Hosting & Service Provider Summit am 23. und 24. Mai

Professor sicher: Edge-Computing wird richtig wichtig

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Was spricht für und was spricht gegen die dezentrale Datenverarbeitung am Rande des Internets?
Was spricht für und was spricht gegen die dezentrale Datenverarbeitung am Rande des Internets? (Bild: gemeinfrei; PublicCo / Pixabay)

Am 23. und 24. Mai treffen sich in der Villa Kennedy in Frankfurt am Main Experten- und Anwender zum Hosting & Service Provider Summit. Schwerpunkthemen sind in diesem Jahr Sourcing & Solutions, Security & Compliance, Strategies & Business Concepts sowie Future Technologies.

Am 23. Mai um 13:40 Uhr diskutieren auf dem HSP Summit Professor Alexander Benlian, Professor für Wirtschaftsinformatik & E-Services an der TU Darmstadt, und Professor Oliver Hinz, Professur für BWL an der Goethe Universität Frankfurt, das Thema „Edge Computing – Welche Chancen bietet die bevorstehende Dezentralisierung des Internets für Service Provider?“. Dabei geht es um Fragen wie:

  • Was spricht für und was spricht gegen die dezentrale Datenverarbeitung am Rande des Internets?
  • Welche Anwendungsgebiete von Edge Computing gibt es?
  • Wer wird profitieren? Wer wird verlieren?

DataCenter-Insider hat Professor Hinz gebeten, vorab Einblicke in seine Thesen zu geben:

Bereits auf dem siebten Hosting & Service Provider Summit waren Sie prominent vertreten. Wie lautet Ihre These in diesem Jahr?

Oliver Hinz: Die gemeinsame Arbeitshypothese von Kollege Benlian und mir ist, dass durch das IoT und neue Anwendungsfälle, die Datenverarbeitung am Rande des Internets und die Verarbeitungsgeschwindigkeit an Bedeutung zunehmen wird. Insofern sehen wir, dass Edge Computing in den nächsten fünf bis zehn Jahren wichtiger werden wird.

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Sie werden mit Professor Benlian in einem Podiums-Streitgespräch der Frage nachgehen, welche Chancen die Dezentralisierung des Internets für Service Provider bietet. Greifen wir das direkt auf: Wer wird Ihrer Meinung nach von Edge Computing profitieren? Wer wird verlieren?

Oliver Hinz: Wir werden jeweils über die Stärken und Schwächen der großen und kleinen Anbieter im Edge Computing streiten. Das Ergebnis möchte ich noch nicht vorwegnehmen.

Im vergangenen Jahr erklärten Sie als Keynote-Speaker, dass Hyperscaler den Cloud-Markt dominieren werden, aber in der Nische fänden immer auch kleinere Anbieter Platz. Die müssten mit besonderen Services punkten, etwa durch ein besonderes Vertrauensverhältnis oder durch Branchen-beziehungsweise Lösungsexpertise. Oder mittels Zusammenarbeit mit der OSS-Community. Letzterer Punkt scheint mir erklärungsbedürftig.

Oliver Hinz: Beim Cloud-Computing gibt es definitiv Skalen- und Netzeffekte, die die Gefahr bergen, dass der Markt von wenigen oder einem einzigen Anbieter dominiert wird - Stichwort: Winner-Takes-It-All-Market. Um ähnlich von Skalen- und Netzeffekten zu profitieren, müssen sich kleinere Anbieter zusammenschließen und gemeinsam auf eine Technologie setzen.

Das ist zum Beispiel auf Basis von Open Source-Software (OSS) möglich. Im Prinzip gibt es für jede Stack-Ebene mittlerweile gute OS-Lösungen.

Eine Ihrer Thesen lautete auch, dass es ohne Edge Computing zur „Klumpenbildung“ kommt – können Sie auch das näher erläutern?

Oliver Hinz: Ich habe wohl eher von Klumpenrisiko gesprochen, einem Begriff auf der Finanzwirtschaft. Mit Klumpenrisiken bezeichnet man im Bankwesen die kumulative Häufung von Ausfallrisiken in einem Kreditportfolio mit ähnlich hohen oder identisch hohen Korrelationswerten.

Wenn alle auf den gleichen Anbieter setzen – zum Beispiel in einem Winner-Takes-it-all-Market -, ist der - sowohl technologische als auch wirtschaftliche - Ausfall eines solchen dann dramatisch für den gesamten IT-Markt. Man denke nur an den Ausfall von Amazon Web Services im Februar 2017 durch einen Tippfehler.

Edge Computing macht wohl nur im Zusammenspiel mit Cloud Computing Sinn – oder sehen Sie das anders? Kann Edge gar Clouds ersetzen (so eine These vom Thomas Krenn-Vorstand Christoph Maier)?

Oliver Hinz: Das würde ich so nicht unbedingt sagen. Edge Computing kann auch ohne Cloud Computing Sinn machen und sollte zunächst eher komplementär gesehen werden. Es macht Sinn, wenn Daten dezentral schnell verarbeitet werden müssen etwa bei Car2X oder Augmented/Virtual Reality-Anwendungen - und Latenzzeiten ein Problem darstellen können.

Durch diese neuen Anwendungen wird also vermutlich Kapazität am Rande des Internets aufgebaut werden müssen und natürlich kann diese Kapazität dann auch bei wenig Last wieder angeboten werden und kann dann in Konkurrenz zum „klassischen“ Cloud Angebot treten.

Für die Abrechnung schlagen Sie den Einsatz unter anderem der Blockchain-Technologie vor. Wieso? Und glauben Sie an die Blockchain als Zukunftstechnologie?

Oliver Hinz: Ich hatte gesagt, dass man darüber nachdenken kann, aber dass man auch die Kosten gegen den Nutzen abwägen muss. Blockchain ist definitiv eine Zukunftstechnologie mit interessanten Einsatzgebieten. Allerdings befinden wir uns derzeit in der Hype-Phase und nicht alle Vorschläge, die derzeit auf Basis von Distributed Ledger Technologien gemacht werden, sind sinnvoll. Wir werden in einigen Jahren den wahren Wert dieser Technologie klar erkennen.

Oliver Hinz bekleidet die Professur für Betriebswirtschaftslehre in. Wirtschaftsinformatik und Informations-Management an der Goethe Universität Frankfurt. Seine Arbeiten, die typischerweise an der Schnittstelle zwischen Technologien und Märkten angesiedelt sind, wurden unter anderem mit dem „Wissenschaftspreis 2017“ ausgezeichnet. Er gehört zu den 30 forschungsstärksten Wissenschaftlern im Bereich BWL.

Ein Interview mit dem Diskussionspartner von Professor Hinz, Professor Benlian, ist gerade erst auf DataCenter-Insider erschienen.

► Mehr Infos zum HOSTING & SERVICE PROVIDER Summit 2019

 

 

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