Einklinken von Anwendungen

Was ist ein Enterprise Service Bus (ESB)?

| Autor / Redakteur: Otto Geißler / Ulrike Ostler

Der ESB ist für die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen und Diensten zuständig, ohne dabei selbst Logik abzubilden.
Der ESB ist für die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen und Diensten zuständig, ohne dabei selbst Logik abzubilden. (Bild: © djama - stock.adob.com)

Mit Enterprise Service Bus (ESB) bezeichnet man eine Netzwerkarchitektur für Middleware, die Anwendungen für komplexere Architekturen zur Verfügung stellt und so die Integration verteilter Services in einer Anwendungslandschaft eines Unternehmens ermöglicht.

Im Grunde kann man sich einen Enterprise Service Bus als eine Art Mechanik vorstellen, die den Zugriff auf Anwendungen und Systeme verwaltet. Für den Enduser präsentiert sich ein ESB lediglich über eine einfache Schnittstelle als ein web- oder formularbasierter Client-seitiger Frontend.

Der ESB unterstützt wie eine Middleware folgende Funktionen für verteilte Backend-Anwendungen: Komplexität kaschieren, Vereinfachung des Zugangs und für Entwickler generische Abfragen, Zugriffe sowie Interaktionen erlauben. Ein Enterprise Service Bus umfasst vor allem auch die Funktionalitäten, um eine serviceorientierte Architektur (SOA) zu etablieren.

Was ist nun ein ESB?

Der IT-Terminus ESB wurde durch das von David A. Chappel im Jahre 2004 veröffentlichte Buch „Enterprise Service Bus: Theory in Practice“ einem größeren Publikum bekannt. Chappel schreibt darin, dass er den Begriff aus einer Gartner-Analyse von 2002 entnahm. Will man den Begriff ESB enger fassen, so kristallisieren sich gleich drei verschiedene Erläuterungen heraus: ein Architekturstil, eine Art Softwareprodukt und eine konkrete Instanz in einer Organisation.

Dafür muss man sich die drei Buchstaben der Abkürzung von ESB etwas näher ansehen. E steht für Unternehmen (Enterprise) und verweist auf die Software im Unternehmen als Einheit. Im Gegensatz zur Software für Buchhaltung beispielsweise. Das S steht für Service (Dienst) und bedeutet, dass die Softwarelösungen der verschiedenen Abteilungen sich gegenseitig Dienste zur Verfügung stellen.

Und der dritte Buchstabe B steht für Bus. Licht ins Dunkle bringt die lateinische Übersetzung von Bus: für alle. Das heißt, idealerweise sollten alle IT-Lösungen eines Unternehmens mit dem ESB verbunden sein.

Zur Klärung des Begriffs tragen auch Analogien aus der Elektrotechnik bei. Als Daten- oder Energieverteilungsbus werden hier mehrere Verbraucher und Anbieter auf einen gemeinsamen Bus geschaltet. Das bedeutet, bei einem Enterprise Service Bus kommunizieren unterschiedliche Dienste und Systeme nie direkt miteinander, sondern alle Interaktionen müssen über den Bus laufen.

Einsatzbereiche und Nutzen

Ein Enterprise Service Bus empfiehlt sich, wenn eine größere Anzahl von eigenständigen Diensten für einen übergeordneten Einsatz integriert werden soll. Im Gegensatz zum Verweis auf die Entität eines Unternehmens kann ein ESB auch in einem enger gefassten Kontext wie zum Beispiel einem Unternehmensbereich oder einer Abteilung implementiert werden.

Trotzdem sollte ein ESB nicht als eine Infrastruktur verstanden werden, die Prozesse quasi per Kabel miteinander verbindet. Ganz im Gegenteil: Es geht vielmehr um die Findung von übergreifenden Integrationsanwendungen zur Bewältigung von lokalen Problemstellungen.

Daher kann das Konzept des ESB in allen Organisationen zum Einsatz kommen, wo die Unternehmensprozesse hochgradig durch IT unterstützt werden. Zum Beispiel wie in der Telekommunikations-, Finanz- und Versicherungsbranche sowie in der Industrie und öffentlichen Verwaltung.

Da ein ESB für sich alleine keinen Nutzen generiert, ist er immer nur ein Mittel zum Zweck, indem er dazu beiträgt, eine Service-Landschaft agiler und vor allem kosteneffektiver zu gestalten. Zum Beispiel wenn isolierte Services schneller und mit geringerem Aufwand integriert oder an veränderte Anforderungen angepasst werden sollen.

Darüber hinaus entsteht eine Differenzierung zwischen der Geschäfts- und Integrationslogik, die Komplexität reduziert und Systeme leichter beherrschbar macht. Das ESB-Konzept basiert auf einem modularen, verteilten Aufbau und ist aus diesem Grunde in den verschiedensten Konfigurationen und Szenarien sinnvoll einsetzbar. Der Markt bietet ESB-Produkte mit bereits vorgefertigten Bausteinen wie Routing- und Transformationsdienste an.

Kritische Anmerkungen

Ein Enterprise Service Bus stellt kein neues Konzept dar und weist gegenüber den Integration Brokern, die seit den 1990er Jahren verbreitet wurden, eine große Ähnlichkeit auf. Für einige Experten handele es sich beim Begriff ESB um eine der vielen Modeerscheinungen in der IT-Branche, der letztlich viel zu unscharf geblieben ist.

Daher eignet sich das Konzept des ESB auch kaum als Kategorie für Softwareprodukte. Der Erfolg von ESB ist letztlich der Tatsache geschuldet, dass sich der Name als Marketingbegriff leicht einprägen lässt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Art und Weise wie Unternehmen das Konzept implementieren. Hierbei laufen manche Unternehmen Gefahr, überdimensionierte und viel zu generische Infrastrukturen zu etablieren, denen keine entsprechenden Geschäftsbedürfnisse gegenüberstehen.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45401454 / Definitionen)