Globale Handelskonflikte, Sanktionen, Lieferengpässe und steigende Rohstoffpreise machen es den It-Einkäufern schwer, verlässliche Beschaffungsstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig wandeln sich weltweit stetig sehr unterschiedliche Regulierungen, beispielsweise bei der Nachhaltigkeit. Sie ist längst kein freiwilliges Engagement mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der Compliance-Anforderungen.
Wer heute IT einkauft, muss nicht nur auf das Preis-Leistungsverhältnis achten, auch ESG und hier insbesondere die Nachhaltigkeit spielen eine bedeutsame Rolle. Doch das kann sich lohnen.
Bei Ivalua, Anbieter von Cloud-basierten Spend-Management-Anwendungen, beobachten wir, dass geopolitische Risiken und regulatorische Vorgaben heute oft parallel wirken und sich gegenseitig verstärken. Während politische Spannungen die Material- und Hardware-Verfügbarkeit beeinträchtigen, erfordern neue Regularien eine lückenlose Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Unternehmen müssen also nicht nur Alternativen für kritische Komponenten oder Dienstleistungen finden, sondern auch ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) dokumentieren und überwachen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, dass die Regulierungen stark variieren und viele Einkaufsabteilungen nicht über die nötigen Daten und Strukturen verfügen, um diesen komplexen Anforderungen gerecht zu werden.
Bisherige Einkaufsstrategien stoßen an Grenzen
Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre haben neu ins Bewusstsein gerufen, wie fragil Lieferketten sein können. Besonders deutlich wurde das in der Halbleiterindustrie, wo Exportbeschränkungen und Produktionsausfälle zu massiven Engpässen führten oder aktuell durch die neue Tarifpolitik der US-Regierung, die zu neuen Risiken führt und Entscheidungen erfordert.
Unternehmen, die auf bestimmte Lieferanten oder Regionen angewiesen sind, müssen entweder hohe Kostensteigerungen in Kauf nehmen oder ihre Geschäftsmodelle kurzfristig anpassen. Ähnlich problematisch ist die Abhängigkeit von Rohstoffen wie seltenen Erden oder Lithium, die für IT-Hardware essentiell sind.
Wer heute IT-Beschaffung verantwortet, kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass etablierte Lieferquellen dauerhaft stabil bleiben. Alternativen zu identifizieren ist jedoch nicht einfach. Neue Bezugsquellen müssen nicht nur wirtschaftlich tragfähig sein, sondern auch regulatorischen Anforderungen entsprechen.
Gold von Ecovadis
Ivalua hat im Nachhaltigkeits-Rating von Ecovadis nach der Silbermedaille in 2024 nun auch die Goldmedaille erhalten. Damit gehört das Unternehmen nun zu den besten drei Prozent aller von den geprüften Unternehmen weltweit.
Ecovadis bewertet weltweit die Nachhaltigkeit von Unternehmen und gilt als einer der größte Anbieter dieser Dienstleistung. Der Evaluierung unterzogen wird, wie effektiv Organisationen Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsstrategien und -abläufe integrieren. Ecovadis analysiert dafür über 150.000 Unternehmen anhand verschiedener Schlüsselkriterien wie Umweltverträglichkeit, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung.
In diesem Jahr erzielte Ivalua 79 von 100 Punkten und verbesserte sich damit von Silber auf Gold. Die verbesserte Bewertung spiegelt Fortschritte in mehreren Schlüsselbereichen wider, darunter die Stärkung nachhaltiger Beschaffungspraktiken und die Veröffentlichung des ersten Corporate Sustainability Reports.
Insbesondere mit Blick auf die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) ist die Verantwortung für nachhaltige Lieferketten keine Option mehr, sondern eine gesetzliche Verpflichtung, auch wenn die EU-Kommission jüngst eine Reduzierung von Berichtspflichten vorgeschlagen hat. Aber keine Abschaffung.
Während Einkaufsteams versuchen, sich auf diese Veränderungen einzustellen, entsteht ein weiteres Problem: die wachsende Komplexität der Regularien. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verlangt detaillierte Nachhaltigkeitsberichte, während der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) CO₂-Grenzwerte durchsetzt, die direkte finanzielle Auswirkungen haben. Wer die regulatorische Landschaft nicht genau kennt, riskiert nicht nur hohe Kosten, sondern auch rechtliche Konsequenzen.
Die Rolle von Daten und Digitalisierung
Ohne eine klare Datenstrategie wird es schwierig, geopolitische Risiken und Nachhaltigkeitsanforderungen gleichzeitig zu bewältigen. Doch häufig fehlt ein vollständiger Überblick über Lieferantenbeziehungen, insbesondere in tiefen Wertschöpfungsstufen.
Die notwendigen Informationen sind oft fragmentiert, veraltet oder gar nicht erst verfügbar. Dabei sind zuverlässige Daten der Schlüssel zu fundierten Einkaufsentscheidungen.
Ein besseres Risiko-Management ist unabdingbar. Es setzt jedoch voraus, dass Informationen über Lieferanten, regulatorische Vorgaben und geopolitische Entwicklungen kontinuierlich analysiert und in den Entscheidungsprozess integriert werden. Datenanbieter wie Ecovadis, Integritynext und Prewave ermöglichen es, ESG-Kriterien objektiv zu bewerten und problematische Lieferanten frühzeitig zu identifizieren. Doch selbst mit solchen externen Informationen bleibt die Frage, wie sich diese Daten effizient in die Beschaffungsstrategie einbinden lassen.
Stand: 08.12.2025
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Ist Künstliche Intelligenz die Antwort auf steigende Komplexität?
Angesichts der wachsenden Datenmengen und der sich ständig ändernden Rahmenbedingungen stellt sich die Frage, wie Einkaufsteams diese Herausforderungen bewältigen können. Künstliche Intelligenz (KI) wird dabei zurecht als Lösungsansatz diskutiert, da ihr Einsatz hier einen unmittelbaren und konkreten Nutzen hat: Durch den Einsatz von Machine Learning und automatisierten Analysen lassen sich Risiken frühzeitiger erkennen, Lieferketten transparenter gestalten und Alternativen besser bewerten.
Noch sind viele Unternehmen unsicher, wie KI gezielt für den Einkauf genutzt werden kann. Doch es gibt bereits spezialisierte Tools, die helfen, geopolitische Risiken, Nachhaltigkeitsanforderungen und Beschaffungsstrategien besser zu managen:
Prädiktive Analyse-Tools: Lösungen wie Prewave oder Resilinc analysieren Nachrichten, Marktdaten und Lieferketten-Ereignisse in Echtzeit, um Risiken frühzeitig zu identifizieren.
ESG- und Lieferanten-Bewertungsplattformen: Ecovadis oder Sphera nutzen KI, um Nachhaltigkeitsbewertungen und Compliance-Checks automatisiert zu erstellen. Manche Anbieter verifizieren die Daten zudem mit eigenen Analysten.
Einkaufsplattformen mit integrierten Vertrags- und Compliance-Tools: Anbieter wie Ivalua helfen dabei, Einkaufsprozesse abzuwickeln und mit regulatorischen Anforderungen zu verknüpfen.
Supply-Chain-Simulationen: KI-gestützte Systeme simulieren alternative Lieferketten und bewerten sie hinsichtlich Risiko, Kosten und Nachhaltigkeit.
Während diese Techniken bereits im Einsatz sind, bleibt die Frage, wie stark sie den Einkauf tatsächlich verändern werden. Viele Unternehmen haben bisher nur punktuelle KI-Lösungen implementiert und noch keine durchgängige Integration erreicht. Es bleibt abzuwarten, ob sich KI langfristig als zentrale Steuerungstechnologie im Einkauf etabliert oder weiterhin nur unterstützende Funktionen übernimmt.
Eine strategische Neuausrichtung ist unvermeidlich
Der IT-Einkauf steht an einem Wendepunkt. Die Kombination aus geopolitischen Unsicherheiten, stetigem regulatorischem Wandel und Nachhaltigkeitsanforderungen erfordert ein Umdenken in der Beschaffungsstrategie.
Eine resiliente Lieferkette entsteht nicht von heute auf morgen, sondern erfordert einen langfristigen strategischen Ansatz. Zuverlässige Daten, digitale Prozesse und der Einsatz neuer Technologien werden darüber entscheiden, wie widerstandsfähig die IT-Beschaffung in Zukunft ist.
*Der Autor Alex Saric ist Experte für Smart Procurement bei Ivalua und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Bereich Supply Chain Management. Er sagt: Eine strategische Neuausrichtung ist unvermeidlich. Doch die Umsetzung bleibt komplex und wirft viele neue Fragen auf.