Eine auf 40 Jahre angelegte Vereinbarung soll schon ab 2030 Mikroreaktoren für Rechenzentren und Industriebetriebe in den USA bereitstellen. Bis 2035 nennen die Partner über 3 Gigawatt Zielleistung.
Modell eines 1-Megawatt-Mikroreaktors von Deployable Energy bis Containerformat
(Bild: Depoyable Energy)
Der Energieprojekt-Vermittler für Datacenter Gridmarket und der Reaktorentwickler Deployable Energy kündigen eine kommerzielle Partnerschaft an, um den Mikroreaktor „Unity Nuclear Battery“ über einen Zeitraum von 40 Jahren in den USA auszuliefern. Zielgruppe sind Rechenzentren, Cloud-Betreiber und industrielle Fertiger. Bemerkenswert ist das angepeilte Startdatum. Während viele Projekte kleinerer modularer Nuklearreaktoren (Small Modular Reactors) nicht vor Mitte der 2030er Jahre marktfähig sein dürften, wollen die Projektpartner in diesem Fall schon 2030 die ersten 500 Megawatt Leistung aus Nuklearenergie liefern und die gleiche Leistung jährlich bis 2035 bereitstellen. 3 Gigawatt elektrische Leistung sind somit für 2035 geplant.
Gridmarket steuert laut eigener Darstellung eine Datenbank bewerteter Standorte sowie einen bestehenden Kundenstamm bei und soll daraus eine Projektpipeline für die Reaktoren aufbauen. Deployable Energy sagt Bestandskunden von Gridmarket bevorzugte Liefertermine für spätere Reaktoreinheiten zu. Der nächste konkrete Schritt ist die Auswahl eines Standorts für ein Pilotprojekt, das die Technik unter realen Bedingungen prüfen soll. Details dazu liegen bislang nicht vor.
Dealwert von 145 Milliarden Dollar… über 40 Jahre
Die Partner kommunizieren einen Gesamtwert der Vereinbarung von 145 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert folgt allerdings nicht etwa aus einem verbindlichen Auftrag, sondern ist eine Schätzung der Partnerschaft über die volle Laufzeit von 40 Jahren, sofern der komplette Ausbau realisiert wird; also unter dem Vorbehalt, dass Pilotbetrieb, Serienfertigung und Genehmigungen gelingen.
Der Unity-Reaktor ist als Einheit mit rund einem Megawatt elektrischer Leistung ausgelegt und soll komplett vorgefertigt in einem 6 Meter langem Container transportierbar sein. Die modulare Bauweise soll Bauzeiten verkürzen und die Anlage direkt am Ort des Bedarfs installierbar machen, um lokale Netzengpässe zu umgehen. Ein Ausbau auf 3 Gigawatt entspräche zugleich rechnerisch etwa 3.000 Reaktoren, was einen industrialisierten Fertigungs- und Genehmigungsprozess in großem Maßstab voraussetzt.
Hersteller meldet Kritikalität
Die US-Regulierungsbehörde NRC beschreibt das Deployable-System als Mikroreaktor mit aktiv gekühltem Helium-Primärkreislauf und Brennstoff aus schwach angereichertem Uran (unter fünf Prozent).Deployable Energy meldet, sein Prototyp habe 150 Tage nach Projektstart Kritikalität (sich selbst erhaltende Kettenreaktion) erreicht. Der Test lief unter dem im März 2026 gestarteten „Nuclear Energy Launch Pad“ des US-Energieministeriums, das Nuklearprojekten Flächen am Idaho National Laboratory für Testreaktoren bereitstellt. Nach Angaben des Energieministeriums handelte es sich dabei um einen Nullleistungs-Physiktest, der keine Stromerzeugung umfasst.
Kritikalität ist ein früher, aber begrenzter Nachweis: Sie bestätigt die physikalische Funktionsfähigkeit des Kerns, nicht den Dauerbetrieb unter Last, die Netzintegration oder die behördliche Zulassung für eine kommerzielle Anlage. Die als Nächstes geplanten Testphasen (Lastwechselversuche, Sicherheitsnachweise bei Störfällen, Volllastbetrieb) stehen laut Unternehmensangaben erst noch bevor. Gridmarket bewirbt Unity als kombiniertes Versorgungssystem, das Strom, Wärme und Kühlung in einer Anlage liefere und so den Wasserverbrauch von Rechenzentren senke. Details zur Architektur der kombinierten Strom-, Kühlungs- und Wärmeversorgung liegen bislang noch nicht vor.
Die Ankündigung reiht sich in einen breiteren Trend ein, wonach Betreiber wegen des steigenden Strombedarfs von KI- und Cloud-Lasten auf Kernkraft als planbare Grundlast (kontinuierliche Basisleistung) setzen. Gridmarket-CEO Nick Davis nennt die Stromverfügbarkeit „die entscheidende Herausforderung“. Zu den Akteuren mit Nuklearplänen zählen unter anderem Amazon, Google, Oracle, Switch und Equinix. Der Zeitplan ist im Vergleich zum Marktumfeld sehr ambitioniert. Rolls-Royce, das sich in Großbritannien bereits in der abschließenden Phase des Designprüfverfahrens (allerdings für deutlich größere SMRs) befindet, rechnet nicht mit einem breiten Marktstart vor 2035. Google hingegen rechnet im Rahmen seiner Vereinbarung mit Kairos ebenfalls mit einem ersten Einsatz von Atomkraft ab 2030.
Langer regulatorischer Weg bis zur Marktreife
Aufsichtsrechtlich steht der Unity-Reaktor dabei am Anfang: Bei der US-Atomaufsicht NRC läuft seit Oktober 2025 ein Vorantragsverfahren. Bislang liegen dort eine Absichtserklärung, ein überarbeiteter Regulatory Engagement Plan sowie ein erstes Whitepaper zur Qualitätssicherung vor, von denen die NRC nur Letzteres aktiv prüft. Für den Erstbau (First-of-a-kind) strebt Deployable Energy eine Baugenehmigung für das dritte Quartal 2027 und eine Betriebsgenehmigung für den Pilotreaktor im vierten Quartal 2028 an. Es ist somit ein sehr knapper Zeitrahmen, der den Partner für ihr Ziel bleibt, bereits 2030 die ersten 500 Megawatt kommerziell installiert haben zu wollen.
Stand: 08.12.2025
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