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Energie-Effizienz im Rechenzentrum - eine Frage des Messens Wer nur auf die PUE schaut, der verliert

| Autor / Redakteur: Mike Jansma / Ulrike Ostler

Die Energie- und die IT-Branche haben eines gemeinsam: Sie sind Wachstumsbrachen. RZ-Betreiber müssen aber sowohl mit steigenden Energiekosten als auch exponentiell wachsenden Ansprüchen an die IT fertig werden. Viele sind der Meinung, dass sie das bereits tun. Aber sie orientieren sich an falschen Messgrößen. Google, Amazon und eBay machen das anders.

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Sei kein Frosch! Energie-Effizienz erhält keiner, indem er ängstlich nur auf den PUE-Wert starrt.
Sei kein Frosch! Energie-Effizienz erhält keiner, indem er ängstlich nur auf den PUE-Wert starrt.
(Bild: Julien Trompeur/Fernando Madeira/Fotolia.com)

Wer in Zeiten wachsender IT-Anforderungen sein Rechenzentrum auf Effizienz trimmen will, der wird die eigenen Anstrengungen beim Energiesparen auch an seine Kunden weitergeben und damit zugleich deren Energiebilanz aufwerten. Genauso wie das Rechenzentrum selbst gerne alle Messgrößen nutzen wird, um sich von Wettbewerbern abzuheben.

In der Branche findet dabei der PUE-Wert (PUE = Power Usage Effectiviness) die größte Beachtung. Er wurde 2007 von der „Green Grid Initiative“ eingeführt und berechnet sich als Quotient aus dem gesamten Stromverbrauch in der Anlage und dem Stromverbrauch des IT-Equipments.

Natürlich ist PUE ein nützlicher Indikator, doch sollte sie nie isoliert betrachtet werden, wenn es um den gesamten Energieverbrauch eines Rechenzentrums geht. Die PUE unterliegt abhängig vom Zeitpunkt der Messung starken Schwankungen. Und vor allem berücksichtigt sie keine Verbesserung bei der Energie-Effizienz, die zwar insgesamt den Verbrauch senken, die PUE jedoch gleichzeitig ansteigen lässt.

Die Gefahr für Fehlinterpretationen

Leider glauben immer noch zu viele Betreiber von Rechenzentren, die PUE sei das Maß aller Dinge. Sie ist aber nur zusammen mit anderen Größen wirklich aussagekräftig.

Hier ein Beispiel: Ein Rechenzentrum verfügt über 1.000 Server, von denen allerdings nur 100 aktiv sind, die anderen sind im Leerlaufbetrieb. Zur Steigerung der Energie-Effizienz werden nun 900 ungenutzte Server abgeschaltet. Zweifellos wird das die Energiekosten senken, gleichzeitig würde jedoch der PUE-Wert ziemlich steigen, da nun der Nenner in der Berechnungsformel, also der Stromverbrauch der verbliebenen 100 Server, viel stärker abnimmt als der Zähler.

Aktuelle Studien von McKinsey & Co sowie Gartner Research zeigen, dass lediglich sechs bis zwölf Prozent der in Rechenzentren verbrauchten Energie auf die tatsächlich arbeitenden Server entfallen. Das heißt, aus Furcht vor unvorhersehbaren Ausfallzeiten wird Strom vor allem von den Servern verbraucht, die im Leerlauf sind. Diese Rechenzentren haben vielleicht einen guten PUE-Wert, doch ist eine solche Energieverschwendung heute nicht mehr gerechtfertigt und auch nicht wettbewerbsförderlich.

Mögliche Einsparungen an Energie und Kosten werden noch viel zu sehr vom PUE-Wert beherrscht. Die Branche fixiert diesen Wert so stark, dass andere Ansätze kaum eine Chance bekommen.

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