Digitale Souveränität bei der Bundeswehr BWI spricht sich für gezielte Nutzung von Open Source Software aus

Redakteur: Ulrike Ostler

Die BWI GmbH, das IT-Systemhaus und der Digitalisierungspartner der Bundeswehr, setzt gezielt Open Source Software (OSS) ein. Im Vordergrund einer Entscheidung stehe dabei stets die Nutzen- und Risikoabwägung für den Kunden.

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Live-Schaltung am 31. Mai 2021: Die Bundeswehr bietet Reservistinnen und Reservisten, die zur Dienstleistung herangezogen werden, nun die Möglichkeit, zustehende finanzielle Leistungen nach dem Unterhaltssicherungsgesetz (USG) digital mit der „USG-Online“ App zu beantragen.
Live-Schaltung am 31. Mai 2021: Die Bundeswehr bietet Reservistinnen und Reservisten, die zur Dienstleistung herangezogen werden, nun die Möglichkeit, zustehende finanzielle Leistungen nach dem Unterhaltssicherungsgesetz (USG) digital mit der „USG-Online“ App zu beantragen.
(Bild: PIZ Personal)

Welches Potenzial hat OSS für öffentliche Verwaltung und Staat? Matthias Görtz, Chief Technology Officer (CTO) der BWI, bezieht Stellung: „Open Source Software (OSS) ist für uns ein essentieller Baustein in Bezug auf Wahlfreiheit und Alternative zu anderen kommerziellen Softwarelösungen”, sagt er.

Die Aussage trifft auf den Hintergrund, dass sich der Begriff der Digitalen Souveränität in aller Munde befindet. Das betreffe insbesondere die öffentliche Verwaltung: Sie sei nur dann digital handlungs- und kommunikationsfähig, wenn ihre Informationstechnik zu jeder Zeit selbstbestimmt, sicher und ohne einschränkende Einflüsse durch Wirtschaftsunternehmen oder staatsfremde Interessen genutzt werden könne, lässt BWI wissen.

Digitale Souveränität bedeute somit mehr als die Frage, ob und welche Produkte eingesetzt würden. Das oberste Ziel sei es, beim Konzipieren, Entwickeln und Betreiben digitaler Lösungen frei handeln zu können. Entscheidend dafür aber sei die Gesamt-Resilienz eines IT-Systems oder einer -Lösung. Für OSS sprächen in diesem Zusammenhang mehrere Gründe:

  • OSS ist frei zugänglich, herstellerunabhängig und kann nach Bedarf angepasst und weiterverbreitet werden. Dank Offenlegung des Quellcodes ist OSS im Vergleich zu anderen Lösungen transparent in Bezug auf die Funktionsweise – und ihre Entwicklung zumeist gut dokumentiert.
  • Regelmäßige Reviews durch die Community mit hohem Commitment gestatten es, Fehler leichter und schneller aufzuspüren und zu beheben – denn Schwachstellen sind für alle sichtbar.
  • Die Entwicklung von OSS ist nicht primär von der Bemühung getrieben, Kosten zu senken, sondern vielmehr durch Freude am Experimentieren und das Streben nach der technisch besten Lösung. Damit ist OSS ein Wegbereiter für Innovationen.
  • OSS lässt sich in großem Umfang individualisieren. Neue Funktionen, Anpassungen und Verbesserungen lassen sich schnell implementieren.

Die BWI GmbH hat bereits Erfahrungen mit OSS: Neben Systemen in den Rechenzentren wurde mit dem „BwMessenger“ eine Lösung für die Bundeswehr entwickelt, die sicheres Instant-Messaging auf dienstlichen und privaten Endgeräten ermöglicht. Die App basiert auf dem Open-Source-Protokoll „Matrix“.

Außerdem haben Bundeswehr und BWI gerade mit „USG-online“ ein weiteres innovatives Digitalisierungsprojekt realisiert: Erstmals wird dabei ein Personalprozess von der Antragstellung über das Internet bis hin zur Übermittlung und Prüfung personenbezogener Daten digitalisiert.

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UGS online

Seit dem 31. Mai 20021 lässt sich die „USG-Online“ App nutzen. Reservistinnen und Reservisten sollen damit einfach und unkompliziert Zahlungen nach dem Unterhaltssicherungsgesetz beantragen können - per Smartphone, Tablet oder PC. Damit wird erstmalig ein vollständiger Antragsprozess des Personal-Managements bei der Bundeswehr digital ermöglicht. Die Anwendung wurde vom APersBw zusammen mit der BWI GmbH innerhalb eines Jahres entwickelt.

Bei erstmaliger Anmeldung ist ein Zugangscode erforderlich, den die Reservistendienstleistenden auf dem Postweg erhalten. Begonnen wird im Saarland, bei den Personen, bei denen eine Reservistendienstleistung ansteht. Bis zum Ende des Jahres soll schrittweise allen Reservistinnen und Reservisten in Deutschland der Zugangscode zugesandt werden, sobald sie zu einer Dienstleistung herangezogen werden.

Die persönlichen Daten müssen nur einmal in die App eingegeben werden. Anschließend können notwendige Dokumente als Foto oder als PDF -Datei hochgeladen und abschließend der Antrag mit einem Klick gestellt werden.

Die besondere Herausforderung dabei: Es handelt sich um Daten der höchsten Schutzklasse, die vom privaten mobilen Endgerät bis zum Sachbearbeiter fließen, was eine technische Lösung für die End-to-end-Verschlüsselung erforderlich macht. Auch hier setzt die BWI auf OSS-Komponenten.

Sorgfältiges Abwägen bleibt unersetzlich

In der Praxis ist digitale Souveränität nicht die einzige Anforderung an die IT der öffentlichen Hand. Technische Lösungen müssen auch vom Nutzer akzeptiert werden, zukunftsfähig, resilient und nicht zuletzt bezahlbar sein. Görtz hält fest: „OSS ist sicherlich ein wirksames Instrument in Richtung digitaler Souveränität, wo immer es die bessere Lösung ist. Wirklich digital souverän ist man jedoch erst dann, wenn man in der Lage ist, die Wahl bewusst zu treffen und sie konsequent zu vertreten – inklusive der damit verbundenen Chancen und Risiken.“

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Die BWI GmbH

Die BWI GmbH ist eine hundertprozentige Bundesgesellschaft und zählt zu den Top Ten der IT-Service-Unternehmen in Deutschland.Sie unterstützt die deutschen Streitkräfte bei ihrer digitalen Transformation und betreibt weite Teile des IT-Systems der Bundeswehr. Als IT-Systemhaus der Bundeswehr und IT-Dienstleistungszentrum des Bundes legt die BWI mit ihren Leistungen wichtige Grundlagen für die IT-Infrastruktur.

In ihren Verantwortungsbereich gehört das IT-Konsolidierungs- und Modernisierungsprojekt „Herkules“, die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (DigiGesVersBw) und die Digitalisierung der landbasierten Operationsführung (DLB-O).

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