Migrationswege zu „Azure Local“und Open-Source-Plattformen Alternativen zu VMware im Rechenzentrum

Von Michael Matzer 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Seitdem VMware von Broadcom gekauft wurde, brechen Klagen der Nutzer nicht ab. VMware-Alternativen im Rechenzentrum diskutierten Vertreter von Dell und dem Security-Anbieter Comback kürzlich mit frustrierten Rechenzentrumsleitern in Stuttgart. Angebote von Dell, Nutanix, Microsoft, Red Hat sowie der Open-Source-Community erwiesen sich besonders relevant.

Comback und Dell Technologies diskutierten am 3. April 2025 in Stuttgart Alternativen zu VMware.(Bild:  Comback)
Comback und Dell Technologies diskutierten am 3. April 2025 in Stuttgart Alternativen zu VMware.
(Bild: Comback)

Der Kontakt mit Broadcom bezüglich VMware erinnert an ein Katastrophengebiet. Der Support sei kaum zu erreichen und einen Preis bekomme man erst nach einer Bestellung genannt, berichteten nach Stuttgart angereiste IT-Leiter am 3. April 2025. Da es keine Planbarkeit mehr gebe, sei auch an Investitionen nicht zu denken. Gefühlt seien 30 bis 40 Prozent der Produkte abgekündigt worden, zumindest in dem Client-orientierten VDI-Angebot (Virtual Desktop Infrastructure). Die Suche nach Alternativen zu VMware ist daher in vollem Gange.

Obwohl manche Kunden Hemmungen hätten, VMware zu verlassen, wie Eugen Schmidt von Dell EMC weiß, bieten andere Hersteller doch gangbare Alternativen an. Der Markt für „Distributed Hybrid Infrastructure“ befinde sich im Umbruch, dennoch gehöre die Kombination aus MS Azure auf Dell EMC-Hardware und Nutanix momentan zur ersten Auswahl unter den Alternativen.

Auch Linux biete mit entsprechenden Distributionen (Red Hat, Ubuntu, Suse) ausreichende Funktionen an, doch das erfordere entsprechendes Fachwissen, betont Eugen Schmidt. Mit der hyperkonvergenten Infrastruktur (HCI) „Dell VXRail“könnten vor allem KMUs etwas anfangen, um in Kombination mit dem Storage-Server „Dell PowerFlex“ ihre Umgebung zu skalieren. Aber: „Dell muss weiterhin Broadcom fragen, wenn es um VMware-Lizenzen geht“, besonders um deren Beendigung bzw. Umwandlung. Deshalb werde es in Kürze entsprechende Ankündigungen von Dell EMC geben.

Datensicherung ist weiterhin Pflicht

Eines müsse jedoch allen klar sein: „Ein System, das man nicht sichern kann, kann man auch nicht betreiben“, so Schmidt. Daher müssten stets auch Backup-Anforderungen und Lösungen berücksichtigt werden. So etwa „Proxmox Virtual Environment“, eine quelloffene Debian-Distribution mit Backup-Server, die auch in der kommerziellen Ubuntu-Distribution enthalten ist. Der Haken dabei sei der Support für Linux, welcher Enterprise-Anforderungen genügen müsse.

Welche Optionen Dell hinsichtlich Storage und Backup derzeit anbietet, zeigte David Seemann auf. Hier gebe es Novitäten wie die „AFA PowerStore Prime“ und das Mittelklasse-Speicher-Array PowerStore 3200Q“.

Der allgemeine Trend für eine Architektur weise in Richtung „Cloud-native“, also Container auf Kubernetes, mit Infrastruktur als Code. „Praktisch alle KI-Anwendungen laufen auf Kubernetes“, sagte Schmidt. Statt des bisherigen „vSANs“ biete Dell nun „VxRail Dynamic Nodes“ auf Dell PowerFlex an.

„Azure Local“ in Kooperation mit Dell

Björn Tänzer, ein Cloud Solution Architect bei Microsoft, stellte die Alternative von Microsoft in Kooperation mit Dell im HCI-Bereich vor: „Microsoft Azure Local“. Mit dem Dienst „Azure Arc“ ließen sich dabei eine adaptive Cloud-Architektur und eine hyperkonvergente Infrastruktur erstellen. Die Hypervisoren seien natürlich „HyperVM“, die Microsoft-Dienste stützen, aber die Hardware komme von Dell EMC. Angeboten werden nach Tänzers Angaben drei Lizenzmodelle: das „normale“ Azure-Abonnement, eine OEM-Lizenz (mit „Dell APEX“ für MS Azure) und eine Subscription allein für Azure Local. Deren Preis liege bei 10 Dollar pro physischem Rechenkern.

Um die Abhängigkeit von Connected Services zu beenden, gedenkt Microsoft, zusammen mit Dell günstige Edge Server mit Disconnected-Optionen auf den Markt zu bringen. Sämtliche Nodes seien für die grundlegende „Azure Local Experience“ zertifiziert. Ein „Integrated System“ werde als vorinstallierte Software geliefert, und „Premier Solutions“ sollen eine startbereite Appliance ermöglichen. Der Speicher komme von Dell in Form von Software-definiertem-Storage mit eigenem Treiber. Dell will für Azure Local also zwei Lösungen anbieten, ein Integrated System und eine APEX Cloud Platform, die auf drei Modellen laufen: „AX/MC-660“, 760 und 4000.

MS Azure Local bietet den Leistungsumfang von VMware und lässt sich auf drei Plattformen betrieben: „Premier Solutions“, „Integrated Systems“ und „Validated Nodes“. (Bild:  Microsoft)
MS Azure Local bietet den Leistungsumfang von VMware und lässt sich auf drei Plattformen betrieben: „Premier Solutions“, „Integrated Systems“ und „Validated Nodes“.
(Bild: Microsoft)

Träger versicherte, dass er an nur einem Tag 500 VMware-Systeme auf Azure Local migriert habe. Bedenken habe er lediglich hinsichtlich unbekannter Komponenten in Legacy-Systemen. Die genannten „Validated Nodes“ müssten manuell migriert werden, deshalb böten die „Integrated Systems“ von Dell und insbesondere die APEX-Variante eine bessere Alternative. Der Haken bei der Sache: Mit Azure Local sei derzeit kein Stretched Cluster realisierbar. Diese wegen Kubernetes deaktivierte Funktion soll künftig reaktiviert werden. Ein Interessent sollte sich genau anschauen, wie Windows Server 2025 unter diesen Vorgaben agiert, riet Träger.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Wohin geht die Reise?

Hans-Joachim Koch, der bei Dell EMC Deutschland für das Public Sector-Geschäft zuständig ist, zeigte die komplette Bandbreite an Betriebsmodellen auf, die sich hinsichtlich virtualisierten IT-Landschaften derzeit oder in naher Zukunft bieten. Zunächst verwies er auf das beschriebene Update des Dell HCI Angebots und erklärte, warum der „Site Recovery Manager“, den VMware derzeit anbietet, unnötig sei: Die Daten würden standardmäßig gesichert. Er warnte zudem vor Renewal-Gebühren, die bei VMware anfallen könnten.

Die Migration des VMware-System, die er empfiehlt, führt zunächst zu „Red Hat OpenShift“ auf der Dell APEX Hybrid Cloud mit Kubernetes-Unterstützung. Sofern ein Kunde jedoch über entsprechende Spezialisten mit dem nötigen Skillset verfüge, gebe es alternative Migrationsstrategien. So kämen nicht nur Dell, Azure und Proxmox infrage, sondern auch Citrix und Nutanix HCI (Full Stack). Doch Obacht: Auch dort habe man die Chance genutzt und seine Preise erhöht. Dell-Lösungen auf Nutanix seien „XC Core“ und nun auch „XC Plus“.

Wer niedrige Abo-Gebühren zahlen wolle, könne zu Anbietern für den quelloffenen OpenStack greifen. Weitere Alternativen aus der Open Source-Community seien der „Apache Cloud Stack“ sowie „Proxmox VE“ mit Debian-Linux oder Ubuntu. Der Enterprise-Support für Proxmox VE kostet allerdings 1060 Dollar pro Jahr und Sockel. So versicherte Koch: „Dell PowerFlex passt für alle.“ Dazu zählt auch das Paket aus PowerFlex mit der Nutanix Cloud Platform, das in der ersten Jahreshälfte 2025 erscheinen soll. Koch empfiehlt, vor dem Umstieg erst den Storage-Teil des Altsystems auszutauschen, dann den Hypervisor zu installieren und schließlich den restlichen Stapel, der darauf laufen soll. Man sieht: Sorgfältige Planung zahlt sich aus.

Der quelloffene Openstack bietet Alternativen für eine verteilte hyperkonvergente Infrastruktur.(Bild:  Openstack.org)
Der quelloffene Openstack bietet Alternativen für eine verteilte hyperkonvergente Infrastruktur.
(Bild: Openstack.org)

Auf eine kuriose Grundvoraussetzung sollten die Interessenten laut Koch ebenfalls achten. Die Vorgabe von VMware für die Nutzung von VxRail lautet: Es müssen mindestens 72 Rechenkerne vorliegen. Das grenze die Größe des Systems nach unten hin ein. Doch es gebe einen Nachahmer: Red Hat OpenShift habe seine Mindestanforderung ebenfalls auf mindestens 100 Rechenkerne hochgeschraubt. In einer Vergleichstabelle konnte Koch die entscheidenden Vor- und Nachteile leicht aufzeigen. Man sollte also unbedingt auch das Kleingedruckte lesen.

(ID:50387079)