Schadensrisiken bei Rechenzentren steigen, warnt Allianz Datacenter-Brände treiben Versicherungskosten

Von Daniel Schrader 3 min Lesedauer

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Eine Allianz-Commercial-Studie zu Versicherungsschäden in Höhe von 677 Millionen Euro sieht Feuer als größten Kostentreiber. Fälle aus Bau- und Testphasen zeigt Schäden bis 100 Millionen US-Dollar pro Fall.

Brände, Wasserschäden und Kriminalität gehören zu den ansteigenden Versicherungsrisiken für Rechenzentren.(Bild:  Daniel Schrader / GPT Image 2 / KI-generiert)
Brände, Wasserschäden und Kriminalität gehören zu den ansteigenden Versicherungsrisiken für Rechenzentren.
(Bild: Daniel Schrader / GPT Image 2 / KI-generiert)

Wasserschäden sind in der Allianz-Auswertung die häufigste Ursache von Schadenfällen. Bei der Schadenhöhe dominiert dagegen Feuer mit 59 Prozent deutlich vor Naturkatastrophen und vorsätzlichen Handlungen.(Bild:  Grafik KI-gestützt übersetzt. Quelle: Allianz Commercial: „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“, S. 24)
Wasserschäden sind in der Allianz-Auswertung die häufigste Ursache von Schadenfällen. Bei der Schadenhöhe dominiert dagegen Feuer mit 59 Prozent deutlich vor Naturkatastrophen und vorsätzlichen Handlungen.
(Bild: Grafik KI-gestützt übersetzt. Quelle: Allianz Commercial: „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“, S. 24)

Allianz Commercial warnt in der Studie „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“ vor steigenden Bau-, Betriebs- und Klimarisiken in Rechenzentren. In 221 untersuchten Schadenfällen mit einem Gesamtwert von rund 677 Millionen Euro (einschließlich des Anteils anderer Versicherer) entfielen laut Allianz 59 Prozent der Summe auf Feuer. Dabei machten Feuerschäden lediglich 14 Prozent der Einzelfälle aus; die Schadenhöhe ist im Brandfall also überproportional hoch.

Wasserschäden verursachten umgekehrt mit 21 Prozent die meisten Fälle, trugen aber nur 4 Prozent zur Schadenssumme bei. Vorsätzliche Handlungen einschließlich traditioneller Kriminalität und Cyberkriminalität verursachten 19 Prozent der Fälle und 10 Prozent der Kosten.

Fünf Fälle aus Bau und Inbetriebnahme

Die Allianz-Fallstudien zeigen Risiken vor allem vor der regulären Inbetriebnahme: Fehler an Kühlung und Stromversorgung, Heißarbeiten, Extremwetter und Bauversagen führen in den dokumentierten Fällen zu Ansprüchen von bis zu 100 Millionen US-Dollar.(Bild:  Grafik KI-gestützt übersetzt. Quelle: Allianz Commercial: „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“, S. 26.)
Die Allianz-Fallstudien zeigen Risiken vor allem vor der regulären Inbetriebnahme: Fehler an Kühlung und Stromversorgung, Heißarbeiten, Extremwetter und Bauversagen führen in den dokumentierten Fällen zu Ansprüchen von bis zu 100 Millionen US-Dollar.
(Bild: Grafik KI-gestützt übersetzt. Quelle: Allianz Commercial: „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“, S. 26.)

Den Hauptteil der Fallstudie bilden fünf anonymisierte Schäden, die sämtlich beim Bau oder der Inbetriebnahme von Rechenzentren auftraten. Keiner der Fälle stammt demnach aus dem regulären IT-Betrieb. Bei der Inbetriebnahme eines KI-Rechenzentrums wurden Kühlaggregate über die vorgesehenen Betriebsgrenzen hinaus belastet und rissen. Der daraus entstandene Anspruch des Generalunternehmers lag laut Allianz zwischen 25 und 50 Millionen Dollar.

In einem fast fertiggestellten Hyperscale-Rechenzentrum verteilte ein Feuer bei Heißarbeiten (Arbeiten mit Funken oder offener Flamme) Rauch und Ruß über die Luftführung in verschiedene Gebäudeteile. Allianz beziffert den Schaden auf 50 bis 100 Millionen Dollar. Einen ähnlich hohen Anspruch hat Hagel in Verbindung mit starkem Wind ausgelöst, nachdem 60 externe Kühlaggregate beschädigt worden waren; die Studie nennt 360.000 Dollar Ersatzkosten je Anlage.

Eine Überspannung mit anschließender Schutzabschaltung verzögerte bei einem weiteren Hyperscale-Projekt die Inbetriebnahme und verursachte einen Schaden von 25 bis 50 Millionen Euro. In einem fünften Fall stürzte eine interne Zufahrts- und Logistikbrücke über einem geschützten Sumpfbiotop ein; eine genauere Ursache nennt die Studie nicht. Den Schaden an diesem KI-Rechenzentrumsprojekt beziffert Allianz auf fünf bis zehn Millionen Dollar.

Ausfälle vervielfachen den Sachschaden

Die Fallstudien verschieben den Blick vom Serverraum auf das gesamte technische System. Externe Kälteanlagen, Baustellenarbeiten, temporäre Stromkonfigurationen und Logistikbauwerke können den Start eines Campus ebenso verzögern wie Defekte bei der IT-Hardware.

Den Studienautoren zufolge entfallen die höchsten Schadensummen auf Betriebsunterbrechungen nach einem Schaden. Die Wiederherstellung kann sich durch Lieferzeiten verlängern: Die Studie nennt bis zu 80 Wochen für Mittelspannungsschaltanlagen und bis zu 50 Wochen für Transformatoren. Auf Betriebsunterbrechungen folgen in der Kostenrangliste Bauschäden und Ansprüche aus Haftpflichtversicherungen

Rechenzentrumskapazitäten in Amerika sind besonders häufig akuten Naturgefahren ausgesetzt, während in Asien-Pazifik chronischer Hitze- und Trockenstress dominiert.(Bild:  Grafik KI-gestützt übersetzt. Quelle: Allianz Commercial: „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“, S. 15)
Rechenzentrumskapazitäten in Amerika sind besonders häufig akuten Naturgefahren ausgesetzt, während in Asien-Pazifik chronischer Hitze- und Trockenstress dominiert.
(Bild: Grafik KI-gestützt übersetzt. Quelle: Allianz Commercial: „The Data Center Construction Boom: Risks and Claims Trends“, S. 15)

Laut einer von den Studienautoren hinzugezogenen First-Street-Analyse liegen 79 Prozent der globalen Rechenzentrumskapazität in Regionen mit erhöhtem Risiko durch Flut, Sturm oder Waldbrand; 54 Prozent seien Hitze- und Trockenstress ausgesetzt. Besonders hoch sei der Anteil von chronischen Rechenzentren mit chronischen Risiken wie Hitze und Dürre im Asien-Pazifik-Raum (89 Prozent) und mit akuten Risiken wie Überschwemmungen und (Wald-)Brände in Nord- und Südamerika (86 Prozent).

Neue Risikobewertungsverfahren werden kommen

Der weltweite Versicherungsmarkt für Rechenzentren könnte laut Studie von rund elf Milliarden Dollar auf mehr als 24 Milliarden Dollar im Jahr 2030 wachsen. Allianz zufolge verlangen Kreditgeber und Investoren bei großen KI-Campusprojekten zunehmend eine umfassende Deckung für Bau und Betrieb. Das Angebot verschiebe sich deshalb von klassischen Gebäudeversicherungen zu kombinierten Programmen für Bau, Technik, Betriebsunterbrechung, Cyberrisiken und Haftpflicht.

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Aus den Schadenfällen wird klar, dass Resilienz auch im Hinblick auf die Versicherung einen entscheidenden Planungsfaktor darstellt. Aus Sicht von Allianz Commercial folgen daraus mehrere Konsequenzen für die Versicherungspraxis.

Stefan Zink, Global Property Industry Lead für Telekommunikation und Rechenzentren, empfiehlt eine räumliche Trennung von Brennstoff- und Batteriesystemen, um das Brandrisiko zu senken, sowie eine kontinuierliche Wartung mit Bauteilüberwachung und vorbeugendem Austausch vor einem Ausfall.Ebenso entscheidend sei nach seiner Einschätzung, dass Versicherer über Änderungen während Bau und Betrieb informiert werden.

Die zentrale Herausforderung für die Versicherbarkeit liege laut den Studienautoren in der Verflechtung der Anlagen: Rechenzentren sind Immobilie, Industrieinfrastruktur und hochsensible Technik in einem. Dabei würden schnelle Veränderungen bei Server-Architekturen, Leistungsdichten und Kühlkonzepten grundlegend neue Risikobewertungsverfahren erfordern.

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