Neues von der VeeamON 2017 in New Orleans

Im Rechenzentrum und in der Wolke: Always-On-Strategie lässt Veeam wachsen

| Autor / Redakteur: Jens Soeldner* / Ulrike Ostler

Verfügbarkeit rund um die Uhr war das Thema von Veeam auf der Konferenz VeeamON; unter anderem stellte das Unternehmen hier die Version 10 seiner „Availability Suite“ vor.
Verfügbarkeit rund um die Uhr war das Thema von Veeam auf der Konferenz VeeamON; unter anderem stellte das Unternehmen hier die Version 10 seiner „Availability Suite“ vor. (Bild: gemeinfrei: geralt/Pixabay / CC0)

Veeam Software geht es gut: Wachstum und Kundenzufriedenheit stimmen. Nun hat der Verfügbarkeits- und Backup-Anbieter auf seiner „VeeamON“ Konferenz, in der Südstaatenmetropole New Orleans, vor über 2.500 Teilnehmern wesentliche Funktionalitätserweiterungen seines Flaggschiffprodukts „Veeam Availability Suite“ enthüllt.

Veeam kann auf eine äußerst erfolgreiche gut zehnjährige Firmengeschichte zurückblicken – das Wachstum von 2016 auf 2017 liegt inzwischen laut Gerald Hofmann, Regional VP Central EMEA bei Veeam, bei rund 26 Prozent. Das Unternehmen kann inzwischen rund 240.000 zahlende Kunden vorweisen, wobei die kostenfreien Tools, die der Hersteller zudem zur Verfügung stellt, Nutzerzahlen in den Millionen haben.

Die Kunden sind überaus zufrieden mit dem Hersteller, gemessen an dem „Net Promoter Score“, bei dem Veeam deutlich bessere Noten (73/100 Punkten) bekommt als Virtualisierungsprimus VMware (45 Punkte) oder Cisco (38 Punkte).

Die kommende Version 10 der Availability Suite soll im 4. Quartal 2017 zum Download verfügbar sein.

Wichtigstes neues Feature ist sicher CDP – „Continuous Data Protection“, das die Replikation von VMs mit RPO (Recovery Point Objective) Werten im niedrigen Sekundenbereich erlaubt. Dies stellt eine dramatische Verbesserung über bisher verfügbare Backup- und Replikationsmöglichkeiten von Veeams Availiability Suite dar.

Im Vergleich zu Zerto

Technologie- und Marktführer im CDP-Markt ist bislang der Hersteller Zerto, dessen Produkt die Kunden durchaus überzeugt, aber auch entsprechend hochpreisig ist. Nun erwächst Zerto mit Veeam eine ernstzunehmende Konkurrenz, auf die Zerto auch auf seiner „ZertoCON“ Konferenz eingegangen ist, die diese Woche in Boston stattfand.

Veeams Kunden fragen schon seit längerem nach der CDP-Funktionalität und der Hersteller zieht nun nach. Veeams großer Vorteil ist, dass der Hersteller mit seiner Availability-Suite auf eine weite Verbreitung bei „VMware vSphere“ und „Microsoft Hyper-V“ und einen exzellenten Ruf für Zuverlässigkeit und einfache Bedienbarkeit bauen kann.

Ausnutzen der VAIO-Schnittstelle

Technisch geht Veeam dabei einen anderen Weg als Zerto. Während Zerto die CDP-Funktion frühzeitig implementiert hatte, ohne auf APIs des Herstellers aufsetzen zu können, wird Veeam den nun möglichen „offiziellen Weg“ gehen. Veeam kann dazu auf die mit „vSphere 6“ eingeführter „VMware VAIO“-Schnittstelle (vSphere APIs for IO Filtering) zurückgreifen.

Die VMware VAIO API erlaubt es, den Storage I/O umzubiegen und an Zusatzdienste wie Verschlüsselung oder Replikation umzuleiten. Das CDP-Feature wird mit Spannung erwartet, allerdings hat sich Veeam noch keine Details zu Lizenzierung, Preisen und der genauen technischen Implementierung entlocken lassen.

Neben CDP baut Veeam weitere wesentliche Neuerungen in v10 ein. Dazu gehören endlich die vollständige Backup-Unterstützung von Windows- und Linux-Betriebssystemen, die nicht mit VMware vSphere oder Microsofts Hyper-V virtualisiert wurden.

Physische Server oder diverse Hypervisor

Das können klassische physische Server sein oder auch virtuelle Maschinen, die in einer Cloud-Umgebung oder in einem nicht von Veeam direkt unterstützten Hypervisor (zum Beispiel „Xen“ oder „KVM“) betrieben werden. Gemäß seiner Strategie, Features erst als kostenfreie Tools zu veröffentlichen, setzt die Sicherung von physischen Maschinen und nicht-vSphere/Hyper-V VMs auf die bereits seit 2015 verfügbaren kostenfreien Standalone-Agenten auf.

Dazu wurde „Veeam Backup Endpoint Free“, das physische Windows-Systeme sichern kann, nun in den „Veeam Agent for Microsoft Windows“ überführt, der aber nach wie vor auch in einer kostenfreien Version zur Verfügung gestellt wird. Zusätzlich gibt es nun kostenpflichtige Workstation- und Server-Varianten geben, die dann auch Unternehmensanwendungen wie Microsoft Exchange auf physischen Windows-Server sauber sichern können.

Heute noch nicht verfügbar ist die komplette Management-Integration der Agenten. Sie folgt ebenfalls mit Version v10 Ende 2017.

AWS und Azure und Oracle

Auch in Sachen Cloud hat Veeam einiges an Innovationen vorbereitet. Mit dem Agenten ist eine direkte Sicherung von Windows-Workloads aus „Azure“ heraus möglich. Für die Absicherung von in AWS betriebenen Instanzen ist Veeam eine Partnerschaft mit dem Startup N2WS eingegangen und will das ebenfalls direkt in die Suite integrieren.

Neben der Unterstützung von physischen Server-Systemen unter Windows und Linux als Backup-Quelle, bislang Hauptmanko des Produkts, soll in v10 auch die direkte Sicherung von Fileshares auf Basis von CIFS/SMB und NFS kommen. Zudem kommt nun offizieller Support für die Sicherung- und Rücksicherung von Oracle Workloads via „Oracle RMAN“, eine Feature, das große Kunden schon lange nachfragen.

Weiterhin bietet Veeam zukünftig eine offene API für die Integration weiterer Storage-Systeme an. Allerdings ist eine Freigabe des Storage-Systems durch Veeam nötig, der Storage-Hersteller kann also nicht einseitig sein Storage-System an Veeam anbinden.

Backup-Archive

Um Kunden eine kostengünstige „Endlagerungsstätte“ für Sicherungen anzubieten, werden in v10 auch cloud-basierte Object-Storage Angebote als Backup-Ziel („Archive Repository“) angeboten, darunter „Microsoft Azure Blob Storage“-, „Amazon Glacier“-, „Amazon S3“- und „S3/Swift“- kompatible Systeme. Kunden sollen so Kosten und Aufwand für selten zugegriffene Backup-Archive absenken können.

Auch für die SaaS-Cloud hat Veeam etwas getan. Version 1.5 des noch nicht weithin bekannten „Veeam Backup for Microsoft Office 365“ hilft Backup- und Wiederherstellung in der Office-Cloud in den Griff zu bekommen. Vielen Kunden ist nicht klar, dass sie selbst aktiv werden müssen und sich hier nicht auf Microsoft verlassen können. Die kommende Version 2.0 der „Office 365“-Backup-Software soll dann zudem auch „Sharepoint online“ und „One Drive for Business“ sichern können.

* Jens Söldner ist Berater und schreibt für mehrere Fachpublikationen.

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