Linux auf verschiedenen Ebenen

Was ist ein Linux-Derivat?

| Autor / Redakteur: Otto Geißler / Ulrike Ostler

Ubuntu ist ein auf Debian basierendes Derivat mit einem verstärkten Fokus auf die Benutzerfreundlichkeit.
Ubuntu ist ein auf Debian basierendes Derivat mit einem verstärkten Fokus auf die Benutzerfreundlichkeit. (Bild: © djama - stock.adob.com)

Ein Linux-Derivat (Ableitung, Abspaltung) oder auch ein Fork wird in der Linux-Entwicklung als ein Entwicklungszweig nach der Splittung eines Projektes in zwei oder mehrere Folgeprojekte bezeichnet. Das heißt: die Quelltexte oder Teile des Programms werden davon unabhängig vom ursprünglichen Ausgangsprojekt weiterentwickelt.

Will man Linux-Derivate näher beleuchten, so muss erst die übergeordnete Ebene einer Linux-Distribution erläutert werden. Da Linux an sich nur aus einem Kernel besteht, ist dazu immer ein Paket mit aufeinander abgestimmter Software um den Linux-Kernel zusammenzustellen. Neben dem zentralen Element des Linux-Kernels umfassen solche Pakete verschiedene Systemprogramme und Bibliotheken. Je nach Anwendungszweck werden verschiedene Anwendungsprogramme wie zum Beispiel Webbrowser, Office-Anwendungen, Zeichenprogramme oder Mediaplayer hinzugefügt.

Begriffliche Abgrenzung

Solche Zusammenstellungen nennt man in der Linux-Welt Dispositionen oder kurz: Distros. Nahezu jede Distribution ist um eine Paketverwaltung herum zusammengestellt. Das bedeutet, alle Elemente der Installation stehen als Pakete bereit und lassen sich über einen Paketmanager installieren, deinstallieren und aktualisieren.

Damit ist beispielsweise „Debian“ eine Zusammenstellung von einzelnen Software-Bestandteilen, die von einem Distributor vorgenommen werden. Denn Distributionen, die auf freier Software aufbauen, dürfen ganz offiziell bis auf geschützte Markenzeichen, Logos und Ähnliches kopiert, verändert und wieder verteilt werden.

Somit tauchen Derivate überwiegend in freien Software-Projekten auf. Aber auch bei Closed-Source-Projekten können Derivate entwickelt werden, sofern mehrere Firmen zusammenarbeiten und sich die neuen Rechte an dem Produkt teilen.

Zum Beispiel ist „Ubuntu“ ein Derivat der Debian-Distribution. Wobei der Distributor dafür das Rad nicht unbedingt neu erfand, sondern viel von Debian übernahm und auf die entsprechenden Anwendungen hin ausgerichtet hat. „Mint“ wiederum ist ein Derivat von Ubuntu und ist es daher auch in gewisser Weise von Debian. Jedoch sind die drei keine Derivate von Unix. Echte Derivate von Unix sind zum Beispiel „AIX“ und „BSD“. Linux ist im Prinzip bestenfalls „unixartig“, weil es sich nur so ähnlich wie Unix verhält.

Debian als Derivat-Vorlage

Die GNU/Linux-Distribution Debian existiert bereits seit 1993, ist für eine große Anzahl von Hardware-Plattformen verfügbar und gehört zu den ältesten Linux-Softwarepaketen. Die Distribution steht in drei Varianten zur Verfügung: „Debian Stable“, „Debian Testing“ und „Debian Unstable“. Zudem gibt es die Variante „Experimental“, die allerdings keine vollständige Paketauswahl anbietet und daher keine eigenständige Variante darstellt.

Debian wird von einer Community von rund 2.000 Entwicklern und einer großen Anzahl engagierter Anwender fortlaufend ausgebaut. Da sie auf eine sehr hohe Stabilität setzt, zählt sie zu einer sehr beliebten Linux-Distribution. Aus diesen Gründen basiert eine große Anzahl von Derivaten auf Debian - wie zum Beispiel Ubuntu.

Was sind Ubuntu-Derivate?

Die meisten Pakete der Ubuntu-Entwicklungsversion werden fortlaufend mit denen der Debian Unstable Distribution synchronisiert. Alle sechs Monate wird eine neue Ubuntu-Version veröffentlicht. Daher enthält Ubuntu immer die neusten Programme beziehungsweise Linux-Kernel mit Treibern für aktuelle Hardware.

Für Ubuntu ist „GNOME“ als graphische Umgebung im Einsatz. Des Weiteren gibt es weitere Unterprojekte – sprich wiederum Derivate von Ubuntu - wie zum Beispiel „Kubuntu“.

Somit existieren von Ubuntu verschiedene Varianten. Hierbei handelt es sich zwar um ein und dieselbe Distribution - jedoch mit unterschiedlicher Präsenz. Das heißt, diese Derivate beinhalten verschiedene Benutzeroberflächen. Hier variiert der entsprechende Displaymanager und es sind unterschiedliche Standard-Programme vorinstalliert, doch als Basis läuft stets Ubuntu.

Zu den Ubuntu-Derivaten gehören unter anderem: Kubuntu (KDE-Software-Compilation), „Xubuntu“ (Xfce), „Lubuntu“ (LXDE), Ubuntu GNOME (GNOME Shell), „Ubuntu Budgie“ (Budgie) und „Ubuntu MATE“ (MATE).

Was sind inoffizielle Ubuntu-Derivate?

Inoffizielle Ubuntu-Derivate sind Variationen von Ubuntu, die von Dritten mit unterschiedlichen Zielsetzungen zusammengestellt werden. Manche Entwickler wollten eine vollständige und eigenständige Distribution auf Basis von Ubuntu wie zum Beispiel mit Linux-Mint erstellen. Andere passten Ubuntu für eine ganz bestimmte Anwendung an.

Das könnten zum Beispiel „Ubuntu Media Center“-Derivate sein, die Software wie zum Beispiel „MythTV“ enthalten, und Linux in ein Media Center verwandeln. Wie auch immer: Alle diese Entwicklungen werden nicht offiziell unterstützt oder haben sogar kaum mehr was mit Ubuntu zu tun. Trotzdem bilden die offiziellen Paketquellen immer noch die Basis dieser Derivate.

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