Russische Schneemobile und Zucker lehren ...

Die schrägsten Innovationen der Welt

| Autor / Redakteur: Christoph Stoica* / Ulrike Ostler

Christoph Stoica, Regional General Manager bei Micro Focus, hat im Folgenden vier skurrile Fälle zusammengestellt, in denen Menschen mit beschränkten Mitteln Herausragendes geleistet haben – indem sie es verstanden, die Brücke zwischen alt und neu zu schlagen.
Christoph Stoica, Regional General Manager bei Micro Focus, hat im Folgenden vier skurrile Fälle zusammengestellt, in denen Menschen mit beschränkten Mitteln Herausragendes geleistet haben – indem sie es verstanden, die Brücke zwischen alt und neu zu schlagen. (Bild: Micro Focus)

Innovationen sind lebenswichtig für Unternehmen – neue Technik dagegen nur bedingt. Ein Quartett genialer Brückenschläge zwischen alter und neuer Technik sind die Beispiele aus Raumfahrt, Ölindustrie und Chemie, die Micro-Focus-Manager Christoph Stoica vorstellt Sie zeigen, dass bewährte Technik und moderne Modulen ein zuverlässiges Rezept für Innovation sind.

Wahre Kunst zeigt sich in der Not – dann läuft der Erfindergeist zur Höchstform auf. Unternehmen kennen diese Herausforderung: Mit begrenztem Budget und altem Gerät müssen sie die Digitalisierung bewältigen. Der Trick besteht darin, Altes und Neues zu verbinden und daraus kostengünstig und effizient Innovationen zu schaffen.

Der Software-Anbieter Micro Focus kennt sich mit dieser Herausforderung gut aus und hat vier skurrile Fälle zusammengestellt, in denen Menschen mit beschränkten Mitteln Herausragendes geleistet haben – indem sie es verstanden, die Brücke zwischen alt und neu zu schlagen.

Das Kettenmobil hat eine Spitzengeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde.
Das Kettenmobil hat eine Spitzengeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde. (Bild: http://superunleaded.com/)

1. Der Lada Niva als Pistenpanzer

Die russische Industriestadt Magnitogorsk am Südzipfel des Uralgebirges ist nicht gerade für Innovationen berühmt – und doch steckt sie voller Tüftler. Im Winter versinken die Straßen im Schnee, teure Räumfahrzeuge sucht man vergeblich.

Der russische Autohersteller Lada produziert seinen Wintermodell „Niva“ seit 1976 fast unverändert. Die Konstruktion ist robust, aber gegen diese Schneemassen kommt sie nicht an.

Pavel Shavrin, Ingenieur und Innovator, fand sich damit nicht ab. Er ließ sich in den Stahlwerken der Stadt neue Teile schmieden. Aus der vorhandenen Lada-Karosse und einem Ketten-Unterbau schuf er für umgerechnet 890 Euro einen Pistenpanzer, dem der sibirische Winter nichts anhaben kann.

Sojus TMA-7 beim Verlassen der Internationalen Raumstation (ISS).
Sojus TMA-7 beim Verlassen der Internationalen Raumstation (ISS). (Bild: Wikipedia)

2. Moderne Raumfahrt in Kanonenkugeln

Wenn Alexander Gerst im Mai 2018 ins All fliegt, um als erster Deutscher die Leitung der Internationalen Raumstation ISS zu übernehmen, wird er von Kasachstan aus starten – in einem russischen Sojus-Raumschiff. Beim Andocken an die amerikanischen Hochglanzmodule der ISS wird dieser skurrile Gegensatz sichtbar.

Als die NASA in den 1970er Jahren das Space Shuttle entwickelte, sollte das wiederverwendbare Transportmittel eigentlich die nächste Generation der Raumfahrt einläuten. Es sollte die alten „bemannten Kanonenkugeln“ von Juri Gagarin und Co. ersetzen. Heute ist das Space Shuttle Geschichte. Astronauten setzen wieder auf den Klassiker: fast 40 Jahre alte russische Sojus-Technik.

Die Raumfahrt galt lange als Königsdisziplin des technischen Fortschritts. Innovationen wie GPS, Wasserfilter oder Teflon-Beschichtung finden regelmäßig den Weg vom All in den Alltag. Doch auch hier gelten Budgetbeschränkungen – und nicht jede neue Technik ersetzt die vorhergehende. Das Sojus-Programm zeigt den Brückenschlag zwischen bewährten und modernen Elementen. Diese Innovation ist es, die den größten Traum der Menschheit am Leben hält.

Der Apotheker Andreas Sigismund Marggraf entdeckte 1747 den Zucker in der Runkelrübe und weiteren Pflanzen.
Der Apotheker Andreas Sigismund Marggraf entdeckte 1747 den Zucker in der Runkelrübe und weiteren Pflanzen. (Bild: )

3. Napoleon ist Schuld am Zucker

Knappe Budgets und geografische Unwägbarkeiten sind nicht die einzigen Herausforderungen, die zu Innovationen führen können. Auch die klassische Ressourcenknappheit gehört dazu – deswegen verdanken wir Napoleon den Industriezucker.

Die ursprüngliche Heimat des Zuckerrohrs liegt in der pazifischen Inselwelt. Die Europäer fanden jedoch schnell Geschmack am Zucker. Um 1800, als der Tee- und Kaffeekonsum rasant anwuchs, importierte das Königreich Preußen allein 4.500 Tonnen Rohrzucker pro Jahr. Doch 1806 kam der gesamte Handel zum Erliegen. Napoleon hatte eine Kontinentalsperre für das europäische Festland errichtet.

Was also tun? Die Preußen setzten auf Bewährtes – die Runkelrübe – und gewannen mithilfe der neuen chemischen Extraktion des Apothekers Andreas Sigismund Marggraf dunklen Zuckersirup, die Vorstufe zum raffinierten Kristallzucker. Bald existierten 200 Zuckerfabriken, die Innovation machte nicht nur Napoleons Pläne zunichte, sondern den Zucker auch wesentlich günstiger. Bis heute sind Zuckerrüben die Hauptquelle der weltweiten Zuckerproduktion.

Quelle: Andreas Sigismund Marggraf, Begründer der Zuckerindustrie

„Viele Steuerungssysteme in Raffinerien und auf Bohrinseln sind weit über 25 Jahre alt.“ Das schreibt das Portal „Ingenieur.de“.
„Viele Steuerungssysteme in Raffinerien und auf Bohrinseln sind weit über 25 Jahre alt.“ Das schreibt das Portal „Ingenieur.de“. (Bild: )

4. Dinosaurier-Software für Öl

Daten sind angeblich das Öl des 21. Jahrhunderts. Ob das stimmt, wird sich zeigen; bis dahin sind Daten zumindest sehr nützlich, um an Öl zu kommen. Der wichtigste Rohstoff der industriellen Entwicklung wird heute dank einer faszinierenden Kombination aus alter und neuster Technik gewonnen.

Die Bohrplattformen selbst haben sich im Laufe der Jahre wenig verändert: Seit 1975 werden die Geräte an Bord durch IT gesteuert, sogenannte Distributed Control Systems. Sie kontrollieren die Bohr- und Förderprozesse – zum Teil ununterbrochen seit 25 Jahren. Diese Software war schon im Einsatz, als es das Internet noch nicht gab. Langsam beginnt jedoch der Wandel auf den Bohrinseln – Big Data Analytics soll helfen, die Daten von Bodenanalysen auszuwerten und den besten Bohrplatz in kürzester Zeit zu finden. Smart Data soll in der Zukunft sogar dafür sorgen, dass Öl- und Gasfelder vollautomatisch am Meeresgrund geerntet werden.

4 Traders; Total : Auch die Erdölindustrie investiert in Big Data

Technik oft zu alt, Steuerungselektronik in Raffinierien und auf Bohrinseln oft 25 Jahre alt

* Christoph Stoica ist Regional General Manager bei Micro Focus.

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Was das Telefon ist keine Invention für die Weltraumforschung? Wie kommunizieren die den dann...  lesen
posted am 20.01.2017 um 05:31 von MikeyDread

Mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben, dass Teflon bzw. die Teflonbeschichtung keine...  lesen
posted am 09.09.2016 um 09:17 von alv


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