Software-definierte Infrastrukturen

Hip, Hype – Hyperconverged?

| Autor / Redakteur: Otto Geißler / Ulrike Ostler

Mit einer geeigneten Hyperconverged Infrastructure (HCI) können gewaltige Ersparnisse einhergehen.
Mit einer geeigneten Hyperconverged Infrastructure (HCI) können gewaltige Ersparnisse einhergehen. (Bild: gemeinfrei: geralt / pixabay / CC0)

Hyperkonvergente Infrastrukturen (HCI) locken mit einem kräftigen Plus an Flexibilität, Geschwindigkeit, Skalierung und sogar Effizienz. Zunehmend kommen HCI-Lösungen in der Praxis zum Einsatz – jedoch mit gemischtem Erfolg. Warum?

Im Vergleich zu den herkömmlichen Technologien der Virtualisierung gestattet die Hyperkonvergenz durch eine noch höhere Abstraktion von Soft- und Hardware weitaus effizientere Lösungen. Das heißt: Anwendungen lassen sich auf diese Weise noch schneller und noch höher skaliert bereitstellen. Klingt vielversprechend!

Virtualisierung hin oder her, doch im Grunde ist die Idee, die dahintersteckt, nicht ganz so rasant neu: Denn HCI setzt wieder verstärkt auf die guten alten Komplettsysteme. So war es früher ganz normal, dass Server, Storage und Netzwerkverwaltung in einem Gerät im Einsatz waren. Mit zunehmenden Anforderungen an die Performance ließ sich diese Kombination kaum mehr aufrechterhalten. Damit die Server-Kühlung und Stromleistung nicht überfordert wurden, mussten die Speicher aus dem Verbund ausscheiden.

Wieder zurück in die Zukunft?

Für eine hohe Verfügbarkeit durch Redundanz von Bauteilen und mehreren Servern erhielten die Speicher eine zentrale Verwaltung. Aus diesem Grunde dominierten die letzten Jahre zentrale Storage-Systeme, die extern über einen SAN-Switch mit den Servern verbunden waren. Die Virtualisierung verstärkte diesen Trend: Indem die Gast-Server von der Hardware losgelöst waren, konnten viele kleine Server an ein zentrales Storage angegliedert werden.

Wenn also Storage und Virtualisierung im gleichen Gerät untergebracht sind, reduziert das Komplikationen zwischen den einzelnen Servern, die sonst auf dem zentralen Storage um die Bandbreite konkurrieren. Darüber hinaus kommen schnelle SSD/NVMe-Flash-Speicher zum Einsatz, die den Systemen zusätzlich den erforderlichen Schub verleihen. So können auch große Anwendungen auf einer einzelnen Hardware laufen. Überzeugende Argumente! Aber kann davon auch jeder Anwender profitieren?

Auf das Geschäftsmodell kommt es an

Wenn man sich die Frage stellt, ob sich eine Hyperkonvergente Infrastruktur für ein Unternehmen eignet, muss man sich laut Michael Homborg, Category Manager Primeflex Integrated Systems Central Europe bei Fujitsu, fünf wesentliche Fragen stellen. „Diese „Compelling Reasons“ thematisieren wir immer gleich zu Beginn unserer Kundengespräche“, unterstreicht Homborg. „Dazu gehören die Fragen nach der Software-Entwicklung als Kerngeschäft, dem Anteil der unplanbaren Workloads, der Art und Anzahl der Virtual Machines, der Anforderung nach den geringsten Latenzen sowie die Themen Konsolidierung und Simplifizierung.“

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„Je innovationsgetriebener und je wachstumsorientierter der Kunde aufgestellt ist, umso mehr eignet sich HCI.“ Michael Homborg, Category Manager Primeflex Integrated Systems Central Europe bei Fujitsu.
„Je innovationsgetriebener und je wachstumsorientierter der Kunde aufgestellt ist, umso mehr eignet sich HCI.“ Michael Homborg, Category Manager Primeflex Integrated Systems Central Europe bei Fujitsu. (Bild: Fujitsu)

Für den Fall, dass das Kerngeschäft des Kunden die Entwicklung von Software notwendig macht, so qualifiziert sich nach Meinung von Homborg eine Hyperkonvergente Infrastruktur. Oder besteht ein Anteil von mindestens 25 bis 30 Prozent an so genannten Elastic Workloads, also einer Auslastung, die vorher nicht geplant werden können? Dann empfiehlt Fujitsu den Weg mit HCI in die Cloud. Wenn sich zum Beispiel besonders viele Virtuelle Maschinen im System befinden und diese semi-automatisch verwaltet werden sollen, so kann HCI auch hierfür eine sinnvolle Lösung sein.

Ein weiteres Thema ist für Homborg die „Low Latency“ beziehungsweise niedrige Wartezeit. Software-defined Storage bietet überraschend hohe Geschwindigkeiten für die Speicherung und den Abruf von Daten. Spezifische Anforderungen an eine Konsolidierung und Simplifizierung des Systems rechtfertigen ebenfalls den Einsatz von HCI. Moderne HCI-Systeme unterstützen Administratoren mit einer eigenen, lernenden künstlichen Intelligenz (KI). Diese kann administrative Änderungen am System nach dem Prinzp „Data at rest“ behandeln, also zeitverzögert, sozusagen zum optimalen Zeitpunkt, ausführen.

„Unter echter Simplifizierung verstehe ich im Besonderen die Zusammenführung aller File-System- und OS-Funktionen, die für den Betrieb einer Enterprise-Anwendung unter einer intuitiv bedienbaren grafischen Benutzeroberfläche (Graphical User Interface - GUI) benötigt werden“, so Homborg. Mit dem Wechsel auf eine HCI wird man also flexibler, ohne allerdings die Benutzeroberfläche verlassen zu müssen.

HCI punktet mit Agilität

Wenn es also um eine schnelle Reaktion auf veränderte Marktbedingungen, dem Aufsetzen neuer digitaler Geschäftsideen und Anwendungen oder die Bereitstellung dynamischer Rechen- und Speicherressourcen geht, spielen hyperkonvergente Systeme ihre großen Stärken gegenüber den herkömmlichen Systemen aus.

Aber welches deutsche Unternehmen hat beispielsweise einen so hohen Eigenbedarf an einer eigenen Softwareentwicklung? Solche Aufgaben können ebenso von einem spezialisierten IT-Dienstleister übernommen werden. „HCI wird erst dann interessant, wenn die selbst entwickelte Software für das Unternehmen einen großen betriebswirtschaftlichen Mehrwert darstellt“, betont Homborg. „Genauso wenig müssen Datenbanken jeden Tag geändert werden. Viele Kunden glauben, sie müssten jetzt auch ihre Systeme mit HCI unterfüttern. Doch das ist oftmals gar nicht notwendig.“

Ein Anwenderbeispiel von Fujitsu demonstriert, dass sich ein Unternehmen mit einer jährlichen Wachstumsquote von rund 20 Prozent für Compute und Storage sowie insgesamt 650 Virtuellen Maschinen im Bestand für die Fujitsu-HCI-Lösung Primeflex bestens qualifiziert. Da in der Folge nur noch ein Fünftel der Mannschaft für Administration, kein Storage, weniger Platz und nur noch ein Sechstel des Rackspaces benötigt wird, entstehen mit HCI gewaltige Ersparnisse. „Dieser Vorteil trifft aber nur für richtige Wachstumskunden zu“, stellt Homborg deutlich heraus. „Viele Kunden verfügen in Deutschland nicht über diese Wachstumsraten. Daher gilt: Je innovationsgetriebener und je wachstumsorientierter der Kunde aufgestellt ist, umso mehr eignet sich HCI. Die Größe des Unternehmens spielt dagegen eine eher nachrangige Rolle.“

Darüber hinaus sollten sich die Unternehmen laut Homborg vorher genau überlegen, welche Daten sie einer Cloud anvertrauen wollen und wie diese dann vor der Konkurrenz geschützt werden. „Es herrscht vom Startup bis zum Konzernlenker häufig der Irrglaube vor, man brauche die Daten nur in die Cloud zu verfrachten und dann wird man schon sehen, was passiert“, mahnt Homborg. Mit den HCI-Lösungen kommt dagegen ein Stück Cloud zurück zu den Kunden. Die Daten können lokal verbleiben, selbst wenn die Anwendungen teilweise in der Public Cloud betrieben werden – sicher und administrierbar.

Fazit

Lösungen auf Basis einer hyperkonvergenten Infrastruktur werden die IT-Silos verdrängen, worin bisher Server, Speicher und Netzwerke unabhängig voneinander liefen. Die User sollten dabei immer ins Kalkül ziehen, dass eine schnelle Bereitstellung von Applikationen sowie Ersparnisse nur einen Teil der Fragen beantwortet und oftmals an den eigentlichen Anforderungen vorbeigeht.

Vielmehr geht es darum, die geeigneten Anwendungen für die Mitarbeiter zu implementieren, die sie auch tatsächlich für eine effektive Bewältigung ihrer Aufgaben brauchen. Im Grunde kann eine HCI nur so ihre Stärken voll entfalten.

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In der Tat ist HCI nicht immer die richtige bzw. die alleinig passende Infrastrukturlösung. Wie im...  lesen
posted am 13.08.2018 um 09:31 von Michael Theurer

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posted am 01.08.2018 um 10:34 von Unregistriert


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