Nachbericht Tibco Now 2021 Tibco führt neues Werkzeug für Datenqualität ein

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Tibco hat auf der Anwenderkonferenz „Tibco Now 2021“ eine Reihe von Neuheiten in den drei Sparten „Connect“, „Predict“ und „Unify“ präsentiert. Die meisten sind Weiterentwicklungen des Vorhandenen, doch „Tibco Omni-gen DQ“ ist neu in der Tibco-Produktfamilie. Dieses Werkzeug erzeugt „kuratierte“ Daten, die von anderen Applikationen konsumiert werden, und bildet damit eine DQ-Firewall zur Standardisierung und Qualitätssicherung von Daten.

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Das Logo der Tibco Now 2021
Das Logo der Tibco Now 2021
(Bild: Tibco)

Tibcos Produktportfolio besteht aus drei Sparten: Connect, Predict und Unify. Connect ist die Integrationsplattform. Damit können die Funktionen der IT-Systeme SAP & Non-SAP als wiederverwendbare APIs zur Verfügung gestellt werden. Die Integrationsplattform unterstützt gleichzeitig alle Enterprise-Integration-Patterns für die Umsetzung einer ereignisgesteuerten Architektur und die Automatisierung von Geschäftsprozessen auf Basis von Messaging.

Die drei Produktsparten bei Tibco
Die drei Produktsparten bei Tibco
(Bild: Tibco)

Predict bringt visuelle Analyse („Tibco Spotfire“), Data Science („Tibco Datascience“) und Streaming Analytics („Tibco Streaming“) zusammen, um einfach und schnelle Patterns oder Anomalien in Daten zu finden, die Erkennung mithilfe von Machine Learning zu automatisieren und dann die Modelle zu operationalisieren und mit Echtzeitdaten zu versorgen.

Unify ist die Datenverwaltungsebene, die mit dem Stammdaten-Management „EBX“ zusammenspielt. Viele dieser Funktionen stehen schon in der „Tibco Cloud“ bereit, deren Services weltweit in Rechenzentren von AWS und Azure genutzt werden können.

Die Predict-Sparte umfasst die Produkte Tibco Spotfire, „Tibco Webfocus“, Tibco Datascience und Tibco Streaming. „Unser „Hyperconverged-Analytics“-Ansatz führt Erkenntnisse aus historischen Daten sowie Echtzeitdaten in einer Plattform zusammen, etwa in der Fertigung“, erläutert Ulrich Hatzinger, Leiter des Presales Teams bei Tibco DACH. „Gemäß den Qualitätsvorgaben (KPI) werden Soll-Daten erstellt, die ständig mit den Ist-Daten abgeglichen werden, die aus Sensoren usw. kommen.“ So ließen sich Services für Predictive Maintenance erstellen und Aktionen auslösen.

Die aktuellen Neuerungen im Predict-Portfolio sollen die Gewinnung von datengestützten Erkenntnissen beschleunigen, um so die durchgängige Nutzung der Analytics- und Data-Science-Funktionalitäten zu fördern. Die Produktaktualisierungen für Tibco Spotfire, Tibco Webfocus (Früher: „Information Builders“), Tibco Datascience und Tibco Streaming schaffen eine zentrale Verbindung innerhalb des Hyperconverged-Analytics-Ansatzes und sollen Unternehmen in die Lage versetzen, Daten besser zu analysieren und zukünftige Entwicklungen akkurater vorherzusagen.

Die fünf Funktionsbereiche von Tibco Spotfire
Die fünf Funktionsbereiche von Tibco Spotfire
(Bild: Tibco)

In Spotfire können Entwickler weiterhin ihre individuellen Visualisierungen namens Mods einfügen. Die „Spotfire Datascience Mods“ erweitern das Mods-Framework durch Datenfunktionen, KI- und Data-Science-Funktionalitäten, welche es den Datenwissenschaftlern erleichtern, „den Algorithmus hinter den Button“ zu platzieren.

Daten für alle, überall und jederzeit, lautet der Anspruch von Tibco Spotfire.
Daten für alle, überall und jederzeit, lautet der Anspruch von Tibco Spotfire.
(Bild: Tibco)

Zudem erlaubt es die Integration von Spotfire mit Tibco ModelOps, das bald veröffentlicht wird, den Citizen Data Scientists, eine Entscheidungsfindung schnell und einfach mit No-Code-Management von KI-/ML-Modellen zu erweitern.

„Tibco ModelOps hilft dabei, alle Modelle, die von Data Scientists erstellt wurden, zu verwalten und zu operationalisieren“, erläutert Hatzinger. Das Werkzeug stellt den Zugriff auf die Testdaten zur Verfügung und bereitet die Testdaten auf („Data Prep“), um dann die Performance des neuen Modells im Vergleich zu Referenzmodellen zu testen und graphisch darzustellen. Ist die Entscheidung für das neue Modell gefallen, können die Daten-Pipelines für das Scoring der Modelle einfach auf das neue Modell übertragen werden, so dass ein Modell-Entwickler einen vollständigen CI-/CD-Zyklus realisieren kann.“

Tibco Webfokus, das mit Information Builders (IBI) gekauft wurde, ist nun als SaaS-Lösung verfügbar. Neue Cloud-native Bereitstellungsfunktionalitäten ergänzen die Bereitstellungsoptionen und ein gemanagtes Cloud-Angebot (SaaS), um ein unternehmensweites Skalieren zu unterstützen. Zusätzlich sollen die Produktupgrades von Webfokus den Nutzern erweiterte Authoring- und Assembly-Funktionalitäten wie Filtering, Styling, Reporting und App-Entwicklung in einem einzigen Hub bieten. „Das unterstützt Unternehmen dabei, neue Wege zu finden, wie sie KI/ML für die Verbesserung der Datenaufbereitung, die Erstellung von Inhalten und die Zusammenarbeit nutzen können“, erläutert Hatzinger.

Tibco Data Science ergänzt eine Reihe von Cloud-Datenquellen (Konnektoren), ebenso wie die Integration von Tibco ModelOps, die native Unterstützung von Spark und die Anbindung an Tibco Datenvirtualisierung als zentrale Datenzugriffsschicht, Spotfire-Interoperabilität, Erweiterungen für Auto-ML, native Spark-Pipelines und Verbesserungen im Nutzererlebnis für Teams.

Analysen von Echtzeitdatenströmen bieten in Tibco Streaming Echtzeit-Analysen inklusive Dynamic Learning. Diese Fähigkeit sei derzeit im Patentierungsprozess und bald verfügbar, berichtete Hatzinger: „Dies ermöglicht es Nutzern, kontinuierlich dazuzulernen und Vorhersagen basierend auf Streaming-Daten in Echtzeit anzupassen. Tibco Streaming lässt sich mit sämtlichen Streaming-Datenquellen verbinden, inklusive No-Code-Integration mit Tibco Cloud Messaging, die Bereitstellung der Daten kann auch durch Tibco Data Virtualization erfolgen."

Tibco DQ

„Eine agile Datenschicht optimiert die Verfügbarkeit von Geschäftsdaten auf eine Art und Weise, die leicht zugänglich, automatisiert und mit KI angereichert ist", betont Mark Palmer, Senior Vice President, Engineering, bei Tibco. „Unsere aktuellen Neuerungen beinhalten Smart Matching für das Stammdatenmanagement (EBX), automatisierte Datenqualität, die intuitiv Fehler korrigiert, bevor diese eine Entscheidungsfindung beeinträchtigen, sowie die Verarbeitung von Streaming-Daten als Teil der nächsten Generation des digitalen Echtzeit-Geschäfts.“

Tibco DQ soll nach Angaben von Hatzinger die neue Produktfamilie für Datenqualität werden. Das Datenaufbereitungswerkzeug soll die momentan in der gesamten Tibco-Datenschicht vorhandenen Funktionalitäten mit eingebauter KI und ML deutlich verbessern, um die Erkennung von Qualitätsproblemen (Profiling), die Überwachung der Qualität (Monitoring) und die Bereitstellung von „kuratierten“ Daten zu automatisieren. Damit können historische und Streaming-Daten aus allen Datenquellen in der geforderten Qualität bereitgestellt werden.

„Die Monitoring-Funktionalitäten für Datenqualität unterstützen Datentechniker bei der Überwachung der Datenqualität über alle Quellen hinweg und unterstützen zudem die automatisierte Fehlerbehebung sowie vollständig auditierte, auf Geschäftsnutzer ausgerichtete Workflows.“ Die Unterstützung für Cloud-native Container und SaaS-Angebote sollen Kunden dabei helfen, Datenqualität in jeder öffentlichen oder privaten Cloud sowie on-premises einzuführen.

Tibco Connect

Tibco Cloud Integration ist eine neue iPaaS-Plattform.
Tibco Cloud Integration ist eine neue iPaaS-Plattform.
(Bild: Tibco)

Zu den Verbesserungen in den Tibco-Connect-Lösungen für die Datenintegration gehören zunächst die Tibco Cloud Integration, ein iPaaS-Service. „Neue Automationsfunktionalitäten“, so Hatzinger, „ermöglichen es einer großen Bandbreite an Geschäftsanwendern, Kernprozesse und Workflows schnell zu optimieren und zu automatisieren – welche die Effizienz von zentralen Geschäftsaktivitäten wie Onboarding, Lead-Generierung und die Bearbeitung von Schadensmeldungen verbessern.“

Eine dieser neuen Funktionen ist der schon 2020 angekündigte „Smartmapper“, der mit seinen Machine-Learning-gestützten Fähigkeiten das Mapping von Daten aus verschiedenen Applikationen erleichtert, so kann das Objekt „Adresse“ in zwei verschiedenen Applikationen unterschiedlich aussehen. „Smartmapper hilft mit Mustererkennung und ständigem Training, solche repetitiven Vorgänge zu automatisieren“, erläutert Hatzinger.

Ein weiteres Werkzeug sind „Smart Engines“. Sie spüren Flaschenhälse in den automatischen Integrationsprozessen und Workloads, um anschließend ML-gestützte Empfehlungen abzugeben. „Es handelt sich hier nicht um Business Process Management“, betont Hatzinger.

Tibco Cloud Messaging

Mit großer Freude stellte der Tibco-Manager das neue Tibco Cloud Messaging (TCM) vor. „Neue Cloud-native Speicheroptionen, die bereits in „Tibco Enterprise Message Service X“ eingeführt wurden, ermöglichen jetzt ein neues Support-Level für „Tibco Cloud Messaging“, der bei vielen Kunden wie dm Drogeriemarkt oder Lufthansa im Einsatz ist.“ Tibco Enterprise Message Service gebe es nun auch als SaaS-Lösung.

Tibco Cloud Messaging ist nun breiter aufgestellt. Open-Source-Lösungen wie „Apache Pulsar“, „Apache Kafka“ und „Eclipse Mosquitto“ sind jetzt in der Cloud verfügbar. TCM biete nun auch native Unterstützung für JMS mit einer gemanagten Unterstützung (SaaS) für Tibco Enterprise Message Service. Die Lösung ermögliche nun die vereinfachte Kundenmigration des On-premises-Bestands zu Cloud-fähigen Lösungen, ohne dass es eines Lift-and-Shift-Ansatzes bedürfe. „Auf diesem neuen Level lassen sich auch ereignisgesteuerte Anwendungen, die etwa Kafka oder Pulsar nutzen, erstellen“, erläuterte Hatzinger.

Tibco Cloud API-Management

Last, but not least, wurde „Tibco Cloud API-Management“ vorgestellt. Aufbauend auf „Tibco Cloud Mashery“ entwickelt dieses neue Angebot das API-Management weiter, um den Nutzwert, den ein Unternehmen in der Form von APIs zur Verfügung stellt, zu verwalten.

Die Lösung bietet nach Angaben von Hatzinger API-Management über den gesamten Lebenszyklus hinweg als wesentlichen Teil der Tibco Cloud – inklusive nahtloser Konnektivität zu essenziellen Funktionalitäten wie Integration, Datenanalyse, Prozessautomatisierung und Messaging. Tibco Cloud API-Management sei zusammen mit Innovationen, welche die Entwickler-Pipeline verbessern, und einem neuen visuellen Editor für das API-Design und -Testing ab sofort für Neu- und Bestandskunden von Tibco Cloud Mashery und Tibco Mashery verfügbar.

Cloud Discover in Kürze

Der schon seit 2020 avisierte Service „Tibco Cloud Discover“ soll, wie es heißt, „bald“ in der Tibco Cloud erhältlich werden. Der Dienst will Kunden Transparenz für Prozesse durch Anwendungsdaten bieten.

Dazu werden Process-Mining-Methoden und eine einheitliche Umgebung für Prozessbeteiligte zur Durchführung von Process-Mining-Analysen einschließlich Variantenentdeckung, Quantifizierung von Ineffizienzen und der Überprüfung auf Compliance genutzt. Tibco Cloud Discover treibt Automation, Dokumentation und Erkenntnisentdeckung voran, um zentrale Geschäftsprozesse zu verbessern und zu transformieren. Hatzinger bestätigte, dass SAP Signavio und Celonis direkte Mitbewerber für dieses Produkt seien.

Als eine weitere neue Tibco-Cloud-Funktionalität soll es der „Tibco Cloud Composer“ Kunden erlauben, Cloud-Lösungen und -Anwendungen schnell zu entwickeln. Dazu nutze die Lösung die Integrations-, Analyse- und Daten-Management-Kompetenzen von Tibco. Das Angebot unterstütze eine schnelle Anwendungsentwicklung für die Cloud, indem es Microservices und APIs, Case Management, Messaging, Entscheidungs-Management und Analytik in einer einzigen, zentralen Anwendung kombiniert. Das wäre quasi das Cloud-Pendant zum bestehenden „Teamstudio“.

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