Open-Source-Mobil-Umsetzungen: Tizen 3, Chromium OS und Android

Für den Smartphone- und Tabletmarkt existieren diverse quelloffene Betriebssysteme, die es engagierten Entwicklern auch privat ermöglichen sollen, Anpassungen und Portierungen auf andere Plattformen vorzunehmen. Da diese Geräte überwiegend auf ARM-Prozessorarchitekturen aufbauen, erscheint es naheliegend, diese Open-Source-OS auch auf Einplatinenrechner wie dem Raspberry Pi zu übertragen.
Mitte Februar 2016 hat die Samsung Open Source Group angekündigt, das linuxbasierte „Tizen 3.0“ erfolgreich auf das Raspberry Pi 2 umgesetzt zu haben (https://blogs.s-osg.org/tizen-rpi2-now-supporting-3d-acceleration ). Samsung hatte in der Vergangenheit bereits Smartwatches und in einigen Märkten sogar Smartphone-Modelle mit dem OS veröffentlicht.
Auf dem Raspberry Pi 2 bootet das System zuverlässig, allerdings fehlen noch einige Funktionalitäten. Zudem existiert unter Tizen noch keine standardisierte Methode, um auch Apps auf dem Einplatinenrechner zu installieren. Wer dennoch mit dem OS auf seinem Raspi experimentieren möchte, für den hält die Samsung Open Source Group auf ihrem Blog eine ausführliche Anleitung bereit.

Relativ jung, aber durchaus vielversprechend ist der Versuch, das Browser-basierte Betriebssystem „Chromium OS“ auf das Raspberry Pi zu portieren. Der erste stabile Port, Version 0.4 datiert auf Februar 2016 – inzwischen wurden bereits einige Verbesserungen vorgenommen.
Der Open-Source-Ableger von Googles hauseigenem „Chrome OS“ lässt sich mit einem Google-Konto verknüpfen. Daten, die in einem „Google-Drive“-Account in der Cloud abgelegt wurden, lassen sich so nahtlos auf dem Einplatinenrechner weiternutzen, so dass man etwa „Google-Docs“-Dokumente gleich weiterbearbeiten kann.
Der „RasPi“ könnte somit, wenn der Port ausgereift ist, eine preiswerte Alternative zum Chromebook abgeben. Aktuell ist die Umsetzung noch etwas hakelig: Vor allem die Video-Beschleunigung, aber auch die generelle Performance muss noch verbessert werden, zudem werden WLAN-Dongles und manche Monitor-Typen noch nicht unterstützt. Wenn diese Schwachstellen allerdings ausgemerzt sind, könnte Chromium allerdings durchaus eine interessante Betriebssystem-Alternative für das Raspberry Pi werden.
Ebenso gibt es verschiedene Bemühungen, das Smartphone- und Tablet-Betriebssystem „Android“ auf Raspberry Pi zu portieren. Das Community-Projekt „Razdroid“ hatte verschiedene Versuche mit diversen Android-Versionen gestartet, die wegen mangelnder Hardwarebeschleunigung aber nicht flüssig und fehlerfrei auf dem Minicomputer laufen. So existieren schon seit längerem beispielsweise langsame und instabile Portierungen von Android 2.3 („Gingerbread“), „Android 4.0 („Ice Cream Sandwich“) “ und Android 4.4.2 („KitKat“).
Deutlich besser läuft dagegen das „RaspAnd“-Projekt von Linux-Entwickler Arne Exton. Von ihm stammt ein stabiler Android 5.1 („Lollipop“) Build, der sowohl auf Raspberry-Pi-2- als auch Raspberry-Pi-3-Modellen stabil läuft. Bei letzterer Plattform ist allerdings noch mit einigen Einschränkungen zu rechnen. Über den Aptoide App Manager können einige Android-Anwendungen auf dem Rasperry-Pi-System installiert werden.
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