Projektdienstleister Etengo vermittelt IT-Freiberufler

Was sie schon immer über IT-Freelancer wissen wollten

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Für die Betroffenen kann es jedenfalls kompliziert werden, insbesondere wenn noch keine Erfahrungen vorhanden sind, beispielsweise weil der Schritt in das „Freelancertum“ gerade erst gewagt wird. Was raten Sie den Betroffenen für die Gründungsphase?

Nikolaus Reuter: Ich empfehle jedem Freelancer, in der Gründungsphase – also vor dem Start des ersten Projekts – Rat beim Steuerberater einzuholen und das Feld sauber für die Ernte vorzubereiten. Freelancer sind eben keine Bürokraten, sondern haben meist diese Macher-Mentalität. Das ist gut so, aber manchmal kann es dann schon vorkommen, dass sie zum Projektstart beispielsweise feststellen: „Huch, die Etengo braucht ja eine Umsatzsteuer-ID – die muss ich noch beantragen.“

Wer auch sehr gut helfen kann, sind die einschlägigen Verbände – zum Beispiel der Berufsverband Selbständige in der Informatik oder die Gesellschaft für Informatik. Die haben exzellentes Informationsmaterial und bieten meines Wissens nach auch Einsteigerseminare an. Als Freelancer kann man schon einiges falsch machen. Denn am Ende des Tages ist er für die Finanzämter ein normaler Unternehmer, der gewissen Pflichten unterliegt. Buchhaltung, Anmeldung der selbständigen Tätigkeit beim Finanzamt, Umsatzsteuervoranmeldung – um nur ein paar Dinge zu nennen.

Dass immer häufiger auf IT-Freiberufler über Projekt-Portale zugegriffen wird, interpretieren die Marktforscher von Lünendonk als Beleg für den IT-Fachkräftemangel. Allerdings kann man in den Zahlen auch einen Beleg dafür sehen, dass die Fachkräfte zwar da sind, aber häufiger als Freiberufler arbeiten (müssen). Der Grund könnte sein, dass Firmen verstärkt dazu neigen, unternehmerisches Risiko und Sozialkosten über die Freiberufler auszulagern. Welchen Standpunkt nehmen Sie ein?

Nikolaus Reuter: Wie gesagt, die meisten unserer Kunden würden auch gerne IT-Experten fest anstellen. Aber selbst dann würden sie auch weiterhin auf Freelancer zurückgreifen müssen. Das hat damit zu tun, dass das IT-Know-how immer spezifischer wird.

Kein Unternehmen kann angesichts der Vielfalt und der rasanten Entwicklung der IT-Disziplinen das Fach- und Expertenwissen permanent vorhalten. Die Unternehmen brauchen beides. Deshalb würde ich sagen: In Deutschland muss niemand als IT-Freiberufler arbeiten. Mag sein, dass manche Paketdienste ihre Subunternehmer zwingen, sich als Ein-Mann-Unternehmen darzustellen, obwohl sie de facto Angestellte sind.

Aber das ist eine ganz andere Diskussion. In der IT möchten viele Experten als Freiberufler arbeiten, weil sie die Freiheit genießen, selbst zu entscheiden, welche Projekte sie übernehmen und in welche Richtung sie ihr Profil schärfen. Übrigens gehören viele IT-Freiberufler definitiv zu den Spitzenverdienern und Spitzensteuerzahlern. Eine Sozialdumping-Diskussion ginge hier an der Realität vorbei.

weiter mit: Zum Vorwurf des ausgelagerten unternehmerischen Risikos.

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