Der wirtschaftliche Nutzen der Facebook- (und AWS-) Ansiedlung in Schweden

Facebook-Datacenter in Nord-Schweden verdoppelt sich

| Autor: Ulrike Ostler

Die riesige Rechenzentrumsanlage von Facebook in Luleå, Nord-Schweden, soll um nahezu das Doppelte wachsen.
Die riesige Rechenzentrumsanlage von Facebook in Luleå, Nord-Schweden, soll um nahezu das Doppelte wachsen. (Bild: Facebook)

Facebook hat in der vergangenen Woche die Erweiterung seines Datacenter-Standortes im schwedischen Luleå auf fast das Doppelte angekündigt. Dadurch wird dieses zu einem der größten Rechenzentren der Welt. In Deutschland meinen Politiker auf solche Megazentren verzichten zu können und Ämter machen es Datacenter-Ansiedlungen schwer. Da ist es doch ganz interessant, welche Berechnungen in Schweden getätigt wurden, bevor Facebook den Zuschlag für das Areal bekam.

Facebook entschied sich 2011 erstmals für die Einrichtung eines Rechenzentrums in Schweden, der erste außerhalb der USA. Dabei sollte unter anderem jüngste Innovationen in Bezug auf das Design und die Effizienz von Rechenzentren sowie die neueste Generation in Sachen Server-Technologie eingesetzt werden. Bisher hat das US-Unternehmen dort 1,2 Milliarden Dollar investiert. Wenn das neue Rechenzentrum 2021 in Betrieb geht, wird der Campus in Luleå mehr als 100.000 Quadratmeter groß sein.

Tomas Sokolnicki, Head of Data Centers by Sweden bei Business Sweden, sieht in der Entscheidung von Facebook, den Standort Luleå zu erweitern, eine Bestätigung dafür, dass dass Schweden beste Voraussetzungen für den Betrieb großer Rechenzentren habe. „Dies zeigt, dass wir die hohen Erwartungen der globalen Investoren erfüllen“, sagt er und füt hinzu: „Es war eine erstaunliche Reise, mit Facebook und Luleå zusammenzuarbeiten, um eines der größten und energieeffizientesten Rechenzentren der Welt zu schaffen.“

So seien auch andere Hyperscaler auf dem Weg zur Ansiedlung in Schweden. Amazon Web Services steht kurz vor dem Abschluss des Baus von drei Rechenzentren in der Region Stockholm (siehe Kasten: „Neue AWS-Region siedelt sich in Stockholm an“) und die Arbeiten an dem 109 Hektar großen Grundstück, das von Google erworben wurde, um ein potenzielles Rechenzentrumsprojekt vorzubereiten, laufen.

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Faktoren für das Wachstum

Insgesamt wächst die Rechenzentrumsbranche in Schweden derzeit um rund 14 Prozent pro Jahr und wird im Jahr 2025 voraussichtlich 30.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Nicht ganz unschuldig an dem enormen Wachstum ist der niedrige Strompreis, insbesondere die steuerlichen Vergünstigungen, in die Firmen gelangen, wenn sie zu schwedischen werden. „Nachdem die Stromkosten für Rechenzentren im vergangenen Jahr drastisch gesenkt wurden, hat das Interesse von Rechenzentrumsbetreibern aller Art, von High Performance Computing bis Co-Location, ein Allzeithoch erreicht“, sagt Sokolnicki.

Darüber hinaus aber ist das Stromnetz robust, das Glasfasernetz gut ausgebaut und der Strom kommt zumeist aus erneuerbaren Energien. Außerdem macht es die schwedische Administration und die Politik es neuen Ansiedlungen leicht (siehe: Artikel-Link und Kasten: „Über Data Centers by Sweden und Business Sweden“)

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23.05.17 - Warum sollte ein Unternehmen von hier ausgerechnet in Boden ein Rechenzentrum bauen oder ein dortiges für die eigene IT nutzen wollen? Immerhin liegt der Ort nahe am Polarkreis, Datacenter gehören in Schweden zu den Schlüsselindustrien, die Zukunft ermöglichen, und es gibt Strom, billigen, grünen Strom, im Übermaß. Und das bedeutet? lesen

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Die Auswirkungen auf die schwedische Wirtschaft

Die Boston Consulting Group (BCG) hat 2014 die ökonomischen Auswirkungen des Facebook-Datacenter in Luleå und wie es zur Entwicklung der digitalen Infrastruktur des Landes beigetragen analysiert. Die Analyse des umfangreichen Berichts „Digital Infrastructure and Economic Development“ wurden von den BCG-Analysten auf der Grundlage einer wissenschaftlich fundierten Methodik mit detaillierten Dateneingaben von Facebook erstellt.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen und Empfehlungen haben gehört:

  • Die Digitalisierung muss für Schweden eine der wichtigsten Prioritäten sein, wenn das Land die Produktivität und die wirtschaftliche Entwicklung verbessern will. Die Analysten gingen auch zu diesem Zeitpunkt bereits davon aus, dass die digitale Transformation 2018 rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmachen würde.
  • Die Errichtung des Rechenzentrums von Facebook ist auf insgesamt 9 Milliarden Schwedische Kronen (873 Millionen Euro) geschätzt worden – bei direkter und indirekte sowie induzierter Auswirkungen. Jeder Bau von großen Rechenzentren erfordere erhebliche Direktinvestitionen – etwa 400 Millionen über 18 Monate, um Rechenzentren online zu bringen. Diese Ausgaben beinhalten keine Server- oder Netzwerkaktualisierungen. In das erste Rechenzentrum des Facebook-Komplexes wurden 146 Millionen Euro investiert, in das zweite 28 Millionen Euro.
  • Darüber hinaus haben die Analysten erwartet, dass Facebook der Rechenzentrumsbetrieb bei vollständiger Inbetriebnahme rund 31 Millionen Euro kosten werde, wobei 92 Prozent der direkten Ausgaben in der Region getätigt würden
  • Sie sind zudem davon ausgegangen, dass rund 4.500 Vollzeitbeschäftigte über einen Zeitraum von zehn Jahren landesweit eingestellt würden und dass etwa die Hälfte des wirtschaftlichen Nutzens vor Ort anfallen würde.
  • Allein im Jahr 2012 trug Facebook bereits bis zu 1,5 Prozent zur Gesamtwirtschaft der Region bei. Darüber hinaus hat die Einrichtung des Rechenzentrums den Grundstein dafür gelegt, dass Schweden seine Wettbewerbsvorteile bei der Gewinnung zusätzlicher Investitionen in Rechenzentren ausbauen konnte.
  • Die weltweite Nachfrage nach Rechenzentren wird weiter steigen, wobei bis 2020 mehr als 60 neue große Rechenzentren in Westeuropa erwartet werden. Schweden könnte um diese Investitionen konkurrieren und den Aufbau einer umfangreichen Rechenzentrums-Industrie anstreben.

Die Analysten der Studie sind auch 2014 zu dem Schluss gekommen: Schweden sei als Rechenzentrumsstandort gut positioniert und zähle weltweit zu den Top 3. Rechenzentren könnten sich für Schweden zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickeln. Wirtschaftliche Vorteile und Arbeitsplätze bei gleichzeitiger Stärkung der digitalen Infrastruktur und des Ökosystems seien die Folge.

„Großrechenzentren bilden das Rückgrat der globalen digitalen Infrastruktur zusammen mit Telekommunikationsgeräten und -diensten. Das explosionsartige Wachstum des Datenverkehrs und des Speicherbedarfs führt zu erheblichen Investitionen in große Rechenzentren, die somit für Schweden wichtig sind", heißt es in der Studie.

Facebook heute

Das dritte Gebäude, das Facebook jetzt angeht, wird knapp 50.000 Quadratmeter groß sein und voraussichtlich Anfang 2021 in Betrieb gehen. „In der Mitteilung des Unternehmens als Facebook-Post heißt es: „Diese neue Erweiterung wird unsere Gesamtinvestitionen in der Region auf rund 870 Millionen Euro erhöhen und Hunderte von Bau-Arbeitsplätzen unterstützen.“

Außerdem setzt Facebook hinzu: „In Luleå gibt es ein starkes lokales Engagement für die Schaffung neuer Möglichkeiten - etwas, das wir aus erster Hand durch unser Community ´Action Grant Program‘ erfahren haben, wo wir mit mehr als 0,4 Millionen Euro zu fast 50 Projekten innerhalb der Gemeinde Luleå beitragen konnten. Wir wollen ein positiver Teil der lokalen Gemeinschaft sein“ und sei ein Gewinn gewesen zu sehen, wie die Gemeinschaft sie genutzt habe, etwa für die Bildung auf allen Ebenen.

Berechnungen über die ökonomischen Auswirkungen der Ansiedlung von Rechenzentren gibt es auch in Norwegen:

Norwegen holt bei der Datacenter-Ansiedlung auf

Rechenzentren im Hypermaßstab

Norwegen holt bei der Datacenter-Ansiedlung auf

24.01.18 - Während deutsche Parteien hauptsächlich mit sich selber beschäftigt scheinen, handeln Regierungen in anderen Ländern und investieren in die Zukunftsindustrie Datacenter. Zum 1. Januar 2018 erübrigt sich in Norwegen die Grundsteuer für Energieproduzenten, nachdem zum 1. Januar 2017 bereits die Energiesteuern für Rechenzentren um 97 Prozent gesenkt worden waren und Norwegen so mit Schweden gleichzog. Denn die Ansiedlung von Rechenzentren soll gefördert werden. Der Erfolg stellt sich ein. lesen

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