Häufige Vorurteile im Faktencheck

7 auf einen Streich - Mainframe-Märchen enttarnt

| Autor / Redakteur: Thomas Keisel* / Ulrike Ostler

Ein Beitrag aus dem Hause Compuware widerlegt mit Fakten sieben Vorurteile über Mainframes.
Ein Beitrag aus dem Hause Compuware widerlegt mit Fakten sieben Vorurteile über Mainframes. (Bild: Compuware)

Der Mainframe ist teuer, ungeeignet für die Cloud und anfällig für Sicherheitsrisiken: Das sind nur einige Vorurteile gegenüber der bewährten Plattform. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Hier die Fakten zu sieben häufigen Irrtümern.

Die Meinungen zur Zukunft des Mainframes gehen stark auseinander. Doch eine Studie von Forrester Consulting zeigt:

  • 72 Prozent der Mainframe nutzenden Unternehmen sagen, dass ihre kundenorientierten Anwendungen vollständig oder stark abhängig vom Mainframe sind.
  • 64 Prozent der Mainframe-Nutzer planen, in diesem Jahr mehr als die Hälfte ihrer geschäftskritischen Workloads auf der Plattform auszuführen – 2018 waren es noch 57 Prozent.

Dennoch sagen weiterhin schlecht informierte IT-Experten das Ende des Mainframes voraus. Diese Prognose basiert aber meist auf Vorurteilen, die dem Faktencheck nicht standhalten. Hier die Beweise:

Irrtum 1: Der Mainframe ist teuer

Mehrjährige Analysen von Rubin Worldwide belegen, dass Unternehmen, die den Mainframe stärker nutzen und ihre Abhängigkeit von physischen Servern verringern, durchschnittlich rund 14 Prozent mehr Kosten einsparen als jene, die IT-Workloads hauptsächlich auf Servern ausführen. Mainframes sind für 68 Prozent der produktiven Workloads, aber nur 6 Prozent der IT-Ausgaben verantwortlich. Die durchschnittlichen IT-Warenkosten liegen um 35 Prozent niedriger als bei Server-basierten Unternehmen.

Irrtum 2: Der Mainframe funktioniert nicht mit der Cloud

Unternehmen können Mainframe und Cloud problemlos miteinander nutzen, um von den Stärken beider Plattformen zu profitieren. Die „Zwei-Plattform-IT“ bietet einen integrierten Ansatz, bei dem geschäftskritische Prozesse auf dem Mainframe und allgemeine Workloads auf XaaS-Ressourcen von Cloud-Anbietern laufen.

Dadurch werden wirtschaftliche Zwänge und die Komplexität der verteilten Server-Infrastruktur beseitigt. So können sich Unternehmen auf innovative Anwendungen konzentrieren, die Mainframe und Cloud über APIs integriert nutzen und sich plattformübergreifend mit DevOps-Tools bearbeiten lassen.

Irrtum 3: Die Ablösung des Mainframes lohnt sich langfristig

Zwar geben auch Kritiker des Mainframes zu, dass sein Ersatz durch Server-Infrastrukturen aufwändig und teuer ist. Doch eine Studie von Forrester Consulting deckt sogar noch weitere Probleme auf.

Dazu gehören unsichere Anwendungen, geringere Leistung, höhere Sicherheitsrisiken, längere Projektlaufzeiten, redundante Werkzeuge und gestiegene Komplexität. Diese häufig übersehenen oder unterschätzten Herausforderungen führen immer wieder zum Abbruch selbst großer Migrationsprojekte.

Das Motto „Never change a winning team“ gilt vor allem für eine zuverlässig laufende, leistungsfähige, moderne und bewährte Plattform. Innovative Fortschritte lassen sich viel kostengünstiger, sicherer und schneller erzielen, wenn der Mainframe als Basis bleibt und stattdessen die Kultur, die Prozesse und die damit verbundenen Tools verändert werden.

Thomas Keisel arbeitet nach Abschluss seines Studiums an der Fachhochschule in Regensburg bei Siemens in München. Danach wurde er Partner und Mitglied der Geschäftsleitung in verschiedenen Unternehmen in München, Zürich und Boston. Seit bald fünf Jahren ist er Vice President für Zentral- und Osteuropa bei Compuware Mainframe Solutions.
Thomas Keisel arbeitet nach Abschluss seines Studiums an der Fachhochschule in Regensburg bei Siemens in München. Danach wurde er Partner und Mitglied der Geschäftsleitung in verschiedenen Unternehmen in München, Zürich und Boston. Seit bald fünf Jahren ist er Vice President für Zentral- und Osteuropa bei Compuware Mainframe Solutions. (Bild: Compuware)

Irrtum 4: Der Mainframe ist anfällig für Cyber-Angriffe

Der aktuelle IBM-Mainframe „z14“ bietet ein sehr hohes Sicherheitsniveau durch eine umfassende Verschlüsselung von Daten während der Bearbeitung und Speicherung. Das einzige echte Risiko für Mainframes bildet Sabotage durch Insider. Doch der Schutz davor ist eine Frage von Unternehmenskultur und Mitarbeiter-Aufsicht, nicht der eingesetzten Hardware.

Mit modernen Cyber-Sicherheits-Tools können auch Mainframe-unerfahrene Security-Experten Insider-Bedrohungen erkennen und verhindern. Dies erhöht den Schutz auf System- und Anwendungsebene.

Irrtum 5: Cobol ist alt und daher schlecht

Natürlich entstand die Programmiersprache Cobl schon Ende der 1950er-Jahre. Doch heute wird nicht mehr ausschließlich eine jahrzehntealte Syntax verwendet. Im Gegenteil: Cobol hat sich zu einer der modernsten verfügbaren Sprachen entwickelt. IBM aktualisiert sie durch eine kontinuierliche Bereitstellung neuer Verbesserungen und Funktionen, die auf dem Feedback heutiger Mainframe-Anwender basieren.

Gleichzeitig sind Cobol-Programme äußerst zuverlässig und leistungsstark. Sie laufen zum Teil tatsächlich seit Jahrzehnten unverändert, weil IBM die Investitionen seiner Kunden ohne Abkündigung von Produkten oder erzwungenen Versionssprüngen schützt. Deshalb machen die mehr als 220 Milliarden Zeilen von Cobol, mit fünf Milliarden zusätzlich pro Jahr, den größten Teil des weltweiten Codes aus.

Der Löwenanteil der globalen Finanztransaktionen, vom Geldautomaten über die Flugplanung bis hin zum Online-Einkauf, basiert darauf. Auch die größten Unternehmen sowie Behörden von Bund, Ländern und Gemeinden verlassen sich nach wie vor auf COBOL, um ihre wichtigsten Dienstleistungen zu erbringen. Sie können nicht alle falsch liegen.

Irrtum 6: Ein Mangel an Cobol-Entwicklern ist problematisch

Die heutigen Entwickler arbeiten häufig mit einer Vielzahl von Programmiersprachen. Zwar bieten Universitäten keine Cobol-Kurse mehr an, aber es handelt sich nur um eine weitere Sprache.

Entwickler benötigen moderne DevOps-Tools, mit denen sie einfach und schnell an verschiedenen Arten von Programmen arbeiten können. Inzwischen sind solche Tools leicht verfügbar. Eine modernes Integrated Development Environmen (IDE) bietet Entwicklern eine vertraute Umgebung, in der sie auf den meisten Plattformen in fast jeder Sprache kodieren können.

Irrtum 7: Die Mainframe-Entwicklung kann nicht agil sein

Bei der Software-Entwicklung geht es heute nicht mehr darum, ob die zugrunde liegende Hardware modern genug ist. Stattdessen müssen die Kultur, Prozesse und Werkzeuge rund um die Plattform eine höhere Geschwindigkeit, Qualität und Effizienz bei der Entwicklung und Bereitstellung ermöglichen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Mainframe-Teams, die Agile/DevOps und Continuous Integration/Continuous Delivery einsetzen, ihre wichtigsten Herausforderungen in diesem Bereich meistern, indem sie Silos auflösen, iterativ arbeiten und hochwertigen Code herstellen.

Auf Basis dieser Fakten und Erkenntnisse haben der Mainframe und seine Hauptsprache Cobol weiterhin hervorragende Zukunftsaussichten. Daher sollten sich Unternehmen nicht von den Aussagen und Vorurteilen so genannter Experten verunsichern lassen und weiterhin auf die bewährte, zuverlässige und ständig aktualisierte Plattform setzen.

* Thomas Keisel ist Vice President für Zentral- und Osteuropa bei Compuware Mainframe Solutions.

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Interessanter Artikel. :-) Frage dazu: gibt es Zahlen, Daten, Fakten, Statistiken zum Irrtum 4?...  lesen
posted am 15.07.2019 um 13:15 von Unregistriert


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