Verteiltes Computing und lokales Heizen mit Qarnot-Technik Heizkörper und Heizkessel, die KI-Modelle rechnen

Redakteur: Ulrike Ostler

Das französische Unternehmen Qarnot stellt Heizkörper und Heizkessel her, die, wenn sie heizen sollen, die immanenten Computer einschalten. Dabei verbindet sich der Warmwasserboiler oder der Heizkörper mit dem Internet. Voraussetzung ist einer Glasfaseranbindung.

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Der französische Cloud-Provider Qarnot integriert Rechner unter anderem in Heizkörper und Heizkessel. Die Nutzer heizen also mit Rechen-Power, die an anderen Orten benötigt wird.
Der französische Cloud-Provider Qarnot integriert Rechner unter anderem in Heizkörper und Heizkessel. Die Nutzer heizen also mit Rechen-Power, die an anderen Orten benötigt wird.
(Bild: Quanot Computing)

Das Konzept ähnelt dem von Cloud & Heat, doch versieht Quarnot Bürogebäude, Lehranstalten und Wohnungen direkt mit den „Endgeräten“. Das heißt: Die beim Rechnen entstehende Wärme wird nicht abgeführt, etwa in ein Fern- oder Nahwärmenetz, sondern es wird dort gerechnet, wo die Wärme benötigt wird. Die Computer befinden sich in den Heizköpern, beziehungsweise in den Heizkesseln.

Die Bewohner, die einen rechnenden Heizköper nutzen, können die selbst Wärme regeln. Je nach gewünschter Temperatur rechnen ein, zwei oder drei Computer gleichzeitig und erzeugen so die Raumwärme.

Für die Rechnerei sorgen die Heizungsbesitzer nicht selbst. Die Kunden von Qarnot sind hauptsächlich in der Finanz- und 3D-Animationsbranche tätig. Das sind, wie es in einem AMD-Anwenderbericht (siehe: Video) heißt, „zwei Sektoren, die heute viel Rechenleistung benötigen und in Zukunft noch mehr benötigen werden“. Sie kaufen die Rechenleistung bei Qarnot ein und lassen die Daten in den Heizkörpern verarbeiten.

Allerdings kommen in jüngster Zeit auch mehr und mehr KI-Trainings dazu. Die Software, die Qarnot bietet, basiert im Wesentlichen auf Docker.

Die Warmwassergeräte rechnen hauptsächlich mit AMD-Prozessoren. Die User-Story aus dem Jahr 2018 von AMD zitiert Paul Benoit, CEO und Gründer von Qarnot Computing. Das 2010 gegründete Unternehmen habe „AMD Ryzen Pro“-Prozessoren gewählt; denn mit acht Kernen könne das Unternehmen den Kunden mehr Kerne für den gleichen Preis zur Verfügung stellen.“

Die Ausstattung eines kompletten Gebäudes mit 300 Heizungen entspricht etwa 8000 AMD Ryzen-Kernen. Mittlerweile hat Quarnot eine ganze Reihe von Gebäuden mit ihren Heizungen, Heizkörpern „QH.1“, bestückt: Darunter befinden sich mehrere Komplexe des Sozialen Wohnungsbaus mit einmal 304 und einmal 272 Heizkörpern in Paris, mit 346 in Bordeaux und die Jean-Jarès High School mit 47 Heizkörpern.

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Der digitale Heizkessel „QB-1“ produziert mithilfe eines Wärmerückgewinnungssystems etwa 60 Grad heißes Wasser (Brauchwasser und hydraulische Heizung), durch die Wärme, die 24 Server abgeben. Jedes QB-1-Modul kann laut Hersteller bis zu 3 Kilowatt Leistung liefern. Je nach Bedarf des zu versorgenden Gebäudes lassen sich mehrere Module installieren. Sie werden in Reihe (mehr Wärme) oder parallel (mehr Durchfluss) oder kombiniert verwendet.

Nach Herstellerangaben wird QB-1 zumeist installiert und dimensioniert, um die Warmwasser-Grundproduktion oder die Warmwasser-Rückführung zu beheizen. Doch die grundsätzlich ist die Verwendung der Wärme nicht an einen Zweck gebunden: Schwimmbäder, Wohnhäuser, Hotels, öffentliche Gebäude, Büros, Heizungsnetze...

Wie die Anwenderbeispiele auf der Website des Unternehmens zeigen, werden die Heizkessel im Wohnungsbau oft mit den Heizkörpern kombiniert. Das muss aber nicht so sein.

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