Leanix SAP S/4HANA Survey 2021 Überraschung: Das Potenzial von Enterprise Architekten bleibt ungenutzt

Redakteur: Ulrike Ostler

Für die ERP-Kunden von SAP geht es nicht darum, ob sie auf „S/4HANA“ migrieren – sondern wann und wie. Die Herausforderung, die am häufigsten genannt wird, ist zu 80 Prozent die Identifizierung von Abhängigkeiten der komplexen ERP-Landschaft im Unternehmen. Eigentlich kennen Enterprise Architekten sich hier aus, aber ihre Expertise bleibt brach liegen.

Nur knapp die Hälfte der Enterprise Architekten empfindet ihr Involvement in die „SAP S/4HANA“-Transformation als ausreichend. Ein gutes Drittel bezeichnet es als „zu niedrig“ beziehungsweise „viel zu niedrig“. N = 47
Nur knapp die Hälfte der Enterprise Architekten empfindet ihr Involvement in die „SAP S/4HANA“-Transformation als ausreichend. Ein gutes Drittel bezeichnet es als „zu niedrig“ beziehungsweise „viel zu niedrig“. N = 47
(Bild: Leanix SAP S/4HANA Survey 2021)

Die aktuelle Studie „Leanix SAP S/4HANA Survey“ zeigt, dass sich die meisten Unternehmen erst in der Anfangsphase dieses gewaltigen Transformationsvorhabens befinden. SAP S/4HANA böte Unternehmen mit seinem postmodernen ERP-Ansatz eine Vielzahl von Chancen – und doch agiert der Markt zögerlich.

Gartner geht Ende des 4. Quartals 2020 davon aus, dass 26 Prozent der Bestandskunden die Suite lizensiert haben. Von diesen ist wiederum nur etwas mehr als die Hälfte bereits live. Konkret bedeutet das: Erst 14 Prozent der weltweit 35.000 SAP-Bestandskunden haben die Transformation zu S/4HANA abgeschlossen.

In einer kleinen Umfragen unter Entreprise-Architekten stellt sich heraus, dass sich die meisten Unternehmen noch in einer Anfrangsphase der „S/4-HANA“-Transformation befinden.
In einer kleinen Umfragen unter Entreprise-Architekten stellt sich heraus, dass sich die meisten Unternehmen noch in einer Anfrangsphase der „S/4-HANA“-Transformation befinden.
(Bild: Leanix SAP S/4HANA Survey 2021 April 2021, N=68)

Trotzdem: S/4HANA ist für fast alle ein Thema. Insgesamt 94 Prozent der befragten Unternehmen mit SAP als ERP-Anbieter planen die Transformation oder haben sie bereits abgeschlossen. Doch 32 Prozent der Befragten in der Untersuchung befinden sich in der Planungsphase und ebenso viele in der ersten Vorbereitungsphase des laufenden Projekts.

Komplexität der SAP-Landschaft ist die größte Herausforderung

Gefragt nach den Herausforderungen in der S/4HANA-Transformation nennen 80 Prozent die Identifizierung von Abhängigkeiten innerhalb der komplexen und hochintegrierten ERP-Landschaft. Mit Hilfe von Enterprise Architecture Tools ließen sich genau solche Komplexitäten abbilden und eine umfassende Transparenz zur Verfügung stellen, die alle Ebenen der IT-Architektur durchdringt. Doch wann und wie intensiv sind die EA-Spezialisten in ihren Unternehmen an der S/4HANA-Transformation beteiligt?

Tatsächlich beschreiben 67 Prozent der befragten Enterprise Architekten das Erstellen einer klaren Roadmap und Zielarchitektur der zukünftigen SAP-Landschaft als Hürde, knapp 60 Prozent das Housekeeping von SAP-Legacy-Applikationen und Technologie-Landschaften. Außerdem sind oder waren fast alle befragten EA-Spezialisten in die Planungs- und Vorbereitungsphase der SAP S/4HANA-Transformation ihrer Unternehmen involviert. Aber weniger als die Hälfte und nur ein Drittel der Architekten ist in die Implementierung oder das finale Roll-out involviert.

Fallzahlen von Links nach rechts: N = 48, 47, 45 - Diese drei klassischen Anwendungsfälle eines modernen EA-Managements spielen zu Beginn der Transformation eine wichtige Rolle: Transparenz herstellen, Szenarien zur Migration entwickeln sowie Überschneidungen und Abhängigkeiten identifizieren. Leanix fragt nach dem Grad der Einbindung von Enterprise-Architekten.
Fallzahlen von Links nach rechts: N = 48, 47, 45 - Diese drei klassischen Anwendungsfälle eines modernen EA-Managements spielen zu Beginn der Transformation eine wichtige Rolle: Transparenz herstellen, Szenarien zur Migration entwickeln sowie Überschneidungen und Abhängigkeiten identifizieren. Leanix fragt nach dem Grad der Einbindung von Enterprise-Architekten.
(Bild: Leanix SAP S/4HANA Survey 2021)

In der Anfangsphase der Transformation müssen Unternehmen eine Vielzahl bedeutender Entscheidungen treffen – bezogen auf die vorhandene IT-Systemlandschaft, die strategischen Zielsetzungen und darüber, ob die ERP-Suite in der Cloud in welcher Ausprägung oder On-Premises betrieben werden soll. Ein Verständnis der Abhängigkeiten zwischen allen IT-Assets ist die Voraussetzung dafür.

Enterprise Architekten können diese Daten in hoher Qualität liefern und die SAP-Welt in Bezug zur umgebenden IT-Landschaft abbilden. Transparenz herstellen, Szenarien zur Migration entwickeln sowie Überschneidungen und Abhängigkeiten identifizieren: Diese drei klassischen Anwendungsfälle eines modernen EA-Managements spielen zu Beginn der Transformation eine wichtige Rolle – und nahezu alle Architekten scheinen in dieser Phase involviert zu sein. Es stellt sich jedoch die Frage, wie intensiv sie tatsächlich eingebunden werden.

Ausgeschlossen

Nur knapp die Hälfte der Enterprise Architekten empfindet ihr Involvement in die SAP S/4HANA-Transformation im Unternehmen als ausreichend. Ein gutes Drittel bezeichnet es sogar als „zu niedrig“ beziehungsweise „viel zu niedrig“. Das überrascht nicht. Die vorliegende Studie hat gezeigt, dass viele von ihnen nur zum Teil in Themen eingebunden werden, für die sie doch eigentlich die ausgewiesenen Spezialisten im Unternehmen sind.

So geben fast zwei Drittel der Architekten an, stark in die Herstellung von Transparenz über die bestehende IT-Infrastruktur involviert zu sein. Doch weniger als die Hälfte der EA-Spezialisten verzeichnet ein vergleichbares Involvement bei der Entwicklung von Migrationsszenarien und der Identifikation von Projektüberschneidungen und -abhängigkeiten.

Offenbar setzen viele Unternehmen ihre eigenen Ressourcen weniger stark ein als möglich. Damit verschenken sie Potenzial, wie Leanix-CEO André Christ erläutert. „Es geht um eine Transformation für das gesamte Business, nicht nur um eine rein technologische Veränderung. Und genau hier liegt die besondere Stärke der Architekten: Sie liefern nicht einfach Daten, sondern verknüpfen die IT-Landschaft mit den Business Capabilities des Unternehmens und bieten somit eine gemeinsame Sprache für Business und IT.“

Er fügt an, dass sie sind in der Lage sein, alle relevanten Stakeholder schnell zu identifizieren und einzubinden. „Das ist von großer Bedeutung, damit ein so gewaltiges Transformationsvorhaben auch gelingen kann“, so Christ.

Insgesamt 91 Unternehmen heben sich im April 2021 an der Leanix SAP S/4HANA Survey beteiligt. Über 50 Enterprise Architekten, die in S/4HANA-Transformationen involviert sind oder waren, haben darüber hinaus einen weiteren detaillierten Einblick in ihren Arbeitsalltag gewährt.

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