalls: Ein Letter of Intent ist kein rechtlich gesichetres Verfahren.
Letzte Chance oder sucht Stack bereits andernorts?
Am 7. Mai tagt die Stadtverordnetenversammlung und soll über den Aufstellungsbeschluss abstimmen. Am Tag davor beraten Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss gemeinsam über das Thema. Aumovio zeigt sich hoffnungsvoll: „Wir würden es ausdrücklich begrüßen, wenn die Abstimmung am 7. Mai den Prozess spürbar voranbringt“, sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber op-online.
Ob Stack Infratructure bis dahin abwartet, oder bereits einen anderen Standort sucht, ist offen. Rebecca Schulz hat im März gesagt: „Wir hätten uns gewünscht, dass die Stadt Farbe bekennt.“