Interview mit Siemon-Manager Dimitri Kyritsis

Der Vorteil von vorab konfigurierten Pods im Datacenter

| Autor / Redakteur: Susan Bladwell / Ulrike Ostler

Vorab konfigurierte Pods können die Planung und sogar die Umweltbelastung reduzieren und ... Kosten sparen.
Vorab konfigurierte Pods können die Planung und sogar die Umweltbelastung reduzieren und ... Kosten sparen. (Bild: Siemon)

Der Rechenzentrumsmarkt wächst unaufhaltsam. Mit steigendem Bedarf nach Rechenleistung sind Datacenter-Betreiber heute gezwungen, vorhandene Rechenzentren schnell zu erweitern und auch neue Einrichtungen schnell in Betrieb zu nehmen. Wie stellt sich der Infrastrukturanbieter Siemon darauf ein?

Moderne Planungskonzepte spielen derzeit eine wichtige Rolle, besonders wenn es darum geht, den Auf- und Ausbau von Rechenzentren zu beschleunigen und zugleich Kosten zu reduzieren, ohne dass beides zulasten von Zuverlässigkeit, Effizienz oder Nachhaltigkeit geht.

Um welches neue Planungskonzept handelt es sich bei Ihnen?

Dimitri Kyritsis: Hierbei geht es um einen modularen Ansatz der Rechenzentrumsplanung, der Schrankeinheiten umfasst, die sich schnell und flexibel aufbauen lassen. Zusammen mit dem Kunden werden Schränke, Anschlusskomponenten und das benötigte Zubehör im Vorfeld ausgewählt und als Standard festgelegt. Es handelt sich also um eine Art Bausteine für das Datacenter. Sind diese einmal konfiguriert, kann das Rechenzentrum zu jedem beliebigen Zeitpunkt Baustein um Baustein erweitert werden, wie es der Bedarf erfordert.

Was sind die Kernpunkte dieser modularen Planungsmethode?

Dimitri Kyritsis: Ein wesentlicher Bestandteil sind so genannte Pods, also Gruppen von Schränken, die auf Grundlage der vom Kunden gewünschten Kapazität, Funktion oder Anwendung geplant werden und in sich abgeschlossene Bereiche im Rechenzentrum bilden. Zumeist bestehen sie aus zwei symmetrischen Schrankreihen in der Konfiguration mit Warmgang und Kaltgang, die dann entsprechend mit einer Warmgang- oder Kaltgangeinhausung aufgestellt werden.

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Worin unterscheidet sich dieser Ansatz von den altbewährten Planungskonzepten für das Rechenzentrum?

Dimitri Kyritsis: Mit einem modularen Pod-basierten Planungsansatz lassen sich Datacenter-Kapazitäten genau in dem Moment erweitern, wenn es der Bedarf bedingt. Pods gleicher Struktur lassen sich schnell und problemlos bestellen, liefern und aufstellen. Kunden können ihr Rechenzentrum auf besser planbare Weise skalieren, da das ursprüngliche Pod, das an Tag eins konfiguriert und errichtet wurde, als Vorlage für den schrittweisen Ausbau durch weitere identische Pods dient.

Herkömmliche Planungsmethoden hingegen orientieren sich gewöhnlich nur am aktuellen Bedarf, wo Schränke oft ad-hoc zusammengestellt werden. Diese Vorgehensweise ist weniger effizient und ermöglicht es auch nicht, den Energie- und Platzbedarf von Anfang an adäquat zu planen.

Welche Rolle spielen vorab konfigurierte Racks dabei?

Dimitri Kyritsis: Vorab bestückte Schränke eignen sind hervorragend für eine modulare Planungsstrategie mit sich wiederholenden Pods, da sie sowohl den Rechenzentrumsaufbau als auch dessen Ausbau spürbar beschleunigen. Typischerweise werden solche Schränke bereits im Werk mit Glasfaser- oder Kupfer-Anschlusstechnik, Power Distribution Units (PDUs), Kabel-Management und anderem Zubehör versehen und sind durch eine spezifische Artikelnummer gekennzeichnet.

Geliefert werden sie dann fertig zusammengebaut mit bereits montierter Anschlusstechnik und Zubehör. Vor Ort muss nur noch die Aktivtechnik installiert und an die Verkabelung angeschlossen werden.

Sind die Schranktypen, zum Beispiel Server-, SAN- oder Netzwerkschränke, und das benötigte Zubehör einmal bestimmt, können komplette Auftragsstücklisten für jeden Pod erstellt werden. Da die Zusammenstellung von Schränken, Anschlusstechnik und Zubehör bei der modularen pod-Pasierten Planung gleich bleibt und sich von Pod zu Pod wiederholt, lassen sich auch die für Datacenter-Erweiterungen notwendigen Ausgaben und Ressourcen besser kalkulieren.

Hat die Verwendung vorab konfigurierter Schränke noch andere Vorteile?

Dimitri Kyritsis: Ja, natürlich. Dazu gehören auch spürbare Kosteneinsparungen, Planungssicherheit und Vorteile für die Umwelt.

Erst kürzlich wurde eine Studie anhand eines Pod mit 18 Schränken durchgeführt und ergab, dass allein durch die Verwendung vorkonfigurierter Schränke Kosteneinsparungen von 30 Prozent hinsichtlich Arbeits- und Zeitaufwand gegenüber herkömmlichen Schränken realisierbar sind, bei denen jedes einzelne Teil erst ausgepackt und montiert werden muss. Da alle vorab konfigurierten Schränke eine eigene kundenspezifische Artikelnummer und Preis haben, vereinfacht sich der Vorgang für zukünftige Nachbestellungen, und auch die Versorgung des Pods beispielsweise mit Strom und Kühlung.

Auch die Summe der Materialkosten lässt sich bereits im Vorfeld kalkulieren. Nicht zuletzt bringt ein solches Schrankkonzept auch Vorteile für die Umwelt. Da der Schrank fix und fertig bestückt geliefert wird, fällt erheblich weniger Verpackungsmaterial und Abfall an.

Welche jüngsten Innovationen von Siemon unterstützen den modularen Ansatz?

Dimitri Kyritsis: Unter der Bezeichnung „V-Built“ hat Siemon kundenspezifisch vorkonfigurierte Schränke in sein Datacenter-Produkportfolio aufgenommen. V-Built Schränke werden entsprechend Kundenwunsch mit Glasfaser- und Kupfer-Anschlusstechnik von Siemon vorab bestückt, beispielsweise mit den „Light Stack“ Plug-and-Play-Glasfasersystemen, mit konfektionierten Kabeln, horizontalen und vertikalen „Powermax“-PDUs, Kabelführungen und Zubehör.

Die Konfiguration erfolgt dabei in gemeinsamer Planung mit dem Kunden und den Expertenteams für Rechenzentrumsplanung von Siemon. Die Schränke werden dann in den lokalen Herstellerwerken zusammengebaut,ausgerüstet, verpackt und an den Kunden ausgeliefert, der vor Ort nur noch die Kabel anzuschließen und die Aktivtechnik zu installieren braucht.

Welche Entwicklungen erwarten Sie für die kommenden Jahre?

Dimitri Kyritsis: Aktuell geht der Trend in Richtung hyperkonvergenter Systeme, was heißt, dass kompakte Infrastruktursysteme in zunehmendem Maße in der Lage sind, alle Funktionen wie Switching, Computing und Storage in einem einzigen Produkt zu integrieren. Für die Zukunft wird eine modulare Planung daher immer notwendiger.

Ein Rack wird dabei mehrere “Module” enthalten, die später erweitert werden können, indem äquivalente Module entsprechend den veränderten Erfordernissen des Rechenzentrums ergänzt werden. Der Auf- und Ausbau von Edge-Rechenzentren im Rahmen der Bereitstellung von 5G und IoT hat beispielsweise zur Folge, dass Co-Location- und Telekommunikationseinrichtungen über mehr Standorte verteilt sind. Hier könnte dann eine wirklich gangbare Lösung zur Erhöhung von Daten-Management- und Speicherkapazität in standardisierten Konfigurationen und der Verwendung einheitlicher Module liegen.

Hinweis: Siemon will in diesem Jahr auf dem DataCenter Day, am 22. Oktober in Würzburg, vertreten sein. Interessenten können sich schon jetzt für die Veranstaltung, bei der DataCenter-Insider Medienpartner ist, registrieren.

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