IDC-Studie:

DevOps wird in Deutschland ausgebremst

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

DevOps wird in deutschen Unternehmen seit langem diskutiert, allerdings erst wenig genutzt.
DevOps wird in deutschen Unternehmen seit langem diskutiert, allerdings erst wenig genutzt. (Bild: gemeinfrei, geralt / Pixabay / CC0)

Ernüchterung: DevOps ist offenkundig der praktikabelste Ansatz für die Entwicklung neuer Software, ganz entsprechend den Bedürfnissen der Anwender. Dennoch dominieren die klassischen, stark strukturierten und in sich geschlossenen Vorgehensweisen bei der Softwareerstellung und Auslieferung. Wie kommt’s?

Das wollte auch IDC wissen und hat im Oktober 2018 in Deutschland IT-Entscheider aus 200 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Die Studie förderte folgende ernüchternde Einsichten zutage:

1.) DevOps ist mitnichten schon in allen IT-Abteilungen angekommen - 75 Prozent der befragten Unternehmen nutzen seit weniger als 12 Monaten entsprechende Prozesse.

2.) Change Management ist und bleibt ein harter Job: IDC hat festgestellt, dass in zwei Drittel der Firmen das Festhalten an alten Gewohnheiten, Probleme bei der Integration von Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb sowie fehlendes Know-how die größten Bremsklötze darstellen.

3.) Das Beste kommt zum Schluss: 62 Prozent der Befragten haben keine prozessübergreifende Security-Policy für DevOps implementiert.

Es mangelt an Know-how

Man sieht: DevOps wird in deutschen Unternehmen seit einigen Jahren beobachtet und diskutiert, allerdings haben offenbar erst wenige Organisationen hierzulande fundierte Erfahrungen. Die Studie zeigt, dass nur rund ein Viertel der Befragten DevOps-Methoden und Konzepte länger als 12 Monate nutzen. Weitere 20 Prozent haben weniger als 12 Monate Erfahrung und 55 Prozent steigen gerade erst in das Thema ein.

Die Gründe sind vielfältig: Zum einen haben viele Organisationen nach wie vor ein unzulängliches Wissen darüber, was DevOps eigentlich ist und was DevOps alles kann. „Es mangelt also schlicht und ergreifend an Know-how“, so Matthias Zacher, Manager Research und Consulting bei IDC und Projektleiter der Studie. Zahlreiche Unternehmen haben das Konzept zwar verstanden, scheuen aber die weitreichenden Veränderungen, die DevOps für die Prozesskette „Anwendungsentwicklung–Testing–Deployment–Betrieb“ mit sich bringt.

„Bei DevOps geht es weniger um neue Tools, sondern vielmehr um einen neuen Blick auf etablierte Vorgehensweisen und um neue Prozesse. DevOps verlangt ganz klar eine Änderung der IT-Kultur“, sagt Zacher. „Das ist gerade für IT-Organisationen mit ihren oftmals starren und strukturierten Vorgehensweisen eine große Herausforderung.“

DevOps steigert Entwicklerproduktivität & Softwarequalität

Die Vorteile von DevOps kommen vor allem dann zum Tragen, wenn IT und Business ihre Ziele klar definiert haben. Nach ihrer Motivation befragt, gaben 46 Prozent an, die Entwicklerproduktivität erhöhen zu wollen. Für 43 Prozent stehen eine hohe Qualität und Konsistenz der Softwareentwicklung und für 41 Prozent die schnellere Bereitstellung der Anwendungen im Fokus. Diese Vorhaben lassen sich allerdings nur dann umsetzen, wenn Entwickler und Administratoren an einem Strang ziehen. Dass das nicht immer ohne Reibungen klappt, liegt häufig an einem mangelnden Verständnis der Anforderungen und Arbeitsweisen des jeweils anderen IT-Bereichs.

Und genau hier setzt DevOps an. Eine stärkere Kommunikation und Zusammenarbeit hilft, die Belange des Gegenübers zu verstehen und gemeinsame Ziele zu formulieren. Aus Sicht von IDC sollten auch immer die Fachbereiche involviert werden, denn sie sind letztlich die internen Kunden der IT und damit Teil der Wertschöpfungskette und tragen ihrerseits mit Business-Innovationen und Agilität zum Geschäftserfolg bei.

Die Transformation etablierter Prozesse kann nur ein schrittweiser Prozess sein. Die meisten der befragten Unternehmen fahren bei der Modernisierung von Anwendungen heute mehrgleisig: Sie nutzen die klassischen Methoden der Softwareerstellung und -verteilung sowie DevOps-Prozesse, in lediglich 14 Prozent der Firmen dominieren bereits DevOps-Prozesse. Dieser Anteil wird in den nächsten 24 Monaten stark steigen, denn mit den klassischen Entwicklungs- und Deployment-Methoden verschenken die Unternehmen wertvolles Potenzial, das Cloud Computing, Container, Microservices und Serverless Computing bieten – und das kann sich kaum eine Organisation leisten.

Nur Teilprozesse automatisiert

Erklärtes Ziel von DevOps ist eine höhere Automatisierung. Allerdings verfügt derzeit weniger als ein Viertel der Befragten über eine Prozessautomatisierung, die mehr als 50 Prozent der Prozesse der Build-, Testing- und Deploy-Pipeline umfasst. Die meisten Unternehmen haben folglich derzeit nur Teilprozesse automatisiert. IDC empfiehlt, die Lücken in der Prozessautomatisierung schrittweise zu schließen, denn nur ganzheitliche DevOps-Prozesse führen zum gewünschten Erfolg.

Mit Blick auf die IT-Sicherheit stellt IDC einen noch erheblichen Handlungsbedarf fest. Lediglich 38 Prozent der befragten Unternehmen haben die verschiedenen Prozessschritte mit Security verwoben. Hier müssen die Organisationen rasch nachbessern, denn sie werden nur dann in der Lage sein, sichere Software zu entwickeln und zu betreiben, wenn auch ihre Toolchain sicher ist.

Security wird noch vernachlässigt

Die IDC Studie zeigt also, dass DevOps in den deutschen Unternehmen noch ein junges Thema ist, das aber nach Ansicht Zachers in den nächsten 24 Monaten reifen wird. Die befragen Firmen erkennen inzwischen die Bedeutung von DevOps für mehr Effizienz bei der Erstellung und dem Betrieb von Anwendungen. Dieses Potenzial können sie aber nur dann entfesseln, wenn sie Next Generation Infrastruktur und State-of-the-Art-Softwarewerkzeuge mit modernen Entwicklungs- und Deployment-Methoden nutzen und – ganz wichtig – in sicheren Umgebungen betreiben.

„DevOps kann nur dann funktionieren, wenn bei allen Stakeholdern die Bereitschaft zur Veränderung vorhanden ist. Entscheidend ist dabei eine offene, transparente Kommunikation über die gesamte IT-Wertschöpfungskette hinweg. Das setzt voraus, dass Entwickler, Tester, Operations, Fachabteilungen und das IT-Management das Konzept von DevOps wirklich verstehen und leben“, so Zacher.

DevOps erfordere eine Abkehr von bisherigen Vorgehensweisen. Es sollte aber niemals als Selbstzweck, sondern als eine Antwort auf das sich fundamental verändernde technologische und geschäftliche Umfeld verstanden werden. Das Change Management hin zu DevOps sollte laut IDC Empfehlungen daher eher Evolution statt Revolution sein. Ein radikales Umdenken sei in den IT-Teams erforderlich, und zwar in dem Sinne, dass alle am Prozess Beteiligten gleichermaßen für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich sind.

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