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Capgemini zu den IT-Trends 2020 Evolution statt Revolution

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Der Management- und IT-Berater Capgemini hat die Ergebnisse der IT-Trends-Studie für 2020 vorgelegt. Im Vergleich zum vorigen Jahr ist der Stellenwert der Digitalisierung bei Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung leicht gestiegen.

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Die Digitalisierung in Unternehmen geht schrittweise voran und erzielt kleine Erfolge, was die Fachseite positiver stimmt, als die IT-Verantwortlichen.
Die Digitalisierung in Unternehmen geht schrittweise voran und erzielt kleine Erfolge, was die Fachseite positiver stimmt, als die IT-Verantwortlichen.
(Bild: © Leo Wolfert / stock.adobe.com)

Die Capgemini-Studie zu den IT-Trends 2020 ist die inzwischen 18. Auflage der jährlichen Befragung, die sich auf den deutschsprachigen Markt konzentriert. Die Umfrage unter 120 Fach- und IT-Verantwortlichen aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, dass die Budgets für Digitalisierungsprojekte weiter steigen.

Erstmals seit 2016 gewinnen dabei die Themen Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung wieder an Bedeutung. Erneut stuft aber fast die Hälfte der Studienteilnehmer ihre Digitalisierungsanstrengungen als nur mittelmäßig ein.

Digitalisierung kostet noch immer Nerven und Geld

CIOs beurteilen die Situation in ihrem Unternehmen skeptischer, als die Führungskräfte aus den Fachabteilungen. Das liegt vor allem daran, dass IT-Verantwortliche die im Zuge der Digitalisierung komplexer gewordenen IT-Landschaften als starke Belastung empfinden. Auch die Verantwortung für den Projekterfolg ruht schwer auf ihren Schultern.

Gute bis sehr gute Digitalisierungserfolge erzielen nach eigener Aussage knapp 41 Prozent der Teilnehmer, darunter vor allem IT-Dienstleister und Unternehmen aus der Automobilbranche, dem Handel und der Konsumgüterindustrie sowie die öffentliche Hand. Damit ist die Zahl der erfolgreichen Unternehmen leicht gestiegen, insgesamt hat sich die Bilanz aber kaum verändert.

Insgesamt zeigt sich: Je aufwändiger das Digitalisierungsprojekt, desto länger und teurer gestaltet sich dessen Umsetzung. Daher können beispielsweise Unternehmen aus der Automobilbranche ihre hohen Investitionen in aufwändige kundenorientierte Digitalisierungsprojekte noch kaum in zählbaren Erfolg ummünzen. Energieversorger dagegen machten schon gute Erfahrungen mit gezielten Investitionen in Teilbereiche.

Gezieltes Change Management zeigt Erfolg

Als Mittel der Wahl setzen viele IT-Verantwortliche stärker auf Automatisierung. Trotzdem spielen intelligente Techniken noch eine eher untergeordnete Rolle. Deshalb stufen auch nur rund 37 Prozent der Anwender den Einsatz intelligenter Techniken als erfolgreich oder sehr erfolgreich ein, wobei ihn auch hier Führungskräfte der Fachabteilungen deutlich positiver bewerten als CIOs, die aber auch höhere Ansprüche haben und oft die Möglichkeiten der Technik komplett ausreizen möchten.

Fach- und IT-Abteilung nutzen intelligente Techniken sehr ähnlich, im Hinblick sowohl auf die Einsatzgebiete als auch auf die Intensität. Am häufigsten automatisieren sie mit ihrer Hilfe manuelle Tätigkeiten und analysieren Daten im Detail. Dafür vergeben die Fachanwender auch die besten Noten, während sie komplexere Einsatzszenarien schlechter bewerten.

Am schlechtesten schneiden intelligente Systeme derzeit ab, wenn sie Empfehlungen im Hinblick auf Probleme mit Kunden oder Vorhersagen zum Unternehmen oder Markt treffen sollen. Bei der Erkennung von Anomalien im Tagesgeschäft scheinen sich intelligente Technologien allerdings zu bewähren. Sie werden in diesem Jahr deutlich besser bewertet als noch im Vorjahr.

Je intensiver aber Mitarbeiter informiert, mobilisiert und qualifiziert werden, desto erfolgreicher ist auch der Einsatz intelligenter Technologien. Die Definition einer Strategie, die Veränderung der Prozesse, Umstrukturierungen oder aktives Technologie-Management tragen ebenfalls zum Erfolg bei. Und: Erfolgreiche Unternehmen betreiben ihre intelligenten Systeme auch häufiger selbst. Sie schneiden im Vergleich zu anderen Unternehmen generell bei der Digitalisierung und speziell bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder deutlich besser ab.

Regulierung intelligenter Systeme polarisiert

Die Mehrheit der Studienteilnehmer findet es sinnvoll, sich selbst ethische Rahmenbedingungen zu geben, die Entscheidungen von intelligenten Systemen zu dokumentieren und Algorithmen aufzubewahren, was in einigen Anwendungsfeldern bereits Pflicht ist. Mehrheitlich Zustimmung finden auch die externe Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen gegen die Manipulation lernender Systeme sowie die Überprüfung der Trainingsdaten im Hinblick auf Diskriminierung. Hier hat man auch nichts dagegen, wenn dieses von Externen oder einer unabhängigen Instanz innerhalb des Unternehmens übernommen wird, wie es bei anderen Compliance-Themen üblich ist.

Die Offenlegungspflichten für Algorithmen sowie die Beschränkung des Betriebs intelligenter Systeme auf europäische Cloud-Anbieter treffen aber auf ein geteiltes Echo. Und die Offenlegung von Trainingsdaten oder die Beschränkung der Einsatzgebiete durch den Gesetzgeber lehnt die Mehrheit vollkommen ab. Da sich der Konkurrenzdruck durch die Nutzung intelligenter Technologien weltweit verschärft, fürchten viele Unternehmen, durch zu große Restriktionen international den Anschluss zu verlieren.

Cloud und Datenaustausch

Die Nutzung von Cloud-Diensten ist in den vergangenen acht Jahren stetig gestiegen. Inzwischen kommen mehr als 70 Prozent aller IT-Services aus einer Cloud. Dabei schätzen die Nutzer der Dienste die Abhängigkeit von Cloud-Anbietern derzeit weder als vernachlässigbar noch als besorgniserregend hoch ein.

Mehr als drei Viertel der Umfrageteilnehmer erwarten allerdings, dass die Abhängigkeit in Zukunft steigen wird. Da der Einsatz der Cloud zunehmen größer wird und auch der Anteil der Anbieter-Clouds in den vergangenen zwei Jahren weiter gestiegen ist, werden sie viele mit der Frage nach mehr Souveränität bei der Cloud-Nutzung auseinandersetzen.

Vorsichtig sind die Unternehmen vor allem beim Datenaustausch. Entlang der eigenen Lieferkette tauschen knapp 61 Prozent der Unternehmen Daten aus. Bei der Weitergabe von Daten an Dritte – beispielsweise Partner außerhalb der Lieferkette oder Wettbewerber – halten sie sich aber stark zurück. Das hängt auch damit zusammen, dass nur knapp 64 Prozent eine entsprechende Datenplattform betreiben. Da also die technische Infrastruktur teilweise oder ganz fehlt, „hüten“ die Unternehmen ihre Daten lieber.

Die wichtigsten Technologie-Trends

Die Trend-Technologien 2020, die derzeit implementiert werden oder deren Umsetzung geplant ist.
Die Trend-Technologien 2020, die derzeit implementiert werden oder deren Umsetzung geplant ist.
(Bild: Capgemini)

Die Capgemini-Studie identifiziert als wichtigstes Thema des Jahres Security Automation. Denn im Rahmen der Digitalisierung und nicht zuletzt aufgrund der DSGVO werden Sicherheits-Aufgaben vielfältiger und umfangreicher. Das Management digitaler Identitäten steht an zweiter Stelle, das sich bei den meisten Unternehmen erst im Anfangsstadium befindet. Der Aufbau neuer Plattformen für Vertrieb, Kundenkontakt, ERP oder das Internet of Things (IoT) steht an dritter Stelle der Dringlichkeit. Bisher hatten Unternehmen vorrangig die Schnittstellen zu ihren Kunden modernisiert. Jetzt gibt es Nachholbedarf bei den Plattformen.

Ein wichtiges Thema für Unternehmen ist auch der Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte. Problematisch dabei: Es gibt noch keine übergreifenden, internationalen Standards, so dass Unternehmen aufgrund fehlender Informationen vor allem auf interne Schutzmechanismen zurückgreifen müssen. Stark an Bedeutung gewonnen haben außerdem die digitale Geldbörse, Lösungen für virtuelle oder erweiterte Realität sowie der digitale Zwilling. Am deutlichsten war der Bedeutungszuwachs bei den Themen Security Automation und Cognitive Security, die eng zusammenhängen.

Niedrigste Priorität bei Unternehmen hat dagegen Cognitive Computing, also der Einsatz intelligenter Technologien wie Machine Learning, Predictive Analytics oder Bilderkennung. Ebenfalls nur langsam kommen die IT-Technologien omnichannel-fähige Arbeitssteuerung, Infrastructure for AI, Blockchain oder AI Ops in die Projekte. Problem Nummer eins ist nach wie vor der Mangel an geeigneten Mitarbeitern, um den Einsatz neuer Technologien voranzutreiben. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Situation aber leicht entschärft.

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Politik der kleinen Schritte

Im Gegensatz zum Vorjahr deckt sich die Projektliste in diesem Jahr weitgehend mit der Prioritätenliste. Gearbeitet wird vor allem an der Implementierung der Technologien, die derzeit die höchste Bedeutung oder stark an Bedeutung gewonnen haben. Thomas Heimann, Enterprise Architect Director bei Capgemini und Co-Autor der IT-Trends-Studie, kommentiert: „Der Sprung von einzelnen Pilotprojekten in die breite Anwendung ist offenbar immer noch schwierig. Deshalb sollten sich Unternehmen nicht verzetteln und nach den ersten Erfolgen zu viele Projekte gleichzeitig initiieren. Sie sollten besser klein anfangen, eine skalierbare technische Plattform aufbauen und einen Use Case nach dem anderen umsetzen.“

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de