Kommentar von Venkata Seshu Gulibhi, Infosys Data Analytics für den Umweltschutz

Autor / Redakteur: Venkata Seshu Gulibhi* / Nico Litzel

Können Organisationen die Macht der Daten nutzen, um die eigenen Auswirkungen auf unseren Planeten zu reduzieren? Schließlich stehen sie zunehmend unter Druck, ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen und zu fördern. Und die Nachhaltigkeitsreise beginnt mit Daten: Sie sind das „Rohmaterial“ für Verantwortung und Rechenschaft. Beides bildet wiederum das Herzstück und die Basis für Nachhaltigkeit.

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Der Autor: Venkata Seshu Gulibhi ist AVP und Practice Manager Data & Analytics bei Infosys
Der Autor: Venkata Seshu Gulibhi ist AVP und Practice Manager Data & Analytics bei Infosys
(Bild: Infosys)

Ende des Jahres findet die UN Climate Change Conference (COP26) in Glasgow statt. Viele Unternehmen nutzen dies als Gelegenheit, um ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele zu überprüfen. Gut so; denn regelmäßige Prüfungen und Anpassungen sowie das Sammeln und Analysieren von relevanten Daten sind eine verlässliche Methode, um den Fortschritt in Bezug auf die eigenen Umwelt-, Sozial- und Governance-Ziele (Environmental, Social and Governance / ESG) zu verfolgen sowie mit relevanten Stakeholdern zu kommunizieren.

Ursprünglich engagierten sich viele Organisationen aus Compliance- und Markengründen für das Thema Nachhaltigkeit. Doch diese Entwicklung hat sich signifikant geändert.

Kosteneinsparungen, Effizienz- und Produktivitätssteigerungen, Risikominimierung, Schutz vor Ressourcenknappheit und Preisschocks – sowie letztlich die Tatsache, dass es sich um ein Unterscheidungsmerkmal für das Unternehmen handelt –, führen dazu, dass nachhaltige Praktiken in der Geschäftsetage eine höhere Priorität erlangt haben. Um Initiativen zur ökologischen Nachhaltigkeit zu stärken, setzen Entscheider vermehrt auf Business-Intelligence- und Data-Analytics-Funktionen.

Viele Unternehmen sitzen auf einer Daten-Goldmine

Zahlreiche Organisationen sammeln bereits über alle Betriebsbereiche hinweg Daten in Bezug auf Nachhaltigkeit – und melden diese auch. Immer mehr setzen dabei auf Analytics: Damit definieren sie ihre Nachhaltigkeitsagenda, verfolgen ihren Return on Invest (ROI) und identifizieren, was für sie im Hinblick auf die angestrebten Ziele in Sachen Energie, Abfall, Ressourcen, Emissionen und Wasserverbrauch funktioniert. Dieser Ansatz ermöglicht es Unternehmen, Risikobereiche oder Potenziale für Kostensenkungen zu finden, neue Möglichkeiten zu prognostizieren und Entscheidungsfindungsprozesse zu verbessern.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs für Unternehmen. Das wahre Potenzial der Nachhaltigkeitsanalytik liegt in der Sammlung und Analyse einer Vielzahl von Datenpunkten. Dazu gehört alles, vom Energie- und Ressourcenverbrauch über Treibhausgasemissionen bis hin zur Leistung der Lieferkette und darüber hinaus – aber vor allem Echtzeitdaten.

Diese sind eine Goldgrube an Daten. Der Einsatz von IoT-Endgeräten bei der Sammlung großer Mengen von Echtzeitdaten, befähigt darüber hinaus Systeme, automatisierte Entscheidungen zu treffen.

Ein Beispiel aus der Energieversorgung

Die Datenerfassung in Echtzeit hängt von spezifischen Nachhaltigkeitsinitiativen ab, etwa ob es einzelne Ziele wie die Senkung des Energieverbrauchs oder welche Betriebs- und Umweltkategorien es gibt. Ein Beispiel: Ein Energieversorger hat die Möglichkeit, eine Vielzahl von Datenpunkten in Echtzeit überwachen – darunter Abwassereinleitung, Tracking von festen Abfällen und Chemikalien oder die Überwachung von Luftemissionen und Treibhausgasemissionen.

Dies erleichtert die Emissionsprognose und führt dank des Wegfalls der manuellen Datenüberprüfung zu Zeitersparnis sowie zu verbesserter Prüfbarkeit durch Datenmodifikationen und eine schnellere, einfacherer Nachverfolgung und Erstellung von behördlichen Berichten – diese werden automatisch elektronisch an die zuständige Meldebehörde übermittelt.

Ein weiteres einfaches Beispiel: ein Bürogebäude. Die Echtzeitüberwachung gibt Auskunft über den Gesamtenergieverbrauch sowie über den Energieverbrauch der Lüftungsgeräte und über die CO2-Werte als Indikator für die Belegung. Je nachdem, ob die gesammelten Daten in einen programmierten Bereich fallen, wird die Lüftung – abhängig von der Mitarbeiterauslastung – automatisch ein- oder ausgeschaltet. Das verbessert die Prozesseffizienz signifikant. Energieverbrauchsmuster, saisonale Faktoren, Nutzungszeitgebühren, Belegungsgrad und aktuelle Wetterdaten werden bei der Entwicklung von Prozessverbesserungen ebenfalls berücksichtigt.

Die ESG-Revolution zum Leben erwecken

Unternehmen können Data Analytics von der Mikro- bis zur Makroebene einsetzen, um die erforderlichen Einblicke zu gewinnen, die sie für die Entwicklung und das Vorantreiben ihrer Nachhaltigkeitsagenda benötigen. Das Benchmarking von Daten gegen regulatorische Standards und Daten aus vergleichbaren Branchen gibt Aufschluss darüber, wie Unternehmen oder deren Anlage im Vergleich abschneiden. Das Kuratieren und Katalogisieren dieser Daten hilft dabei, schneller an Erkenntnisse zu gelangen – und sich so stetig zu verbessern.

Das Teilen greifbarer Daten mit Stakeholdern steigert die Wahrnehmung und schafft die Gewissheit, dass Umweltziele mehr als nur Worte sind. Verbraucher, insbesondere Millennials und Gen Z, erwarten, dass Marken hohe Nachhaltigkeitsstandards verfolgen. Auch Regierungen sind an Environmental Social Governance, kurz: ESG, interessiert: Denn auf diese Weise können sie sich darauf verlassen, dass der private Sektor bei der Lösung sozialer Probleme hilft, die sich wiederum auf ihre Beliebtheitswerte auswirken.

Auch ESG-Investitionen werden immer beliebter: Deloitte geht davon aus, dass ESG-mandatierte Assets bis 2025 allein in den USA bis zur Hälfte aller verwalteten Assets ausmachen könnten. Investoren sind nicht nur durch altruistische Faktoren motiviert.

Umweltschäden - ein Risiko-Aspekt

Mehr als 2.000 akademische Studien haben die Beziehung zwischen ESG-Bewertungen und finanziellen Erträgen analysiert. Dabei fanden rund 70 Prozent eine positive Korrelation. Darüber hinaus hat die Covid-19-Pandemie den Fokus der Investoren (und Stakeholder) darauf gelenkt, wie Unternehmen mit sozialen Risiken umgehen – dies führte unter anderem dazu, dass die Arbeitgeberpolitik und die Arbeitsbedingungen innerhalb der Lieferkette stärker überprüft werden.

Der Druck auf Unternehmen, ESG-Themen zu integrieren, nimmt weiter zu. Die Regulierungsbehörden schreiben in immer mehr Märkten einen ESG-Report vor – schon bald werden Nachhaltigkeits-Reports mit der Finanzberichterstattung gleichgestellt sein. Unter diesen Umständen sollte die Nachhaltigkeitsreise eines jeden Unternehmens mit Daten und Analysen beginnen.

Egal, ob es sich um eine Initiative zur Bildung von Fahrgemeinschaften handelt, um den Transport-Fußabdruck eines Unternehmens zu reduzieren, oder um die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen: Unternehmen werden sich zunehmend auf Nachhaltigkeitsanalysen verlassen müssen, um Vorschriften einzuhalten, Kosten zu sparen, Emissionen zu reduzieren, neue Geschäftsmodelle voranzutreiben und sogar den Planeten zu retten.

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