Projektdienstleister Etengo vermittelt IT-Freiberufler

Was sie schon immer über IT-Freelancer wissen wollten

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Nikolaus Reuter, Vorstandsvorsitzender der Etengo AG
Nikolaus Reuter, Vorstandsvorsitzender der Etengo AG

Der traurige Fachkräftemangel hat einen gutgelaunten Gegenpol: den Arbeitsmarkt für IT-Freelancer. Die Etengo AG zählt zu den Unternehmen, die hier Angebot und Nachfrage zusammen bringen. Nikolaus Reuter, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, verriet teilweise Überraschendes aus dieser Boom-Branche.

Ihre Projekt-Plattform für IT-Freiberufler ist umsatzmäßig vom Jahr 2009 auf das Jahr 2010 um 540 Prozent gewachsen. Sie scheinen mit Ihrem Webangebot regelrecht offene Türen einzurennen, oder?

Nikolaus Reuter: Offene Türen einrennen trifft es eigentlich recht gut. Etengo versteht sich aber nicht als Projekt-Plattform oder reines Portal. Wir sind ein spezialisierter Personaldienstleister, das heißt, wir vermarkten die Fähigkeiten der freiberuflichen IT-Experten aktiv. Unsere Webseite ist für uns nur ein Mittel zum Zweck, aber mitnichten das Geschäftsmodell.

Um die hohe Wachstumsrate richtig einzuordnen: Etengo wurde erst 2008 gegründet und so hohe Steigerungsraten sind in erster Linie dem statistischen Effekt geschuldet, der mit der geringen Umsatzbasis zum Unternehmensstart zu tun hat…

Nikolaus Reuter: Richtig, das ist ein Basiseffekt. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Etengo seit drei Jahren in Folge sehr, sehr stark und – darauf kommt es an – weit überproportional wächst. Mit geschätzten 24 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2011 nehmen wir inzwischen einen guten Platz unter den Top 20 Vermittlungsunternehmen ein – das zeigt, dass hinter den Wachstumszahlen eine echte Erfolgsstory steckt.

Wie würden Sie die Anfangszeit des Unternehmens beschreiben, die zur gerade auslaufenden Wirtschaftskrise war?

Nikolaus Reuter: Etengos Anfangszeit im Jahr 2009 kann man ohne Übertreibung als „wild“ bezeichnen. Wir mussten uns hart in den Markt reinarbeiten. Jeder, der uns beobachtet hat, weiß, dass wir zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt in den Markt eingetreten sind: mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland.

Wir hatten also nachvollziehbare Anlaufschwierigkeiten, haben aber damals schon festgestellt, dass wir bei den Unternehmen auf offene Ohren stoßen. Rückblickend hatte diese Zeit durchaus positive Seiten. Es fiel es uns sehr leicht, Freelancer für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Das Projektangebot war damals deutlich zurückgegangen, so dass sie großes Interesse hatten, ihr Know-how optimal zu vermarkten, um keine Projektleerläufe zu haben.

Wie würden Sie die Marktplätze und Anbieter in Ihrer Branche einteilen – die Leistungsumfänge unterscheiden sich ja teilweise erheblich?

Nikolaus Reuter: Ich würde sie in Plattformanbieter und Personaldienstleister einteilen. Ein Plattform-Anbieter stellt eine Web-Präsenz zur Verfügung, wo ein Freelancer – in der Regel anonym – ein Profil anlegen und seine Fähigkeiten eintragen kann und wo Kunden von sich aus selbst nach geeigneten Experten suchen. Sprich: Angebot und Nachfrage finden ohne aktives Zutun einer dritten Partei zusammen – mit allen Konsequenzen.

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Die beiden Parteien müssen also die Vertragsabwicklung, die Rechnungsabwicklung und auch sehr komplexe Fragen zu Haftung, Eigentumsrechten, Nutzungsrechten, Urheberrechten und Datenschutz unter sich ausmachen. Sich um diese Fragen zu kümmern, ist aber für einen spezialisierten Personaldienstleister wie Etengo tägliches Geschäft.

Als Plattform-Anbieter sehe ich Projektwerk, Freelancermap und Twago. Im Gegensatz dazu ist beispielsweise GULP keine Plattform. Die Firma GULP vermarktet ihre Freelancer ebenfalls aktiv. Sie hat noch aus alten Zeiten einen "Selbstsuchzugang" für Kunden. Das macht – soweit ich das beurteilen kann – heute aber nur noch einen geringen Prozentsatz des Geschäfts von GULP aus.

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