Modular gedacht, industriell gebaut Das Rechenzentrum als Baukasten

Von Paula Breukel 5 min Lesedauer

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Leadership Data Center baut modulare Rechenzentren als vorab gefertigte Gebäudestruktur, nicht als Container-Datacenter. Im Gespräch schildert Geschäftsführer Holger Zultner, wie daraus kurze Bauzeiten, standardisierte Abläufe und ein festes Partnernetz entstehen.

Im Hintergrund wird fleißig gebaut: Das Team von Leadership Datacenter kann bereits in den ersten zweieinhalb Geschäftsjahre bedeutende Projekte vorweisen.(Bild:  Leadership Datacenter GmbH)
Im Hintergrund wird fleißig gebaut: Das Team von Leadership Datacenter kann bereits in den ersten zweieinhalb Geschäftsjahre bedeutende Projekte vorweisen.
(Bild: Leadership Datacenter GmbH)

Das Unternehmen ist noch jung. Viele Strukturen entstanden parallel zum laufenden Projektgeschäft. Für Holger Zultner steht die Frage im Vordergrund, wie sich Rechenzentren schneller, planbarer und mit weniger Schnittstellenverlusten realisieren lassen.

Wenige Wochen nach der Gründung 2023 folgte bereits der erste Vertrag. Innerhalb von zweieinhalb Jahren kamen fünf Projekte zusammen. Parallel dazu baute Leadership Data Center seine Präsenz in Deutschland aus und eröffnete eine Niederlassung in Lissabon, um den iberischen Markt gezielt einzubeziehen.

Modularität beginnt bei der Gebäudestruktur

Zultner grenzt den Begriff modular bewusst von containerisierten Rechenzentren ab. Für ihn beginnt die Modularität nicht erst bei der technischen Infrastruktur, sondern bereits beim Gebäude selbst. Er beschreibt das Prinzip als „Lego for Grown Ups“: vorab gefertigte Einheiten, die sich zu einer Rechenzentrumsstruktur zusammensetzen lassen.

Die Module erreichen die Baustelle mit einem Fertigstellungsgrad von 70 bis 80 Prozent. Sie entstehen unter kontrollierten Bedingungen in der Fabrik, weitgehend unabhängig von Witterung und den Abläufen auf der Baustelle. Arbeiten wie die Verkabelung und die Verbindung der einzelnen Module erfolgen anschließend vor Ort.

Die Module sind rund vier Meter hoch und wiegen je nach Ausbaugrad zwischen 40 und 50 Tonnen. Im fertigen Zustand unterscheidet sich das Innere nach seiner Darstellung nicht mehr von einem konventionell errichteten Gebäude. Was Leadership Data Center hier umsetzt, bezeichnet Zultner als „Industrialisierung des Rechenzentrums“.

Imdustrialisierung

Gerade dieser Punkt ist ihm wichtig. Denn der Begriff „modular“ wird inzwischen in nahezu allen Bereichen des Rechenzentrums verwendet, bis hin zu containerisierten Anlagen. Zultner versteht das Thema breiter: Für ihn umfasst Modularität die Energieversorgung, unterschiedliche Ausbaugrade einzelner Räume, die Kältetechnik und die Tragstruktur des Gebäudes. Im Verlauf des Gesprächs mit DataCenter-Insider wird deutlich, dass Leadership Data Center Modularität als durchgängiges Planungs- und Bauprinzip versteht und nicht nur als Eigenschaft einzelner Komponenten.

Wie schnell dieser Ansatz in der Praxis greifen kann, zeigt Zultner am Atlasedge Projekt „LIS001“: Leadership Data Center errichtete dort nach eigenen Angaben 9.300 Quadratmeter Rohbau in 17 Tagen. Vom Setzen des ersten Moduls bis zur Eröffnungsfeier vergingen elf Monate. Ein vergleichbares Projekt in konventioneller Bauweise würde nach Zultners Einschätzung sechs bis neun Monate länger dauern.

Hyperframe rückt die Infrastruktur um den Whitespace in den Mittelpunkt

Über den Gesprächspartner:

Holger Zultner ist Geschäftsführer und Mitgründer von Leadership Data Center. Er arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten in der Rechenzentrumsbranche und übernahm 2008 seinen ersten Managementposten bei IBM. Gemeinsam mit Stefan Lang gründete er vor rund zweieinhalb Jahren Leadership Data Center.

(Bildquelle: Leadership Data Center)

Leadership Data Center hat das Prinzip inzwischen weiterentwickelt und unter dem Namen „LDC Hyperframe“ schützen lassen. Dahinter steht ein Ansatz, der sich am Toyota Produktionssystem orientiert: Komponenten und Baugruppen werden an verschiedenen Standorten gefertigt und just in time auf die Baustelle geliefert. Den Whitespace, also den eigentlichen IT Bereich, umgibt dabei ein technischer Rahmen aus Transformatoren, Kältetechnik, Netzersatzanlagen sowie E Pod Einheiten mit unterbrechungsfreier Stromversorgung, also USV, und Batterien.

Zultner beschreibt die Entwicklung am Markt so: Früher dominierten große Whitespace Flächen bei vergleichsweise geringem Infrastrukturanteil. Heute verschiebt sich dieses Verhältnis deutlich. Gerade bei Anwendungen für Künstliche Intelligenz, also KI, steigt die Leistungsdichte pro Rack erheblich. Die aktuelle Nvidia Pod Generation liegt laut Zultner bei 125 Kilowatt pro Rack; die nächste verortet er bei 250 Kilowatt.

Zultner kennt die Rechenzentrumsbranche seit fast zwei Jahrzehnten. Einen ersten Managementposten bei IBM übernahm er 2008. Seither, so schildert er es, habe das Wachstum der Branche nicht mehr nachgelassen. Gemeinsam mit Stefan Lang gründete er vor rund zweieinhalb Jahren Leadership Data Center.

Zeitgewinn als wirtschaftlicher Hebel

Der wirtschaftliche Vorteil der modularen Bauweise liegt laut Zultner vor allem im Zeitgewinn. Nach seiner Darstellung kosten modulare Ansätze in vielen Fällen nicht grundsätzlich weniger als klassische Bauweisen mit Betonfertigteilen.

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Entscheidend sei, dass Rechenzentren deutlich früher in Betrieb gehen und damit früher Erlöse erzeugen. Daraus leitet er den wirtschaftlichen Nutzen ab. Wer Flächen Monate früher vermieten kann, kann höhere Transport und Koordinationsaufwände eher auffangen.

Das Modulprinzip erlaubt zudem schrittweise Erweiterungen. Zultner beschreibt einen Kunden, für den Leadership Data Center zunächst zwei und später zwei weitere Bauabschnitte realisiert hat, jeweils abhängig von der Vermietungssituation.

Ein Standort lässt sich nach diesem Prinzip weiter ausbauen, sofern ausreichend Netzanschlussleistung vorhanden ist. Zugleich können die Module am Ende ihres Lebenszyklus demontiert und Materialien getrennt werden.

Zultner verbindet damit zwei Argumente: einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und einen Investitionsansatz, bei dem Betreiber nicht von Beginn an die volle Kapazität finanzieren müssen.

Standardisierung reicht bis in die Projektsteuerung

Die Koordination zwischen den in der Regel zwölf bis 16 beteiligten Gewerken organisiert Leadership Data Center über das „Last Planner System“, ein Verfahren aus dem Lean Construction Management (LCM), also einer eng getakteten Bauablaufsteuerung. In wöchentlichen Planungsrunden geben alle Beteiligten verbindliche Zusagen für die nächsten sechs Wochen ab.

Ziel ist eine Erfüllungsquote von nahezu 100 Prozent. In LDC Projekten liegt sie laut Zultner bei rund 94 Prozent. Bei internationalen Großprojekten im konventionellen Bau sind es nach seinen Erfahrungen typischerweise 54 bis 58 Prozent. Ergänzend setzt das Unternehmen digitale Baustellen Werkzeuge ein, darunter Software für die Prozesssteuerung.

Leadership Data Center versteht sich als Generalübernehmer und übernimmt Planung, Projektsteuerung und Inbetriebnahme bis Level 6, also bis in den Probebetrieb hinein. Für die Ausführung arbeitet das Unternehmen mit einem festen Partnernetz zusammen.

Für jedes Gewerk setzt LDC auf zwei bis vier Alternativen, um Engpässe abzufedern. Bei der Auswahl der Komponenten bleibt das Unternehmen nach eigenen Angaben herstellerneutral.

Klare Grenze bei der Projektgröße

Leadership Data Center sieht sich ausdrücklich nicht im Hyperscaler Segment. Die Obergrenze liegt bei rund 20 Megawatt installierter IT Leistung pro Projekt. Anfragen in anderen Größenordnungen, zuletzt etwa über 220 Megawatt aus Australien, bearbeitet das Unternehmen nicht.

Innerhalb dieser Größenordnung arbeitet LDC sowohl für Co-Location Betreiber als auch für KI Infrastrukturprojekte. Neben dem Hauptsitz in Stuttgart und einem Standort in Frankfurt ist das Unternehmen inzwischen auch in Lissabon präsent. Für 2026 ist zudem eine weitere Niederlassung in Vilnius geplant.

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