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Was spielt derzeit die größere Rolle: Grün mit IT“ oder „Grün durch IT“?
Thomas Leitert: Zunächst einmal hat Green IT für uns ganz viel mit Rechenzentren zu tun. Denn hier ist die IT extrem komprimiert. Wer hier den Hebel ansetzt, kann schnell einen großen Effekt erzielen, zum Beispiel wenn die Temperatur nur um ein Grad angehoben werden kann. Somit prämiert der Award Lösungen und Konzepte zur Steigerung der Energie-Effizienz im Rechenzentrum.
Doch zugleich kann die Optimierung in Rechenzentren nur der Beginn sein. Denn der Energieverbrauch zentraler und dezentraler IKT-Systeme nimmt zu. Etwa die Hälfte des Energieverbrauchs in der IT konsumieren Drucker, Scanner, Desktops sowie andere dezentrale Informations- und Kommunikationstechnik. Man könnte sagen, mit dieser Erkenntnis wächst auch das Thema Green IT aus den Kinderschuhen heraus.
Darüber hinaus muss IT beim Energiesparen in allen Lebensbereichen helfen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Fahrassistenz-Systeme für Schienenfahrzeuge. Während der Fahrt müssen die Lokführer immer wieder einmal bremsen und die Maschinen wieder auf Touren bringen. Man könnte sagen: Vollgas und Bremsen lösen sich ab. Erlaubte das Fahrassistenz-System auch einmal ein „Rollenlassen“, ließen sich auf einen Schlag rund 30 Prozent an Diesel-Treibstoff einsparen.
Ein weiteres Exempel liefert Daimler. Der Automobilbauer schaltet in den Packstraßen eines seiner Motorenwerke die Roboter in Ruhepositionen aus. Die verbrauchen in dieser Zeit keinen Strom.
Die Beispiele zeigen, dass die Spareffekte im Kerngeschäft der jeweiligen Branche sehr hoch sein können. Doch das ist ein Trend, der sich erst entwickelt.
Alle Aufgaben im Rechenzentrum sind erledigt?
Thomas Leitert: Zurück zum Rechenzentrum: Wir haben ein Datacenter-Benchmarking ins Leben gerufen. Der ist mehr als erfolgreich. 101 Rechenzentren bilden derzeit die weltweit einzigartige Vergleichsplattform und noch etliche stehen in der Warteschleife.
Der nächste Schritt ist ein „Green IT Cockpit“. Diese soll die Energie-Effizienz in einem gesamten Unternehmen hinsichtlich der Geschäftsprozesse abbilden können und bewertbar machen.
Zum Beispiel müssen bei der Beschaffung und Nutzung der IKT Aspekte der CO2-Reduktion und Ressourcen-Effizienz Beachtung finden. Das Negativ-Beispiel schlechthin ist ja das Glühbirnenverbot der EU. Für die Energiesparlampen braucht man so viel Quecksilber, dass chinesische Minen, die wegen Gesundheits- und Umweltschäden schon längst geschlossen waren, erneut in Betrieb gingen. Zudem gibt es noch keine hinreichenden Verfahren für die Entsorgung, beispielsweise für das Quecksilber und das Blei.
Spielen Green IT, die C02-Bilanz und das Monitoring des Energieverbrauch denn tatsächlich eine Rolle, beispielsweise bei Ausschreibungen? Oder ist alles schöner Schein, Marketing für Anbieter und Anwender?
Thomas Leitert: Im Frühjahr wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass Mittelständler selbst dann in grüne Technik investierten, wenn diese teurer seien. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.
Green hat immer auch einen ökonomischen Aspekt. Ich glaube an diese Duopolarität – ich tue etwas für die Umwelt und spare – und dass der Mittelstand rechnen kann.
Den Award gibt es in diesem Jahr schon zum zweiten Mal. Hat sich in den Kategorien etwas verändert?
Thomas Leitert: Generell suchen wir innovative Green-IT-Projekte mit Best-Practice-Potenzial, die eine möglichst große Breitenwirkung erzielen und die die Aufmerksamkeit von Herstellern der IT-Branche auf sich lenken. Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sind aufgerufen, innovative Lösungen und Konzepte zur Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs zu entwickeln.
Es gibt drei Kategorien:
1. Energieeffiziente IT-Systeme - Green in der IT
Ausgezeichnet werden Lösungen, die bekannte oder neue Technologien einsetzen oder kombinieren, um die Energie-Effizienz von Rechneranlagen zu optimieren. Das gilt für zentralisierte Systeme (Rechenzentren), Netzwerke und Endgeräte.
2. Einsatz von IT-Systemen zur Optimierung von Prozessen - Green durch IT
Hier werden Lösungen prämiert, die intelligente IT-Systeme zur Optimierung von Geschäftsprozessen/-modellen nutzen, um den Gesamtenergieverbrauch in Geschäftsabläufe zu reduzieren. Beispiele hierfür sind die Energie-effiziente Organisation von Produktionsabläufen, der Einsatz intelligenter Energiemessgeräte (Smart Metering) oder der Aufbau intelligenter Strom- und Verkehrsnetze (Smart Grid).
3. Visionäre Gesamtkonzepte (System- und Geschäftsprozessgestaltung)
In dieser Kategorie werden innovative Gesamtkonzepte und Ideen zur nachhaltigen und ressourcenschonenden Reorganisation von Geschäftsprozessen/-modellen gesucht.
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