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Angebot und Nachfrage regelt den Preis. Inwieweit gilt dieses Prinzip auch für die Entlohnung von IT-Fachkräften mit Spezial-Know-how, beispielsweise in Sachen Cobol?
Nikolaus Reuter: Angebot und Nachfrage regeln immer den Preis, es sei denn, es gibt Eingriffe wie Subventionen – die haben wir in unserem Bereich zum Glück nicht. Cobol allein bringt einen IT-Freelancer nicht wirklich weit.
Wenn der Cobol-Experte sich aber Spezialbranchenwissen im Versicherungs- und Bankenumfeld angeeignet hat, zum Beispiel in einem ganz speziellen Bereich wie Lebensversicherungen – dafür sind Kunden bereit, sehr hohe Stundensätze zu bezahlen. Klare Fokussierung und Spezialisierung lohnen sich also in jedem Fall.
Was kostet IT-Freiberufler und suchende Unternehmen Ihr Vermittlungs-Service?
Nikolaus Reuter: Für die IT-Freiberufler ist unser Service frei. Wir erheben keine Gebühr für den Online-Zugang. Wir gehen gegenüber den Freelancern und Kunden mit dem ganzen Vertriebs- und Rekrutierungsaufwand in Vorkasse. Denn wir verdienen erst dann, wenn der Erfolgsfall eintritt – der Kunde also ein Engagement eingehen möchte.
Am Ende zahlt der Kunde unseren Obolus. Für Großkunden haben wir Konditionen ab zehn Prozent – immer verbunden mit Open-Book. Wenn der Kunde besondere Wünsche beispielsweise hinsichtlich der Abwicklung oder der Zahlungsziele hat, kann es hiervon leichte Abweichungen geben.
In Ihrer Branche zählen die Hays AG und GULP zu den großen Anbietern und bei Internet-Marktplätzen führt Größe in der Regel zu weiterem Wachstum, weil Kunden gerne auf einen möglichst großen Anbieter setzen. Man könnte sagen: Je größer der Marktplatz, desto leichter finden Angebot und Nachfrage zusammen. Wie stellt sich Etengo dieser Herausforderung?
Nikolaus Reuter: Größe ist weder Selbstzweck noch Erfolgsgarant. Wir setzen bewusst auf ein anderes Modell, nämlich einen kleinen, feinen Pool an erprobten IT-Freiberuflern. Schiere Größe – das bedeutet bei einem gegebenen Markt, dass sich die Angebote auf mehr Freelancer verteilen.
Außerdem erzeugt ein kleiner Pool, der besser gepflegt und aktueller ist und nur wenige "Karteileichen" enthält, deutlich weniger Kosten bei der Rekrutierung. Genau das ist bei Etengo der Fall – und diese Kostenersparnis geben wir an unsere Kunden weiter und bieten unsere Vermittlungsleistung zu enorm attraktiven Konditionen an.
Wachstum, Wachstum, Wachstum ist also kein Etengo-Motto?
Nikolaus Reuter: Größe führt immer auch zu Komplexität und damit zu höheren Kosten. Das kann also keine Maxime für Etengo sein. Unser Pool hat 32.000 IT-Freelancer und diese Zahl ist seit unserer Gründung relativ stabil geblieben. Das bedeutet aber auch, dass wir von den rund 70.000 IT-Freelancern in Deutschland die Hälfte kennen.
Und wir wollen ja auch gar nicht mit jedem IT-Freelancer zusammenarbeiten, wir wollen Qualität liefern. Im Übrigen ist für mich GULP kein dominierender Anbieter, auch wenn das Unternehmen einen sehr guten Platz innerhalb der Top 10 belegt.
Ein dominierender Anbieter ist die Hays AG. Sie ist mit großem Abstand die Nummer eins, danach kommt erst mal lange nichts. Zwischen Hays und dem Unternehmen auf Platz zwei liegen viele Millionen Euro Umsatz. Dominanz ist ja aber aus der Brille der Kunden und Freelancer nicht zwangsläufig vorteilhaft.
Der Autor:
Dr. Stefan Riedl ist Redakteur bei der DataCenter-Insider-Schwesterpublikation IT-Business.
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