Oracle-Technik im Flüchtlings-Management

In 20 Minuten von der Begrüßung bis zum „Ankunftsnachweis“

| Redakteur: Ulrike Ostler

Im Februar dieses Jahres führte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein "Integriertes Flüchtlings-Management" ein. Hauptbestandteil der IT sind Anwendungen der Bundesdruckerei und Oracle-Technik.
Im Februar dieses Jahres führte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein "Integriertes Flüchtlings-Management" ein. Hauptbestandteil der IT sind Anwendungen der Bundesdruckerei und Oracle-Technik. (Bild: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF))

Die Bilder von regelrechten Flüchtlingsströmen, überfüllten Aufnahmelagern, lange Schlangen bei der Registrierung sind noch präsent. Ebenso die Berichte über Beamte am Limit, die mit der Menge an Asylanträgen beziehungsweise Ankunftsnachweisen nicht nachkommen. Nun soll die zentrale IT-Plattform „Asyl Online“ die Verarbeitungsverfahren beschleunigen.

Die sprunghaft angestiegene Zahl von Asylanträgen sowie die im November 2015 durch das Bundeskabinett beschlossenen Änderungen im Asylrecht haben das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Aufbau eines zentralen und digitalisierten Flüchtlings-Managements notwendig gemacht. Diese komplexe Aufgabe wurde im Januar 2016 mit Technik von Oracle umgesetzt und ist bereits in einigen Bundesländern bei der Registrierung von Flüchtlingen im Einsatz.

Mit dem neuen IT-System verfügt das BAMF über eine zentrale Lösung für die mobile Datenerfassung, beispielsweise an der deutschen Grenze. Gleichzeitig besteht eine Verbindung zu den Systemen anderer Bundesbehörden, wie beispielsweise dem Bundeskriminalamt oder dem Ausländerzentralregister, und in die einzelnen Bundesländer.

Dabei soll insbesondere ein reibungsloser und sicherer Austausch biometrischer und personenbezogener Daten gewährleistet sein. Des Weiteren wird den Flüchtlingen der neue „Ankunftsnachweis“ ausgehändigt, an den in Zukunft Leistungen geknüpft werden sollen.

Die Begründung für die neue IT

„Unser altes System war auf die jährliche Abwicklung von etwa 40.000 bis 50.000 Asylanträgen ausgerichtet“, erläutert Frank-Jürgen Weise, Leiter des BAMF. „Jetzt geht es darum, so schnell wie möglich mehr als eine Million – also zwanzig Mal so viele – Vorgänge zu bearbeiten. Es war sehr schnell klar, dass wir dafür eine neue, sehr viel leistungsfähigere IT-Infrastruktur brauchen und diese in Rekordzeit umsetzen müssen.“

Auf Basis der seit Jahren beim BAMF eingesetzten Oracle-Technik wurde mit Asyl Online in vergleichsweiser kurzer Zeit die neue Plattform aufgebaut. Zum Einsatz kommen die konvergenten Oracle-Systeme „Exalogic“ und „Exadata“. Sie erlauben es, die Datenmengen sicher und schnell zu verarbeiten und stehen in Asyl Online rund um die Uhr zur Verfügung.

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Weit mehr als 10.000 Ankunftsnachweise ausgestellt

Die zentrale Datendrehscheibe macht eine schnelle Datenerfassung und Weiterverarbeitung in den angeschlossenen Behördensystemen auf Bundes- und Länderebene möglich.

Viel Druck und Unterstützung

Wegen der engen politischen Zeitvorgabe setzten die Projektverantwortlichen bei Entwicklung, Test und Integration auf offene Standards, große Flexibilität und die nahtlose Integration in die bestehenden Systeme. Den entscheidenden Zeitvorteil bei der Entwicklung brachte das „Oracle Consulting 2-Tier“-Modell: Bei diesem Modell übernehmen lokale Consultants die Selektion und Paketierung; unterstützt werden sie anschließend von flexibel dimensionierten Entwicklerteams.

Mit der erfolgreichen Umsetzung dieses Projektes seien die zuständigen Stellen nun in der Lage, Flüchtlinge effizienter und zuverlässiger zu registrieren und Transparenz darüber herzustellen, wer sich bei uns wo im Lande aufhält, erläutert Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik. „Damit sind neben den rechtlichen nun auch die technischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewältigung der Flüchtlingskrise geschaffen. Ohne die Technologie und das Know-how unseres Lösungspartners Oracle wäre dies in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen.“

Aufgrund der besonderen Anforderungen wurde das deutsche Kernteam durch weitere Entwicklungsexperten verstärkt und von Thomas Kurian, Oracle President Product Development, geleitet. Innerhalb kürzester Zeit wurden von Oracle Consulting zwei Rechenzentren installiert, die gesamte Infrastruktur eingerichtet, die Anwendungslandschaft integriert, die Umgebung getestet und alles erfolgreich in Betrieb genommen.

Die Verwaltung funktioniert

„Die Herausforderung bei diesem Mammut-Projekt waren die hohe Komplexität der Systeme, die engen Vorgaben und der immense Zeitdruck. Neben einem sehr sorgfältig agierenden Team brauchen Entwickler für solche Aufgaben eine agile Plattform, wie sie aus der Cloud kommen kann“, erläutert Frank Obermeier, Vice President & Country Leader Germany bei Oracle. „Wir alle kennen die Entwicklungen der letzten Monate und haben deshalb gemeinsam mit unseren Partnern auf Seiten des BAMF alle verfügbaren Kräfte mobilisiert, um das in so kurzer Zeit erfolgreich zu stemmen.“

Zusammen mit den durch die Bundesdruckerei realisierten Anwendungen zur Datenerfassung und Erstellung des Ankunftsnachweises sei mit Asyl Online nun eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte in der erfolgreichen Bewältigung der Flüchtlingskrise gelegt, so Weise: „Mit der neuen Plattform sind wir jetzt optimal aufgestellt, um endlich das Gefühl der Unordnung zu beseitigen. So können wir sicherstellen, dass einerseits die Geflüchteten zu ihrem Recht kommen und andererseits die Bevölkerung sehen kann, dass alles in geordneten Bahnen läuft.“

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