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Soll ich, oder soll ich nicht? On-Premises, (k)ein Auslaufmodell

| Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Ulrike Ostler

Als einer der größten Treiber der As-a-Service-Agenda beendet Microsoft den Support für die beiden erfolgreichen Legacy-Produkte „SQL-Server 2008“ und „Windows-Server 2008/2008 R2“. Und das sind keine Einzelfälle. Ist damit das Ende der installierten Software absehbar?

Eine moderne IT-Infrastruktur ist die Voraussetzung für sicheres und produktives Arbeiten und Grundlage für digitale Geschäftsmodelle auf der Basis von künstlicher Intelligenz (KI), dem Internet of Things (IoT) oder Mixed Reality. Oliver Gürtler, Senior Director Cloud & Enterprise Business Group bei Microsoft Deutschland.
Eine moderne IT-Infrastruktur ist die Voraussetzung für sicheres und produktives Arbeiten und Grundlage für digitale Geschäftsmodelle auf der Basis von künstlicher Intelligenz (KI), dem Internet of Things (IoT) oder Mixed Reality. Oliver Gürtler, Senior Director Cloud & Enterprise Business Group bei Microsoft Deutschland.
(Bild: gemeinfrei: Pete Linforth TheDigitalArtist pixabay / CC0 )

Kunden können das anstehende Support-Ende direkt zum Anlass nehmen, um ihre Windows-Server und SQL Server-Workloads in die Cloud zu migrieren. Die Tendenz, dass Workloads immer häufiger in der Cloud laufen, wird durch die IDC-Studie „Datacenter Trends 2019“ weiter bestätigt.

Demnach haben 90 Prozent der Befragten bereits eine Cloud-Strategie formuliert. Wobei gegenwärtig noch die Privat Cloud - entweder im eigenen Datacenter oder in dem des Providers - das Marktgeschehen dominiert. Gleichzeitig investieren die Unternehmen am häufigsten in datenrelevante Themen.

Das sind Analytics und Management von relationalen Datenbanken (63 Prozent), künstliche Intelligenz/Machine Learning (63 Prozent) und Business Intelligence/Data Warehouse (61 Prozent). Für diese Workloads werden Investitionen in Infrastruktur, Software und Architektur benötigt.

Parallel dazu schrumpfen die Hardware-Budgetzuweisungen, während die Managed-Service-Budgetzuweisungen zunehmen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass immer mehr Unternehmen die Kostenvorteile, die Skalierbarkeit und die Flexibilität erkennen, die eine Migration auf eine oder mehrere Cloud-Plattformen mit sich bringen kann.

Alles nur noch in der Cloud?

„Das ist natürlich für viele Kunden sehr interessant, da sie sich um die ganze Infrastruktur, Skalierung und Wartung nicht kümmern müssen“, konstatiert Gerald Pfeifer, CTO EMEA bei Suse. „Einer der wichtigen Faktoren ist es, und das kommt in Gesprächen mit Kunden immer wieder heraus, ist, dass die Kunden On-Premises oder die Public Cloud als nicht so unterschiedlich erleben wollen.“

Dafür steht eine große Bandbreite an Möglichkeiten zur Verfügung: Zum Beispiel kann der Nutzer in der Cloud zügig entwickeln und zusätzliche Maschinen oder Speichersysteme schnell erhalten, wobei der Einsatz dann doch im Data Center stattfindet.

Die Cloud eignet sich idealerweise auch dafür, wenn ein Unternehmen schnell mal als Skalierung für Black Friday-Tage prüfen will, was unter bestimmten Last-Szenarien passiert. Ein anderer Ansatz wäre zum Beispiel SAP im Datacenter installiert und die Cloud als Fallback. Auf diese Weise muss das Unternehmen nicht zwei Mal die gleiche Infrastruktur vorhalten und für On-Premises doppelt bezahlen.

Ganz das Gegenteil

„Trotzdem sehe ich kein Ende für die installierte Software“, so Pfeifer. „Ganz im Gegenteil, es gibt immer mehr Computing auch dort, wo zunächst keine Cloud notwendig ist. Zum Beispiel an den Maschinen für Industrial Analytics der produzierenden Industrie, in Supermärkten, wo die Kassen mit ihren Touch-Displays an lokale Rechner angebunden sind, in den Containern nahe bei Funktürmen oder in Autos. In diesen Bereichen sehe ich auch ein deutliches Wachstum.“

Der Markt für Cloud-Managed-Services wird von 451 Research auf 43 Milliarden Dollar geschätzt und wächst damit 60 Prozent schneller als das Wachstum bei den reinen Infrastruktur-Services. Die Ursache für dieses Wachstum liegt laut dem Analyseunternehmen darin, dass die IT-Profis in erster Linie deshalb in Managed Services investieren, weil sie zusätzliche Hilfe benötigen, um die zunehmende Komplexität ihrer IT-Prozesse zu bewältigen.

Dies gilt gemäß dem Insight Intelligent Technology Index für etwa die Hälfte der Unternehmen. Auf diese Weise kombiniert beispielsweise das Managed-Service-Provider-Modell das Cloud-Angebot von Azure mit dem zusätzlichen Know-how, um sein Potenzial zu entfalten und es effizient im Unternehmen einzusetzen.

Prominenter Rückkehrer

„Wenn sich der Anwender für eine Platform-as-a-Service-Lösung entscheidet, dann steigt er auf einer hohen Ebene ein und muss sich nur noch um die Applikation kümmern“, so Pfeifer. „Je nach den jeweiligen Anforderungen kann das der richtige Ansatz sein.“

Zudem können Managed-Service-Provider mit der Migration von mehr Kunden auf Azure Infrastructure-as-a-Service die Möglichkeit erhalten, zusätzliche Einnahmen zu erschließen, indem sie auch Angebote von Drittanbietern zu einer gesamten Cloud-Lösung einschließlich Sicherheitsprodukte sowie weitere Angebote kombinieren.

„Hierzu lässt sich ein eindeutiger Trend zu Komplettangeboten verzeichnen, die sich recht zügig umsetzen lassen“, unterstreicht Pfeifer. „Jedoch gibt es auch Firmen ab einer bestimmten Größe, die ihre Kontrolle über ihr IT nicht abgeben wollen. So hat zum Beispiel Netflix seine Strategie geändert und kehrte zu einer lokalen Lösung zurück.“

Kosten im Vergleich

Ein großes Thema sind in diesem Zusammenhang die Lizenzkosten. Wenn man die Kosten von „Office 365“, „Azure AD Premium“, „AADDS“, „Endpoint Manager“ und so weizet addiert, so kann hierfür einiges zusammenkommen, viel mehr als man für eine gleichwertige Infrastruktur vor Ort bezahlen müsste. „Die Unternehmen sollten sich daher im Klaren sein und vor allem genau durchrechnen, was es kostet, ihre Daten in die Cloud zu bringen - und vor allem auch: was es kostet, sie wieder `rauszubringen“, mahnt Pfeifer. „Das ist meiner Erfahrung nach sehr asymmetrisch. Ersteres ist häufig deutlich günstiger. Diese Überlegungen stellen viele Unternehmen leider nicht für sich an.“

Oftmals ist es für Pfeifer ein guter Ansatz, wenn eine lokale Lösung und eine Cloud-Lösung gleichzeitig zur Verfügung stehen. Damit können Unternehmen immer sehr flexibel agieren. Sollte es um Betriebsgeheimnisse gehen, so müssen rechtliche Vorgaben, Verträge mit Lieferanten und Zugriffe von Regierungen auf Daten überprüft werden. Man muss sich daher immer vor Augen halten, wo die Daten liegen und wer alles unter Umständen darauf zugreifen darf.

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