White Boxes und Open Source im Netzwerk

Switches aus dem Hause Amazon Web Services?

| Autor: Ulrike Ostler

Beispiel für eine Open-Source-Design für einen Switch: „Wedge 100“ aus dem Hause Facebook.
Beispiel für eine Open-Source-Design für einen Switch: „Wedge 100“ aus dem Hause Facebook. (Bild: AWS)

Google und Microsoft machen´s sowie Facebook und AWS. Der Trend zu Open-Source setzt sich fort und jetzt trifft es das Networking. Anfang des Jahres hatte etwa Facebook seine hauseigene Netzwerksoftware „Open/R“ für andere freigegeben. Jetzt will Amazon Web Services (AWS) offenbar eine eigene Reihe von „White Box“-Switches auf den Markt bringen.

Nach Angaben ein einem Bericht des US-Mediums „The Information“ prüft AWS, ob selbst entwickelte Switches für Unternehmenskunden angeboten werden sollen. Diese Geräte würden dann Open-Source-Software ausführen. Die Publikation zitiert eine Quelle, die in diese Überlegungen einbezogen sei.

Demnach könnte es innerhalb der kommenden 18 Monate soweit sein. Der Plan, in den global etwa 14 Milliarden Dollar schweren Enterprise-Markt einzusteigen, könnte diesen durchaus erschüttern, zumal die Gerätschaft unter den Preisen der Konkurrenz – etwa Cisco Juniper Networks und Arista – liegen soll. Gemunkelt wird von 70 bis 80 Prozent unter den Preisen des Branchenprimus Cisco.

Die Nachricht ist von AWS noch unbestätigt; dennoch berichtet Bloomberg, dass der Wert der Aktien der genannten Netzwerkausrüster sofort gesunken sei.

Die Börse reagiert

Die Gründe sind klar: Erstens hängt etwa der Cisco-Umsatz zur Hälfte vom Verkauf seiner Switches ab. Die Kurse fielen am Freitag vergangene Woche in New York um 6,1 Prozent auf 40,94 Dollar pro Anteil, der von Juniper Networks um 3,9 Prozent auf 27,40 Dollar und der von Arista um 6,2 Prozent.

Zweitens betreibt betreibt AWS derzeit die größte Cloud-Computing-Plattform der Welt, in mehr als 50 Verfügbarkeitszonen und mit mindestens einem Rechenzentrum in jeder. Damit erwirtschaftet der Konzern mehr Umsatz als jeder seiner potenziellen Wettbewerber im Geschäft der Netzwerkausrüstung.

Es ist kein Geheimnis, dass die Hyperscaler eigene Hardware entwickeln lassen, oft abgespecktes Standrad-Design von so genannten Original-Design-Herstellern (ODMs) aus Asien. Es wäre also durchaus ein logischer Schritt, dieses Know-how zu vermarkten. Es könnte gar Schule machen, zumal Basis-Code und -Design oftmals bereits als Open-Source ohnehin jedermann zur Verfügung stehen.

Ein Beispiel dafür liefert Facebook; das Unternehmen hat bereits seine Entwürfe über das Open Compute Project veröffentlicht, etwa die des 100 Gigabit Ethernet-Switch „Wedge 100“. Theoretisch könnte also jeder Hardware-Anbieter das Design nachbauen und Kunden ihre proprietäre Netzwerktechnik ablösen.

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