Aktienkurs nach Ankündigung volatil Eine halbe Billion für Nvidia-Hardware und Datacenter

Von Daniel Schrader 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nvidia will mit sechs Finanzhäusern mehr als 500 Milliarden US-Dollar Drittkapital für KI-Infrastruktur mobilisieren. Es handelt sich bislang um Absichtserklärungen. Die Nvidia-Aktie gab zeitweise deutlich nach.

Nvidia plant gemeinsam mit Finanzpartnern 500 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren. Mit dem Kapital sollen KI-Firmen Rechenzentren und Nvidia-Hardware leasen können. (Bild:  Nvidia)
Nvidia plant gemeinsam mit Finanzpartnern 500 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren. Mit dem Kapital sollen KI-Firmen Rechenzentren und Nvidia-Hardware leasen können.
(Bild: Nvidia)

Nvidia kündigt mit den Wall-Street-Finanzkonzernen Apollo, Blackrock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR den Aufbau mehrerer Finanzierungsplattformen an. Über sie sollen im Laufe der Zeit mehr als 500 Milliarden Dollar Drittkapital in KI-Rechenzentren, Server, Netzwerktechnik, Stromversorgung und Nvidia-Hardware wie GPUs und Netzwerkbeschleuniger fließen. Grundlage sind Absichtserklärungen, finalisierte Verträge stehen noch aus.

Nvidia will (KI-)Rechenleistung damit als attraktive Anlageklasse etablieren. Als Kunden des Angebots erwartet Nvidia Entwickler der größten und am weitesten fortgeschrittenen sogenannten Frontier-Modelle wie etwa Anthropic und OpenAI sowie KI-Cloud-Anbieter (Neoclouds), aber auch einen nicht näher bezeichneten Kreis von Unternehmen.

Auch Details zu Zeitplänen, Tranchengrößen, Zinsen und Zielrenditen nennt Nvidia nicht. Laut übereinstimmenden Berichten US-amerikanischer Finanzmedien aber sollen die Finanzhäuser Kapital mobilisieren, die entsprechende Infrastruktur und Hardware kaufen und dann an Kunden (möglicherweise über eine Zweckgesellschaft) leasen. Die Leasingzahlungen dienen dann als Sicherheit für das aufgenommene Fremdkapital.

Nvidia könnte einen Teil des Risikos tragen

Nvidia wäre bei einem solchen Finanzierungsschema erst einmal lediglich der Verkäufer der Hardware und keine Partei im Leasinggeschäft. Allerdings erklärt CEO Jensen Huang, dass Nvidia in bestimmten, nicht näher definierten Fällen bis zu 25 Prozent des Hardware-Wertes absichern könne. Denkbar wären Garantien oder eine Absicherung des Hardwarewerts.

Die Aktie schloss am Tag der Ankündigung knapp drei Prozent niedriger, erholte sich aber nach zwei Tagen. Marktberichte verknüpfen den Rückgang mit Sorgen über das Finanzierungsmodell. Im Zentrum steht wie bei vorherigen Nvidia-Investitionsverträgen der Vorwurf einer zirkulären Finanzierung: Kapital fließt an Abnehmer, die damit Produkte von Nvidia kaufen, wodurch der Hersteller die Nachfrage nach seinen Produkten selbst mittelbar in die Höhe treibt. Huang hält dagegen, unabhängige Kapitalgeber trügen den Großteil des Risikos, weil das Geld nicht aus der Bilanz von Nvidia stamme.

Kurze Produktzyklen erschweren Prognosen

Die Finanzierung setzt voraus, dass GPU-Systeme über mehrere Jahre ausreichend ausgelastet bleiben und berechenbare Einnahmen erzielen. Zugleich erscheint KI-Hardware von Nvidia aktuell in relativ kurzen Zeitabständen. Die Flaggschiff-GPUs, „B200“ kamen zum Jahreswechsel 2024/2025 auf den Markt, verbesserte „B300“-Modelle derselben „Blackwell“-Architektur Anfang 2026, und eine neue Generation von „Vera Rubin“-Systemen soll sie noch dieses Jahr an der Spitze ablösen.

Die kürzeren Produktzyklen schließen tragfähige Finanzierungen älterer Hardware nicht aus, erhöhen aber die Unsicherheit. Bleiben Auslastung oder Nachfrage hinter den Annahmen zurück oder verliert die Hardware wegen Generationswechseln zu stark an Wert, hängen mögliche Verluste von der konkreten Verteilung des Risikos zwischen Kreditgebern, Fondsanlegern, Betreibern und Nvidia ab.

Nvidia sucht langfristige Investitionen und investiert zunehmend selbst in Kunden

Laut dem Finanzmagazin Forbes wollen Nvidia und Partner zudem einen gewichtigen Teil des Kapitals bei Versicherungen und Pensionsfonds sichern. Diese sind zwar besonders an langfristigen Anlagen interessiert sind, haben genau deswegen aber besonders hohe Anforderungen an die Stabilität von Renditen haben. Wie Nvidia außer der optionalen und eingeschränkten Absicherung mit solchen Anforderungen umzugehen plant, bleibt bislang offen.

Die Ankündigung der Finanzierungsplattformen fügt sich in ein deutliches Muster, bei dem Nvidia zunehmend selbst als Investor oder Bürge für seine Kunden agiert. Nvidia verhandelt Berichten zufolge über eine Garantie von rund 250 Milliarden Dollar für ein geplantes OpenAI-Rechenzentrum in Ohio mit zehn Gigawatt Anschlussleistung. Beim Cloud-Anbieter Iren besitzt Nvidia das Recht, Aktien für bis zu 2,1 Milliarden Dollar zu kaufen. Dabei sieht die Partnerschaft den Aufbau von bis zu fünf Gigawatt kompatibler KI-Infrastruktur vor.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Als Investor tritt Nvidia zudem mittelbar gegenüber kleineren Neoclouds auf: der Hersteller stellt seine Hardware gegen Raten und eine Gewinnbeteiligung bei den Kunden zur Verfügung. In einem starken Maße setzt der Hardware-Hersteller somit Finanzierung und Garantien als Instrument für den Ausbau seines Abnehmerkreises ein.

(ID:50928423)