Klaus Schindling, Bürgermeister der Stadt Hattersheim am Main, im Interview

„Die Nutzung der Abwärme ist in der Tat ein Sachverhalt, der mich bewegt“

| Autor / Redakteur: Harald Lutz / Ulrike Ostler

Die Kommune Hattersheim steht dem Digitalisierungsprozess wohlwollen gegenüber, sagt der umtriebige Bürgermeister, Klaus Schindling.
Die Kommune Hattersheim steht dem Digitalisierungsprozess wohlwollen gegenüber, sagt der umtriebige Bürgermeister, Klaus Schindling. (Bild: Hattersheim am Main)

Das Stadtgebiet von Frankfurt am Main ist klein, dicht besiedelt auch von Rechenzentren und kann in diesem Punkt mit anderen Datacenter-Metropolen wie London, Amsterdam, Paris konkurrieren – noch. Denn zusehends werden Platz und Strom knapp und die Nachbargemeinden attraktiver, wie Hattersheim. Was hält denn der dortige Bürgermeister Klaus Schindling davon? Begrüßt er die Entwicklung überhaupt?

Autor Harald Lutz hat den Hattersheimer Bürgermeister Klaus Schindling zur Ansiedlung von Rechenzentren in seiner Gemeinde befragt. Immerhin sind Datacenter große Stromfresser und deshalb bei weitem nicht überall willkommen. Andererseits können Rechenzentren zur Stromqualität beitragen und Abwärme liefern. (Das Interview wurde vom Autor redaktionell leicht bearbeitet und gekürzt.)

Warum wählen Datacenter-Betreiber Hattersheim? Was bieten Sie?

Klaus Schindling: Aus meinen Erfahrungen heraus gibt es dafür, Rechenzentren verstärkt auch im Frankfurter Umland zu errichten, im Wesentlichen vier Gründe. Das sind die Flächenverfügbarkeit, die Stromverfügbarkeit, die Nähe zum Internet-Knoten DE-CIX sowie schließlich eine Kommune, die der Digitalisierung wie auch dem schnell wachsenden Rechenzentrumsmarkt offen und positiv gegenübersteht und schnellstmöglich das erforderliche Bauleitverfahren durchführt. Im Gegensatz zu der Stadt Frankfurt verfügt die Stadt Hattersheim am Main noch über geeignete Flächen.

Zudem ist Hattersheim am Main aus meiner Sicht ein gutes Beispiel für eine Kommune, die dem Digitalisierungsprozess positiv gegenübersteht. Aus meiner Sicht hat Deutschland das Thema Digitalisierung verschlafen und wir müssen alle Kräfte bündeln, um nicht vollends den Anschluss zu verlieren.

Wer klopft an und begrüßen Sie die Standortwahl?

Klaus Schindling: Mit E-Shelter, welches die Betriebstätigkeit in Hattersheim bereits aufgenommen hat, und dem Unternehmen Digital Realty, welches sich auf dem Kastengrund in der Gemarkung Hattersheim ansiedeln wird, verfügt die Stadt Hattersheim über Unternehmenssitze der zweit- und drittgrößten Rechenzentrumsbetreiber weltweit. Wir erfreuen uns dadurch einer verstärkten Aufmerksamkeit aus der Digitalisierungsbranche – und dies ebenfalls weltweit.

Ist daran gedacht, die Notstromreserven für das öffentliche Energienetz zu verwenden? Haben Sie solches überlegt?

Klaus Schindling: Die Stadt Hattersheim am Main hat die Ansiedlung von E-Shelter zudem tatkräftig unterstützt. Hinsichtlich der Stromlieferung waren wir wesentlich daran beteiligt, dass der erforderliche Strom von einem vorhandenen Umspannwerk quasi quer durch Hattersheim im Tiefbau bis zu dem Standort von E-Shelter verlegt wurde.

Bei einer Baustellenbesichtigung habe ich mir auch die Vorrichtungen für den Notstrom angesehen. Die Batterien sowie die Dieselgeneratoren sind sehr beeindruckend. Schwierigkeiten mit einer Unterpufferung der vorhandenen Netze von anderen Versorgern sehe ich nicht. Die Versorger wurden im Bauleitverfahren beteiligt und konnten Stellungnahmen vorbringen. Sofern dies geschehen ist, wurden diese in direkter Abstimmung mit E-Shelter berücksichtigt.

Wie sieht es mit der Nutzung von Abwärme aus?

Klaus Schindling: Die Nutzung der Abwärme ist in der Tat ein Sachverhalt, der mich bewegt. Ich habe dies bereits des Öfteren mit E-Shelter, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Verwaltung und auch mit externen Experten diskutiert. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden. Ich setze hierbei insbesondere auch auf die Rechenzentrumsbetreiber selbst und allgemein auf den technischen Fortschritt.

Auch die Abwärme sehe ich als ein Wirtschaftsgut an. Daher bin ich optimistisch, dass es in nicht allzu langer Zeit technische Konzepte geben wird, die eine wirtschaftliche Nutzung der Abwärme nicht nur für die Rechenzentrumsgebäude, sondern darüber hinaus auch beispielsweise für die Versorgung von Wohngebieten ermöglichen. Dies ist unter bestimmten Voraussetzungen auch jetzt schon möglich und das auch unter ökonomischen Aspekten.

* Harald Lutz ist Fachjournalist und Technikredakteur in Frankfurt am Main.

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