Hyperkonvergenz ist nur eine Lösung

HCI im Vergleich zu konvergenten Infrastrukturen für das Datacenter

| Autor / Redakteur: Torsten Marzin* / Ulrike Ostler

Hyper-Converged versus Converged Infrastructure - die Autoren von Netapp und Fujitsu TS erörtern, wann sich was lohnt und haben zudem eine Checkliste erstellt.
Hyper-Converged versus Converged Infrastructure - die Autoren von Netapp und Fujitsu TS erörtern, wann sich was lohnt und haben zudem eine Checkliste erstellt. (Bild: © fotogestoeber - stock.adobe.com)

Die IT-Infrastruktur im Rechenzentrum muss flexibler und agiler werden. Doch wie lässt sich das bewerkstelligen? Eine Option ist eine konvergente Infrastruktur. Im Vergleich zu einer Hyper-Converged Infrastructure bietet sie Vorteile, etwa bei der Skalierbarkeit.

Die IT-Infrastruktur im Rechenzentrum muss nicht nur leistungsfähig und zuverlässig sein. Ebenso wichtig ist, dass sie sich auf einfache Weise an geänderte Anforderungen anpassen lässt, und das auf möglichst einfache Weise.

Daher werden konvergente Infrastruktur-Angebote (Converged Infrastructure, CI) und Hyper-Converged Infrastructrures (HCI) für Unternehmen immer interessanter. Beide basieren auf Appliances, die Elemente eines Rechenzentrums in einem System vereinen: Server, Speicherkapazitäten (Storage) und Netzwerk-Komponenten. Hinzu kommen eine Virtualisierungssoftware und ein zentrales Management.

CI-Appliances stellen beispielsweise Anbieter wie Fujitsu und Netapp („Nflex“), HPE („Synergy“), Cisco und NetApp („Flexpod“) bereit. Hyperkonvergente Systeme sind von Netapp („Netapp HCI“) und Nutanix („Acropolis HCI“) verfügbar, außerdem von Dell EMC („VxRail“), VMware („vSAN“) und Fujitsu („Fujitsu Integrated System Primeflex“).

Komplettes Ökosystem: „Nflex“ vereint Server-Systeme von Fujitsu, Storage-Komponenten von Netapp und Netzwerk-Switches von Extreme Networks.
Komplettes Ökosystem: „Nflex“ vereint Server-Systeme von Fujitsu, Storage-Komponenten von Netapp und Netzwerk-Switches von Extreme Networks. (Bild: Netapp / Fujitsu)

Die Frage ist nun, für welchen Ansatz sich ein Unternehmen entscheiden soll. Doch eines vorweg: Der Einsatz einer (hyper-)konvergenten Infrastruktur lohnt sich, so das Marktforschungshaus ESG. Demnach sanken in Unternehmen, die eine CI beziehungsweise HCI einsetzen, die Betriebskosten im Bereich IT-Infrastruktur um 25 Prozent. Außerdem reduzierte sich der Zeitaufwand für das Implementieren neuer Infrastruktur-Komponenten um mehr als 50 Prozent. Auch für das System-Management müssen IT-Abteilungen 31 Prozent weniger Zeit aufwenden.

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Checkliste: Kriterien bei der Auswahl einer Converged Infrastructure

Converged Infrastructure im Vergleich zu HCI

Konvergente und HCI-Systeme bieten vergleichbare Vorteile. Dazu zählen kurze Implementierungszeiten, eine gute Skalierbarkeit und ein geringer Platzbedarf. Allerdings sind die Komponenten einer HCI-Appliance stärker miteinander verzahnt als die einer CI, etwa wegen der Virtualisierung von Speicherressourcen.

Zu den Vorteilen einer HCI wie Fujitsu Integrated System Primeflex oder Netapp HCI zählt, dass diese sich mit überschaubarem Aufwand implementieren lassen. Das kommt Unternehmen entgegen, die über kleine IT-Abteilungen verfügen.

Hinzu kommen Quality-of-Service-Funktionen (QoS) und die Option, eine HCI mittels eines Scale-out-Ansatzes zu erweitern. Zudem lassen sich Aufgaben automatisieren, etwa das Bereitstellen und Verwalten von Servern und Anwendungen.

Einschränkungen einer HCI

Dem stehen jedoch mehrere Einschränkungen gegenüber. So ist das Software-Lizenz-Management bei HCI-Lösungen wegen des hohen Virtualisierungsgrades aufwendiger. Das gilt vor allem für Anwendungen, die auf Basis von Rechenkernen und Prozessorsockeln abgerechnet werden.

Hinzu kommt die begrenzt variable Skalierbarkeit. Benötigt ein Nutzer beispielsweise zusätzliche Storage-Kapazitäten, muss er – je nach Anbieter –komplette HCI-Knoten hinzufügen inklusive Server und Netzwerkkomponenten. Das erhöht die Kosten.

Ein weiteres Manko ist, dass sich vorhandene Storage-Systeme nur mit Aufwand an ein hyperkonvergentes System anbinden lassen. Der Grund ist die enge Verknüpfung der Komponenten einer HCI-Appliance. Dieser hohe Integrationsgrad kann außerdem zur Abhängigkeit von einem einzelnen Systemlieferanten führen.

Konvergente Infrastruktur mit besserer Skalierbarkeit

Konvergente Systeme wie Nflex bieten im Gegensatz zu den meisten HCI die Möglichkeit, einzelne Bestandteile zu erweitern oder auszutauschen. Ein Beispiel: Ein Nutzer benötigt bei einem CI-System ein größeres All-Flash Storage Array (AFA). In diesem Fall kann der Nutzer das Array durch eines mit mehr Speicherplatz ersetzen, ohne gleichzeitig neue Server und Netzwerkkomponenten zu kaufen.

Dass die Anforderungen an die Rechen- und Speicherkapazitäten nicht im Gleichschritt steigen, ist besonders häufig bei den so genannten „Systems of Record“ der Fall, die das Rückgrat eines Rechenzentrums bilden. Eine CI ermöglicht es, granular auf veränderte Anforderungen an solche Systeme zu reagieren. Das schont das IT-Budget.

Hinzu kommen zwei weitere Faktoren: Zum einen können IT-Fachleute die Systembestandteile einer CI, etwa Server von Fujitsu und Storage-Systeme von Netapp, an die Anforderungen einzelner Anwendungen anpassen. Ein solches Fein-Tuning ist bei einer HCI meist nur unter Einschränkungen möglich. Das ist durchaus gewollt, weil es die Konfiguration und den Betrieb der Appliances vereinfacht.

Zum anderen lässt sich ein konvergentes Infrastruktur-System in Verbindung mit einer Virtualisierungsschicht oder auf der „nackten“ Hardware (Bare Metal) implementieren. IT-Spezialisten haben somit bei einer CI mehr Optionen als bei einer HCI, müssen allerdings auch über eine größere Expertise verfügen.

Trend: Converged und Hyper-Converged im Verbund

Das heißt jedoch nicht, dass in Rechenzentren eine „Entweder-oder-Entscheidung“ ansteht. Vielmehr lassen sich konvergente und hyperkonvergente Systeme parallel einsetzen. Eine HCI mit ihrem auf APIs (Application Programming Interfaces) ausgerichteten Ansatz eignet sich vor allem dafür, um IT-Ressourcen schnell auf einer Private Cloud bereitzustellen.

Der zweite Autor, Torsten Marzin, arbeitet für Fujitsu Technology Solutions.
Der zweite Autor, Torsten Marzin, arbeitet für Fujitsu Technology Solutions. (Bild: Fujitsu)

Eine Converged Infrastructure ist dagegen stärker auf die Hardware ausgelegt. Sie kommt dann in Betracht, wenn eine hohe Flexibilität bei der Implementierung gefragt ist und die IT-Plattform an spezielle Anforderungen angepasst werden soll.

Ein Beispiel ist die Unterstützung von Geschäftsanwendungen wie „SAP S/4HANA“. Mit einer CI wie „Nflex for SAP“-Environments lassen sich SAP-Systeme im Rechenzentrum in eine Hybrid-Cloud-Infrastruktur transformieren. Dadurch können Nutzer auf Geschäftsanwendungen wie S/4HANA zugreifen, die sowohl im hauseigenen Rechenzentrum als auch über eine Cloud bereitstehen. Konvergente Systeme, die von Software-Herstellern zertifiziert wurden, sind auch für andere Anwendungen verfügbar, etwa von Oracle oder VMware.

* Torsten Marzin ist Senior Solution Architect bei Fujitsu Technology Solutions.

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