Schweiz: Nachhaltigkeitszertifikat für Datacenter

Verband SDEA forciert Rechenzentren mit weniger Kohlendioxid-Ausstoß

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Die neue Organisation SDEA entwickelt für die Schweiz en neues Umwelt-Zertifikat für Rechenzentren
Die neue Organisation SDEA entwickelt für die Schweiz en neues Umwelt-Zertifikat für Rechenzentren (Bild: gemeinfrei Pixabay / Pixabay)

Hierzulande gibt es den Blauen Engel, mit begrenztem Erfolg. In der Schweiz möchte nun eine neue Initiative dafür sorgen, dass Rechenzentren nicht zum Hindernis für eine nachhaltige IT werden. Der frisch gegründete Verband SDEA (Swiss Datacenter Efficiency Association) hat dazu ein eigenes Label entwickelt.

Nachhaltigkeit und Klimawandel waren in diesem Jahr Kernthemen des Weltwirtschaftsgipfels in Davos. Das Gastgeberland der Veranstaltung, die in diesem Jahr zum 20. Mal stattfand, hatte sich eine passende Initiative ausgedacht: In Davor wurde die Gründung der SDEA (Swiss Datacenter Efficiency Association) bekannt gegeben. Die Vereinigung, deren Website derzeit noch recht rudimentär ist, will ein Datacenter Efficiency Label in den Graden Gold, Silber und Bronze vergeben.

Zu den Initiatoren des Verbandes gehören der schweizerische Industrieverband Digitalswitzerland und HPE, wo man seit geraumer Zeit größere Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit unternimmt. So war auf der Fujitsu-Tagung im Spätherbst in München von HPE-Vertretern zu erfahren, dass der Hersteller seine Hardware mittlerweile zu 90 Prozent zurücknimmt. Ein Gutteil geht dann in eine zweite Nutzungsphase.

Unter den Gründungsmitgliedern sind auch die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, Green IT Switzerland und die Hochschule Luzern, der schweizerische Rechenzentrumsverband Vigiswiss und der schweizerische TK-Verband ASUT.

Bereits zehn Pilotrechenzentren

Wie HPE in einer Pressemeldung vom 23. Januar schreibt, haben bereits zehn Schweizer Datacenter renommierter Markenfirmen zur Zertifizierung befähigende Technologien im Rahmen von Pilotprojekten implementiert und dadurch Energie-Einsparungen von bis zu 70 Prozent erzielt.

Das ist bemerkenswert, da Energie-Einsparungen lediglich durch die Absenkung des PUE-Wertes (Power Usage Effectiveness, Verhältnis von Rechenenergie zu Kühlenergie) heute bei neuen Rechenzentren schon nahe 1 liegen und daher nicht mehr viel Potential haben.

Schweizer Datacenter brauchen 2,8 Prozent des Stroms

In der Schweiz verbrauchten Rechenzentren schon 2015 rund 2,8 Prozent des gesamten in der Schweiz genutzten Stroms. Der Kanton Genf will nun die wichtigsten Anforderungen des neuen Labels rechtlich kodifizieren und zur Grundlage des Baus neuer Rechenzentren machen. Das neue Label soll auch der Europäischen Kommission und den Vereinten Nationen präsentiert werden.

Das SDEA-Zertifikat für die Nachhaltigkeit von RZs soll es in drei Stufen (Gold, Silber, Bronze) geben
Das SDEA-Zertifikat für die Nachhaltigkeit von RZs soll es in drei Stufen (Gold, Silber, Bronze) geben (Bild: SDEA)

Ziel der neuen Initiative ist es, nicht mehr nur isolierte Aspekte der Datacenter-Effizienz zu erfassen, sondern ein Gesamtbild zu gewinnen und zu bewerten. Dazu gehören Kriterien aus drei Bereichen: der Gesamtenergiefluss des Rechenzentrums einschließlich Abwärmenutzung, Energie-effiziente IT-Systeme und ein Energie-effizienter Einsatz der entsprechenden Systeme.

Bonus für Ökomaßnahmen

Wer zusätzliche Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt, die den Kohlendioxidausstoß senken, etwa durch möglichst ökologischen Transport der Mitarbeiter zum und vom Arbeitsplatz, kann zusätzlich zum jeweiligen Zertifizierungslevel die Bewertung „+“ erhalten.

Die SDEA, die die Bewerber auf Konformität zu den Kriterien prüfen wird, plant, sie ständig zu aktualisieren. Denn auch die Technologie entwickelt sich kontinuierlich weite. Zum Beispiel sollen Edge-Systeme in die Bewertung eingebunden werden, die laut Gartner schon 2025 rund 75 Prozent aller Daten erzeugen werden.

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