dtm Datentechnik Moll - netforum 2023 IT-Strategien für die digitale Disruption

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger Lesedauer: 5 min |

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Welche Trends und politischen Entwicklungen werden die Unternehmens-IT in den nächsten Jahren prägen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des dtm netforum 2023 in Bregenz. Veranstaltet hat es die dtm Datentechnik Moll GmbH.

"Den Hai reiten", also sich den disruptiven Effekten der Digitalisierung stellen. Um Strategien dafür ging es bei der Kongressmesse dtm netforum 2023 in Bregenz.
"Den Hai reiten", also sich den disruptiven Effekten der Digitalisierung stellen. Um Strategien dafür ging es bei der Kongressmesse dtm netforum 2023 in Bregenz.
(Bild: Rüdiger)

Die Welt und die IT verändern sich rasant. Da ist orientierende Information gefragt. Genau die versuchte dtm Datentechnik Moll GmbH anlässlich der Kongressmesse netforum 2023 in Bregenz zu liefern. Strategische Themen nahmen breiten Raum ein.

Der Autor und Futurist Dietmar Dahmen erklärte der Zuhörerschaft im Comic-Stil, man könne sich vor der technologischen Disruption, ausgelöst durch generative KI, Metaverse und Hyperconnectivity, nicht wegducken. Allein, dass 2030 30 Milliarden IoT-Devices weltweit existieren sollen, bedeute eine gewaltige Disruption.

China baut für den Notfall an einer Gesellschaft ohne Körperkontakt

In China nutze man Hyperconnectivity, KI und Metaverse, um, etwa bei einer neuen Pandemie, eine funktionierende Welt komplett ohne Körperkontakt umzusetzen. Dank nahezu lückenloser Datenerfassung sei beispielsweise eine erheblich schnellere Medikamentenentwicklung möglich.

Die vorhandenen 650 Millionen Kameras zur Überwachung von Menschen und Dingen seien die Basis zur Umsetzung völlig neuer Anwendungen. Verkehrsströme würden dort erfasst, um Staus zu verhindern oder aufzulösen. Aber auch das Verhalten der Insassen werde kontinuierlich überwacht. Dann werde bei Streitigkeiten im Fahrzeug von außen eingegriffen – eine Utopie, die für Europäer eher erschreckend anmuten dürfte.

Wagen oder weichen

Schlussfolgerung: Unternehmen müssen „den Hai reiten“, um erfolgreich zu bleiben. Wer das nicht tut, werde durch die veränderten Spielregeln schlicht hinweggefegt. Deswegen stecke der indische IT-Dienstleister Wipro derzeit eine Milliarde Dollar in die AI-Weiterbildung seiner Beschäftigten.

Sprich: Nicht auf bestehenden Verfahren, Vorgehensweisen und Technologien beharren, sondern Neues wagen, selbst wenn das ein Risiko bedeutet. Die Angst vor Fehlern – dank deutschem Perfektionismus weit verbreitet – gelte es abzulegen. Denn Misserfolge seien bei diesem Weg unvermeidlich und auch schmerzhaft, aber schlicht das nötige Lehrgeld.

Sigmar Gabriel: Gardinenpredigt vom Ex-Vizekanzler

Auch der ehemalige Vizekanzler und Außenminister der großen Koalition, heute Sprecher der Organisation Amerikabrücke, Sigmar Gabriel (SPD), servierte unbequeme Einsichten: Europa müsse sich von der Illusion verabschieden, dass die USA sich weiterhin uneingeschränkt als seine Schutzmacht verstünden. Der Hegemon habe zu viel mit der geopolitischen Konkurrenz mit China zu tun, um diese Rolle weiter zu spielen.

Im Comic-Stil ermutigt Autor und Futurist Dietmar Dahmen Unternehmen, mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen zu experimentieren, auch wenn Fehlschläge unausweichlich sind.
Im Comic-Stil ermutigt Autor und Futurist Dietmar Dahmen Unternehmen, mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen zu experimentieren, auch wenn Fehlschläge unausweichlich sind.
(Bild: Rüdiger)

Die Investitionen von Tesla, Intel und TMCC begründete Gabriel allein mit dem Interesse an den Subventionen und den großen Märkten Europas. Eine politische Aussage hätten sie seitens der Unternehmen nicht.

EU-Binnenmarkt stärken, Euro-Schulden vergemeinschaften

Europa müsse den Binnenmarkt stärken, wolle es weiter eine weltpolitische Rolle spielen. Das bedeute auch eine Währung, für die seitens der EU gesamtschuldnerisch gehaftet wird. Sonst scheide der Euro als Reservewährung aus.

Außerdem forderte Gabriel speziell für Deutschland eine schnelle und durchgreifende Entbürokratisierung. „Das bedeutet aber automatisch weniger Individualrechte“, sagte er. Wer schnell bauen oder beschließen wolle, könne nicht jedem Einzelnen bei jedem Sachverhalt eine Klagemöglichkeit einräumen. Darauf gab es lebhaften Beifall.

Wichtigste IT-Trends

Jan Moll, der dtm Datentechnik Moll mittlerweile in zweiter Generation führt, berichtete über die IT-Trends, die sein Unternehmen derzeit für besonders relevant hält. Grundsätzlich gelte es, so Moll, offen und unterschiedliche neue Technologien zusammen zu denken und einzusetzen. Dann entstehe etwas Neues im Sinne eines Web 3.0.

Weil diese Philosophie inzwischen zur Gründung mehrerer Tochterfirmen geführt hat, wirbt das Unternehmen jetzt unter dem neuen Logo dtm.Group - IT-Manufaktur. Hauptstandbein der bereits 1968 gegründeten Firma ist aber weiterhin die LANconcept Moll GmbH.

Vielversprechende Technologien

Die lange Technologie-Neuerungsliste des bodenständigen schwäbischen Unternehmers zeigte, wie auch hierzulande in Bewegung ist. Und damit in den IT-Abteilungen, welche Neuerungen sie gegebenenfalls in ihren Unternehmen umsetzen können.

Mahnende Worte von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel: Europa solle den Binnenmarkt stärken und gemeinsam für den Euro haften.
Mahnende Worte von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel: Europa solle den Binnenmarkt stärken und gemeinsam für den Euro haften.
(Bild: Rüdiger)

Dazu gehöre dringend der Aufbau einer nachhaltigen Strom-Infrastruktur. Sie könne den Einkauf oder sogar die eigene Erzeugung, Speicherung und Umwandlung erneuerbarer Energien umfassen. Gegebenenfalls lasse sich daraus sogar ein eigener Wertschöpfungsprozess gestalten.

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Eigener Strom als Basis für neue Wertschöpfungsprozesse fürs RZ

Beispielsweise, wenn ein Rechenzentrum ausreichend Speicherkapazität in Form von Batteriepower bereithalte. Dann könne es durch gezielte Steuerung der eigenen Energieversorgung den Strombedarf im Netz glätten helfen – gegebenenfalls gegen Bezahlung. Zumindest aber könne ein RZ so vermeiden, besonders teuren Strom zu Spitzenzeiten beziehen zu müssen.

Genauso wichtig sei der Einstieg von Unternehmen in hybride Cloud- und Edge-Infrastrukturen. Denn der IT-Betrieb an verschiedenen Stellen ermögliche es, Lasten schnell beispielsweise dahin zu übertragen, wo der Strom gerade besonders günstig ist.

Neue Daten durch IoT und AIM

IoT ermögliche es, wesentlich mehr Daten über die Infrastruktur zu sammeln und digital zugänglich zu machen. Das gilt etwa für vernetzte Strom-, Temperatur-, Druck- oder Feuchtigkeitssensoren. Auch passive Kabel können so Daten generieren.

Mit Hilfe von Automatisiertem Infrastrukturmanagement (AIM) und KI-gesteuertem Umgebungsmonitoring der Gesamtanlage entstehe ein Überblick über den Zustand der RZ- und Kommunikationsinfrastruktur. Es wird sichtbar, wo alles glatt läuft und wo etwas geändert werden muss. Vieles kann dann regelbasiert das System selbst erledigen.

Blockchain für dezentrale, sichere Filearchitekturen

Auch Blockchain-Technologie könnte, so Moll, in den Unternehmen zukünftig eine wichtigere Rolle spielen. Dabei komme es für Unternehmen darauf an, sie da, wo es passt, strategisch ins eigene Geschäftsmodell einzubauen.

Denn sie ermögliche beispielsweise sichere, zuverlässige und verteilte File-Infrastrukturen. Zur dtm Group gehört deshalb eine Tochterfirma, die sich speziell mit diesem Thema befasst.

Viele Anwendungsmöglichkeiten auch und gerade im Datacenter sieht Moll für KI und Automatisierung. Das reicht bis zur kompletten Remote-Steuerung von Infrastrukturen oder Rechenzentren, wenn und wo Manpower vor Ort nicht verfügbar ist. Moll praktiziert dies schon bei einem experimentellen Datenzentrum in Schweden.

KI ermöglicht selbststeuerndes Rechenzentrum

Gemeinsam mit Blockchain-Technologie könne KI die nötigen Daten sammeln, zu Zeitserien ordnen und daraus Trends ableiten. Dies ermögliche Prognosen, etwa von bevorstehenden Störungen, und vorbeugende Wartungseingriffe. Für Prognosen ließen sich zudem externe Daten, etwa zum Wetter, einbeziehen. Angenehmer Nebeneffekt: In derart optimierten Infrastrukturen steigt die Energieeffizienz.

Jan Moll, Geschäftsführer der dtm Datentechnik Moll GmbH, eröffnet gemeinsam mit Moderatorin Yve Fehring das netforum 2023 in Bregenz
Jan Moll, Geschäftsführer der dtm Datentechnik Moll GmbH, eröffnet gemeinsam mit Moderatorin Yve Fehring das netforum 2023 in Bregenz
(Bild: Rüdiger)

Werde das Ganze dann noch mit virtuellen Realitäten gekoppelt, wie sie aus dem Gaming bekannt sind, erleichtere das die Arbeit weiter. So könne man beispielsweise einen Schrank virtuell bestücken, bevor er beim Kunden aufgebaut wird. Oder ein Kundendienst-Personal wirksam durch Augmented Reality unterstützen.

Dies alles sei, so betonte Moll, keine weit entfernte Zukunftsmusik, sondern lasse sich durchaus in reale IT-Projekte übersetzen. Ein Beleg dafür ist das seit einem Jahr automatisch laufende grüne Rechenzentrum in Schweden.

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