Nur das halbe Potenzial wird genutzt

Die Bedeutung der IT für nationale Wirtschaften

| Autor: Ludger Schmitz

Jede Investition in die digitale Infrastruktur zieht einen Schweif positiver gesamtwirtschaftlicher Folgen nach sich.
Jede Investition in die digitale Infrastruktur zieht einen Schweif positiver gesamtwirtschaftlicher Folgen nach sich. (Bild: gemeinfrei, Hunter Harrit / Unsplash / CC0)

Die IT-Branche trägt mit ihren verschiedenen Ausprägungen inzwischen beträchtlich zum Bruttosozialprodukt bei und schafft Millionen gut bezahlte Arbeitsplätze mit entsprechenden Folgen für Konsum und Steuern. Jedoch wäre viel mehr möglich.

Was unterscheidet die IT-Mitarbeiter eines Unternehmens von den anderen Angestellten? Die Dicke des Portemonnaies. IT hat direkt etwas mit Wohlstand zu tun. Das gilt auch im größeren Rahmen, nämlich beim Wohlstand von Wirtschaftsgesellschaften. IT schafft Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Dazu aber braucht es digitale Infrastrukturen und qualifizierte Arbeitskräfte.

G7-Staaten dominieren auch in der Datenwirtschaft

Digital Realty hat erstmals einen „Data Economy Report“ vorgelegt. Er basiert auf einer Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmens Development Economics. Der erste Bericht dieser Art beschäftigt sich mit der Datenwirtschaft in den G7- und weiteren wirtschaftlich starken Staaten. Er skizziert, welche Bedeutung IT-Produktion, -Dienstleistungen und -Arbeitsplätze für diese Staaten haben, welche sie haben könnten und was dafür erforderlich ist.

In den G7-Staaten werden jährlich 1,7 Billionen US-Dollar durch Daten erwirtschaftet. Mehr als die Hälfte davon, fast 59 Prozent, fallen in den USA an. Sie erwirtschaftet dort mehr als eine Billion Dollar. Gerade etwas mehr als ein Viertel davon, nämlich 219 Milliarden Dollar schafft die Datenwirtschaft im zweitplatzierten Land, in Japan. Noch einmal deutlich ist der Abstand des Drittplatzierten, Deutschlands, wo die IT gerade 108 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Keine Glanzzahlen aus Deutschland

Deutschland ist, keine Überraschung der größte IT-Markt in Europa. Die Datenwirtschaft ist von 2012 bis 2016 um 51 Prozent gewachsen, was ein Spitzenwert ist, aber nicht der beste. Erst recht gilt das, wenn man in Betracht zieht, dass Landwirtschaft, Bergbau, Baugewerbe und Wasserversorgung im gleichen Zeitraum ihr Wirtschaftsergebnis mindestens verdoppelt haben. Am stärksten war das Wachstum übrigens in den Ländern Berlin, Hamburg und Bremen. Eine Einzelbetrachtung von deutschen IT-Metropolregionen wie Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf liefert die Studie nicht.

1,95 Millionen Jobs gibt es in der deutschen IT-Wirtschaft. Es könnten viel mehr sein. Denn Development Economics kalkuliert, dass Deutschland erst 55 Prozent seines Potenzials für IT-Wirtschaft erschlossen hat. Das ist ein Durchschnittswert.

Einmal gute Ergebnisse aus Großbritannien

Im Vergleich zu Deutschland ist die IT-Wirtschaft in Großbritannien deutlich weniger bedeutsam. Sie kommt auf 73 Milliarden Dollar, was 58 Prozent ihres Potenzials sind. Dieses auszuschöpfen würde weitere 570.000 Stellen schaffen, während die Branche jetzt 1,7 Millionen Arbeitsplätze bietet. Immerhin wuchs die Datenwirtschaft in den letzten vier Jahren jährlich um durchschnittlich 7,3 Prozent, während das Gesamtwirtschaftswachstum bei 1,8 Prozent lag. Die Zentren sind London (32 Prozent) und Südost-England (17 Prozent).

Die kleine Nachbarinsel Irland macht als Steuerparadies und (angeblicher) Safe Harbour für US-amerikanische Großanbieter viele Schlagzeilen, und das zeigt sich in den Zahlen: Die Datenwirtschaft bringt es zwar auf zehn Milliarden Dollar Jahresumsatz, indirekt sogar auf 22 Milliarden Dollar. Aber rund fünf Milliarden generieren besagte IT-Firmen selbst, IT-Arbeitsplätze in Unternehmen anderer Branchen beispielsweise tragen also relativ wenig bei. Der Arbeitsplatzeffekt ist mit 84.000 Jobs übersichtlich. Damit korrespondiert, dass das Potenzial nur zu 52 Prozent ausgeschöpft ist, seine Erschließung könnte rund 15.000 neue Stellen schaffen.

Die Niederlande haben in den letzten Jahren als Billigstrom-Anbieter für Rechenzentren auf sich aufmerksam gemacht. Das hat vielleicht mitgeholfen, die Datenwirtschaft auf ein Jahresvolumen von 25 Milliarden Dollar zu bringen. Trotzdem sind die Niederlande laut Bericht von Digital Realty „the biggest underperformer“. Denn die Datenwirtschaft wuchs 2012 bis 2016 insgesamt nur um 41 Prozent. Rund eine Viertelmillion Jobs hängen an ihr, ebenfalls eine Steigerung von nur 18 Prozent. Lediglich 49 Prozent des Potenzials sind genutzt, 101.000 Stellen dadurch verschenkt.

"Eine Zeitenwende in unserer Geschichte"

Daten gelten als das Rohöl dieses Jahrhunderts, sie sollten also ein Leitmotiv der Wirtschaftspolitik sein. Digital Realty enthält sich der Bewertung der IT-Politik von Regierungen, stellt aber fest, das die Verfügbarkeit einer digitalen Infrastruktur von entscheidender Bedeutung ist. Es sei eine nicht geringe technische Herausforderung und verlange gut ausgebildetes Personal, was wiederum einen Effekt hat. In Großbritannien kommt die Datenwirtschaft für 3,3 Prozent der Beschäftigten auf, bringt aber 4,2 Prozent des Bruttosozialprodukts.

An einer „wichtigen Zeitenwende in unserer Geschichte“ sieht William Stein, CEO von Digital Research, unsere Wirtschaftsgesellschaften: „Es kommt jetzt darauf an, verstärkt in innovative Technologien, relevante berufliche Weiterbildungsangebote, Forschung und Entwicklung sowie digitale Infrastruktur zu investieren.“ Im Report heißt es: „Diese kritischen digitalen Grundlagen sind jetzt ein ebenso wichtiger Teil der Infrastruktur jedes Landes wie Straßen oder Kraftwerke.“

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