Forrester-Studie über europäische IT-Service-Anbieter

Global-Delivery-Fähigkeiten müssen massiv verstärkt werden

04.06.2007 | Autor / Redakteur: Peter Hempel / Florian Karlstetter

Europäische IT-Service-Anbieter hinken momentan ihren globalen Wettbewerbern hinterher, holen aber auf. Das zeigt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Forrester Research, in der sechs führende europäische IT-Serviceanbieter hinsichtlich der Nutzung ihrer so genannten low-cost Offshore- und Nearshore-Angebote untersucht wurden.

Der Begriff Offshoring bezeichnet eine Form der Verlagerung unternehmerischer Funktionen und Prozesse ins Ausland. Auslöser für eine Offshoring-Entscheidung sind in der Regel die im Ausland günstigeren Rahmenbedingungen, insbesondere bei den Arbeitskosten. Aber auch im Ursprungsland nicht oder ungenügend vorhandene Spezialisten können ein Grund für eine Offshoring-Entscheidung sein.

Der Begriff des Offshoring hat in Europa insbesondere aufgrund der anhaltenden Verlagerung von Arbeitsplätzen in osteuropäische Länder einen negativen Beigeschmack erhalten. Doch speziell hier handelt es sich eigentlich nicht um Off- sonder Nearshoring. Nearshoring hat die gleichen Effekte wie Offshoring zum Ziel, allerdings bei gleichzeitig größerer kultureller und räumlicher Nähe.

Während die Umsätze indischer und anderer Offshore-IT-Service-Unternehmen beständig wachsen, versuchen große europäische Unternehmen wie Capgemini, Atos Origin, T-Systems und LogicaCMG durch so genannte Global Delivery Models (GDM) dieser Bedrohung etwas entgegenzusetzen. Zwar ist Capgemini mit der Übernahme der international agierenden Firma Kanbay der europäischen Entwicklung einen Schritt voraus, dennoch behaupten Global Player wie IBM und Accenture sowie indische Marktführer wie TCS und Infosys ihre „Global Delivery“-Führung sowohl gegenüber Capgemini als auch den anderen europäischen Anbietern.

Der Trend lässt Veränderung erahnen

Die Studie ergab außerdem, dass Siemens und Capgemini, die jeweils über einen Personalbestand von rund 20 Prozent in Niedriglohnländern verfügen, damit die Spitze der europäischen Unternehmen bilden. Das Gros der befragten Serviceanbieter erwartet jedoch, dass sich ihr Offshore-Personalbestand in diesem Jahr nahezu verdoppeln wird.

Die Marktforscher von Forrester haben in der Studie gezeigt, dass Capgemini fast 50 aktive Kundenbeziehungen in Europa dank low-cost Nearshore- und Offshore-Services bindet. Dem gegenüber stehen die Top-Drei der indischen GDMs – Infosys, TCS und Wipro – die jeweils mit 130 bis 230 europäischen Kunden aufwarten können.

Fazit: Handlungsbedarf

Von globaler Vernetzung der europäischen IT-Serviceanbieter kann also nicht die Rede sein. Abgesehen von einem oder zwei Unternehmen hat laut Studie noch niemand diesen Reifegrad erreicht. Kein europäisches Unternehmen erreicht einen kompletten globalen Delivery-Ansatz, in dem die Arbeit auf Niederlassungen in aller Welt nach den Prinzipien verteilt wird: Höchster Wert für Kunden, beste Verfügbarkeit der Ressourcen zum besten Preis und weitere ähnliche Faktoren.

„IT Services Global Delivery“ wird eines der Themen des Forrester Research IT-Forums EMEA, vom 11. bis 13. Juni 2007 in Edinburgh sein. Zu den Rednern gehören neben den Forrester-Experten auch Industrie-Experten von IBM, Diageo, Graham Technology, Volkswagen und Sony Ericsson. Mehr Informationen zu diesem Forum sind auf der Website von Forrester zu finden. Ebenso kann man dort die komplette Studie zum Preis von 775 US-Dollar herunterladen.

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