Die Roboter kommen: Robopin und Effibot

Fujitsu und DHL bringen innovative Technologien in die Logistik

| Redakteur: Ulrike Ostler

Dr. Markus Voss, DHL-CIO, mit dem Roboter-Rollwagen "Effibot" auf der Bühne des Fujitsu Forum in München
Dr. Markus Voss, DHL-CIO, mit dem Roboter-Rollwagen "Effibot" auf der Bühne des Fujitsu Forum in München (Bild: Fujitsu)

DHL und Fujitsu sind längst Technologie-Partner. So stellte DHL jüngst in einer Keynote auf dem „Fujitsu Forum“ in München einen Lagerroboter vor, der bei der Kommissionierung hilft, eine Drohne, die eine DHL-Paketstation beliefert, und ein System, bei dem die DHL-Fahrer bei Ermüdung im Führerhaus geweckt werden. Jetzt wollen auch Fujitsu und die DHL Supply Chain in Großbritannien neue Services auf Basis von tragbarer Technologie und dem Internet of Things (IoT) entwickeln.

Die Partnerschaft baut auf der bisherigen erfolgreichen Zusammenarbeit von Fujitsu mit DHL bei Managed Procurement Services auf, die einen neuen Geschäftsansatz für Beschaffungsdienstleistungen verfolgen, unter anderem für Schutzausrüstung von Rettungs- und Einsatzkräften.

Tragbare IoT-Technologien wie „Fujitsu Ubiquitousware“ ermöglichen es beispielsweise Einsatz- und Rettungskräften, das Wohlbefinden einzelner Mitarbeiter im Einsatz zu verfolgen. Über ein Dashboard werden Status und Aufenthaltsort der Person angezeigt. So können angemessene und schnelle Reaktionen in sicherheitskritischen und lebensbedrohlichen Situationen gewährleistet und wichtige Schutzausrüstung in Echtzeit geortet werden.

Fujitsu und DHL planen außerdem die Erschließung neuer Märkte in anderen Branchen, wie zum Beispiel der Luftfahrt-Logistik. Wie neue Anwendungen aussehen können, präsentierte Markus Voss, Chief Information Officer bei der Deutsche Post DHL Group, auf dem diesjährigen Fujitsu-Forum betonte. Zunächst betrat er mit seinen maschinellen Mitarbeiter „Effibot“ die Bühne, ein Produkt des französischen Startup-Unternehmens Effidence, und zeigte in einem Film, wie der Roboter den Lagermitarbeitern auf Schritt und Tritt folgt um mit der kommissionierten Ware beladen zu werden.

In einem Pilotversuch im Supply Chain-Lager in Unna wurde die automatisierte Kommissionierung mit Unterstützung des voll automatisierten Roboter-Rollwagens Effibot getestet. Der Roboter fährt im Lager hinter den Mitarbeitern her und erledigt den größten Teil der physischen Arbeit (siehe: Infografik und Video). So nimmt der Wagen die eingesammelten Waren auf und fährt, sobald er voll beladen ist, automatisch zur Entladestelle.

Dort entladen sich die Fahrzeuge ebenfalls automatisch und kehren zum Kommissionierer zurück. Die Lagermitarbeiter waren sichtlich erfreut, während der Arbeit beide Hände frei zu haben und keine schweren Wagen ziehen oder schieben zu müssen.

Die Veränderung geht schnell vor sich

Der DHL-CIO sagt: „Veränderungen können wir nicht länger in Jahren, sondern müssen sie in Stunden messen. Wir leben vernetzter denn je und verbringen immer mehr Zeit vor einem Display. Sowohl im Beruf als auch privat dominieren Daten unseren Alltag.“

Als Vorreiter in der Logistikbranche stellt die Lösung von DHL eine personalisierte Lieferkette für Notfall- und andere uniformierte Dienste bereit. Fujitsu unterstützt diese mit seiner E-Commerce-Plattform. Das Konzept reduziert die Kosten des Produkt- und Lieferketten-Managements, fördert Innovation, ist leicht anzuwenden und personalisierbar.

Eine weitere zukunftsweisende Anwendung von DHL ist die Lieferung der Pakete per Drohne. Der Einsatz ist jedoch durchaus noch mit vielen Hindernissen verbunden. „Wenn ich nur daran denke, wie schwierig es war, nur einmal den Rhein unfallfrei zu überqueren“.

Derzeit läuft n dem bayerischen Ort Reit im Winkl ein erster Feldversuch. Dort beliefert der „DHL Paketkopter 3.0“ Kunden in entlegenen Gebieten mit Paketen. Mit Hilfe des voll automatisierten „Skyport“-Systems funktionierten Be- und Entladung so einfach, wie an jeder Packstation, teilt DHL mit.

Paul Richardson, Managing Director Specialist Services bei DHL Supply Chain UK, sagt nun: „Als weltweit führendes Logistikunternehmen suchen wir immer nach Innovationen, die das Leben unserer Kunden verbessern. Tragbare Technologien werden unsere Arbeitswelt nachhaltig verändern. Sie lassen uns besser verstehen, was um uns herum passiert, und gewähren uns einen nie zuvor dagewesenen Einblick in unsere Umgebung in Echtzeit. Ich freue mich auf die Partnerschaft mit Fujitsu in diesem Bereich und bin zuversichtlich, dass wir zusammen einen Impulsgeber auf den Markt bringen können.“

Einsatz für den Globe Ranger

Insbesondere rückt hier die IoT-Anwendung „Globe Ranger“ von Fujitsu in den Blick, das etwa für das Tracking, die Bestandskontrolle und Management der 25.000 Mietgeräte von Bearcom im Einsatz ist. Hier ersetzen RFID Tags und Lesegeräte zeitaufwändige Barcode Scans und optimieren die Inventurverwaltung einschließlich des Kunden-Check-in und -Check-out sowie der Kontrolle während des Transports.

Bearcom ist der größte US-amerikanische Anbieter für Funkverbindungsausrüstung, inklusive Hochleistungs-Digitalfunktechnik. Verwendung finden diese vor allem bei Großveranstaltungen aller Art.

Dazu gehören unter anderem die Oskar-Verleihung sowie Festivals wie „Coachella“. Mit „Globe Ranger iMotion“ sowie „GR-Aware Asset Tracking System” will Bearcom die Bearbeitungszeit für die schätzungsweise 6.000 Leihverträge pro Jahr signifikant reduzieren und das Management der 7.000 bis 8.000 Equipment-Transporte deutlich straffen.

Nicht nur schneller, sondern Änderung der Prozesse

Denn das Inventar der 33 Standorte, an denen Bearcom das Equipment lagert, ist ausgesprochen beweglich – es ist immer wieder „auf Achse“ auf seinem Weg zu den verschiedenen Einsatzorten. Bis jetzt musste jede einzelne Komponente manuell eingescannt werden, was unter anderem ein Herausnehmen der Akkus erforderte. Die entsprechenden Dokumente wurden erstellt, an den Kunden gesandt und dort ebenfalls gescannt.

Kamen die Geräte zurück, erfolgte erneut die gesamte Prozedur. Der Verwaltungsaufwand für Bearcom war enorm hoch, vor allem bei großen Aufträgen, die bis zu 3.000 Geräte umfassen. Jetzt soll das Team von Bearcom nun nicht nur schneller agieren können, sondern auch von einer entscheidend niedrigeren Fehlerquote und weniger Geräteverlusten profitieren.

Die neue Lösung ersetzt das gesamte Scan-System von Bearcom durch die GlobeRanger IoT-Plattform. So genügt den Mitarbeitern bereits ein RFID-fähiges Tablet, um Kontakte und Korrespondenzen auf den Screen zu holen und zu bestätigen, die Geräte zu registrieren, den Bestand zu überprüfen und alle Transaktionen via E-Mail zu kommunizieren. Zählen von Hand entfällt ebenso wie das Problem nicht erfasster Geräte und daraus resultierender Diskussionen.

Die DHL-Drohne auf dem Fujitsu Forum 2016
Die DHL-Drohne auf dem Fujitsu Forum 2016 (Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Bei DHL bietet Fujitsu Kunden von DHL bereits Vorteile durch den Einsatz der Globe Ranger für Scan- und Sensor-Technologie für die genannte zollfreie Luftfahrt-Logistik. DHL erwartet voraussichtliche Einsparungen von mehr als 500.000 Euro und eine Investitionsrentabilität von 59 Prozent.

Der Robopin

Für einen ganz anderen Einsatz ist der „Robopin“ gedacht, den Fujitsu seinen mehr als 14.000 Besuchern auf der Münchner Hausmesse zeigte. Der Roboter, der 220 verschiedene Bewegungen kennt, etwa um mit seinen Armen den Weg zu weisen, und zudem bei Fragen, beim Erkennen und beim Unterhalten in verschiedenen Farben leuchtet, soll etwa in kleinen Hotels eingesetzt werden, in denen nachts die Rezeption unbesetzt bleibt.

Der kleine Wegweiser punktet mit sofortiger Sympathie – und Englisch spricht der in Japan entwickelte Robopin nun auch. Auf der Messe zeigte er den Besuchern den Weg. Dabei griff das Gerät auf Daten zurück, die in Beacons gespeichert waren, die die Besucher bei sich trugen.

Mit dem Robopin stellte Fujitsu in München erstmalig in Deutschland eine Roboter-Mini-Ausgabe vor.
Mit dem Robopin stellte Fujitsu in München erstmalig in Deutschland eine Roboter-Mini-Ausgabe vor. (Bild: Bild: Fujitsu)

Die Daten wurden per Bluetooth an Robopin übermittelt, der sie auswerten konnte. So wusste er direkt, wo die Gäste bereits waren, kannte somit ihre Interessen – und was für sie noch spannend sein konnte. Mit diesem Informationspaket kann er jeden in die richtige Richtung lotsen.

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