Aber knapp war es…, so Eco

Die US-Regierung ist raus. ICANN wird unabhängig.

| Redakteur: Ulrike Ostler

Seit 2012 der ICANN-Hauptsitz in Playa Vista, Los Angeles
Seit 2012 der ICANN-Hauptsitz in Playa Vista, Los Angeles (Bild: @Coolcaesar/Wikipedia / CC BY-SA 3.0)

Viele wussten es nicht einmal: Die US-Regierung hat bis jetzt die Aufsicht über die von ICANN betreuten IANA-Funktionen, also die Zuteilung von Namen und Adressen im Internet. Doch seit dieser Nacht steht es fest: Die „IANA Stewardship Transition“, die Aufgabe dieser Funktion, wird durch die US-Regierung nicht mehr verzögert oder aufgehalten.

Ein Blick in „Wikipedia“ reicht, um die Bedeutung der ICANN, Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, für die heutige Wirtschaft zu erkennen. Die Non-Profit-Organisation „koordiniert die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen im Internet. Dazu gehört die Koordination des Domain Name Systems und die Zuteilung von IP-Adressen, was auch als „IANA-Funktion“ (abgeleitet von engl. Internet Assigned Names and Numbers) bezeichnet wird“, steht dort.

Ursprünglich war der Informatiker Jon Postel von DARPA, einer Forschungsagentur der US-Streitkräfte, mit dieser Aufgabe betraut worden, als es noch kein Internet gab, sondern das ARPANET. Als sich in den 90er Jahren dieses Netzwerk für Hochschulen und Militär zu einem kommerziellen entwickelte, ging die Verantwortung zur Aufsicht über die Ausübung der IANA-Funktion von DRAPA zur nationalen Fernmeldeverwaltung der USA, der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) über, einer Behörde des United States Department of Commerce, heißt es in Wikipedia.

Verhandlungen seit 2014

Erst im März 2014 hatte die US-Regierung angekündigt, ihre Aufsicht über die von ICANN betreuten IANA-Funktionen aufzugeben. Die Bedingung: Ein geeigneter Vorschlag der globalen Community musste vorgelegt werden. Was folgte ist nach Darstellung des Eco, Verband der Internetwirtschaft e. V., eine „beispiellose Anstrengung Hunderter unermüdlicher Vertreter verschiedenen Stakeholder aus Wirtschaft, Regierungen, Zivilgesellschaft und dem akademischen Sektor, die im März dieses Jahres endete.

Am 9. Juni 2016 hat dann die NTIA angekündigt, den Vertrag mit ICANN zum Ende des Monats September auslaufen zu lassen, wenn keine unvorhergesehen Dinge passieren und damit nach sorgfältiger Prüfung bestätigt, dass der von der Multi-Stakeholder Community vorgelegte Vorschlag ihren Anforderungen genügt und ICANN in die Unabhängigkeit entlassen werden kann.

Widerstand durch Donald Trump und Ted Cruz

„Fast wäre es dazu nun nicht gekommen“, so Eco. In der vergangenen Nacht wurde der Haushalt der US-Regierung für die kommenden drei Monate verabschiedet. Insbesondere der republikanische US-Senator Ted Cruz und zuletzt auch Donald Trump hatten dafür geworben, dass die US-Regierung ihre Aufsicht nicht aufgeben sollte, was durch entsprechende Budgetbeschränkungen und Weisungen an die Administration hätte erreicht werden können.

"Ich bin erleichtert, dass die IANA Stewardship Transition nicht durch politische Machtspiele bei den Haushaltsverhandlungen gestoppt wurde. Das hätte denjenigen in die Hände gespielt, denen eine Fragmentierung und mehr staatliche Aufsicht des Internets lieb ist", sagt RA Thomas Rickert, Director Names & Numbers im eco – Verband der Internetwirtschaft e. V., der in Leitungsfunktion an der Erstellung des Community-Vorschlags beteiligt war.

Mit weiteren Informationen zum Thema ist Anfang Oktober zu rechnen, wenn die IANA-Stewardship Transition erfolgt ist.

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