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Härtere Anforderungen für Rechenzentren
Dann folgen diverse Möglichkeiten, wie Gesetze, Verordnungen, aber auch Zertifizierungen angepasst werden können, um am Ende doch noch dahin zu kommen, dass die fatal klimaschädlichen Kältemittel gegen andere ausgetauscht werden und Effizienz nicht beim niedrigen PUE endet. Einige davon wurden bereits praktisch umgesetzt – beispielsweise in der Novellierung der Anforderungen für die Auszeichnung eines Rechenzentrums mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“.

Denen zufolge müssen Rechenzentren jetzt je nach ihrer Standzeit härteren Effizienzanforderungen genügen – neue Rechenzentren mit einem Alter unter einem Jahr müssen beispielsweise eine Jahresarbeitszahl von >7 haben. Unter Jahresarbeitszahl bei Kühlsystemen oder Wärmepumpen versteht man das Verhältnis von Wärme/Kälte-Output und Energie-Input. Ziel ist, mit möglichst wenig Energie möglichst viel Kühlleistung zu erzielen. Dessen Kriterien finden sich inzwischen auch in den neuen, für die Bundesverwaltung geltenden Vergabegrundlagen.
Auch der Gesetzgeber hat reagiert und sorgt beispielsweise in der sogenannten F-Gas-Verordnung (EU-Verordnung Nr. 517/2014), gültig seit 1.1.2015, insbesondere für die Jahre 2018 und 2021 für deutlich verminderte, dem Markt zur Verfügung stehende Kältemittelmengen, was auch die Datacenter-Branche nicht unberührt lassen wird. Sie tut also gut daran, sich beizeiten über Alternativen Gedanken zu machen.
EEG und Inspektionen
Weitere Eingriffspunkte sind laut der Studie, Rechenzentren zumindest partiell in die Energie-Einsparverordnung (EnEV) einzubeziehen, was heute nicht der Fall ist. Zumindest die Aufrechterhaltung der energetischen Qualität (§11), die energetische Inspektion von Klima-Anlagen (§12) und die Beschreibung von Anlagen der Kühl- und Raumlufttechnik (§15) sollten nach Meinung der Autoren auch für Rechenzentren gelten – wobei es hier wichtig wäre, in den Gesetzestexten hinsichtlich der Rechenzentren auf gültige Normen wie EN 50600 zu verweisen, die so verbindlich würden, allerdings gerade hinsichtlich der Kühltechnik ebenfalls relativ wenig spezifisch sind.
Rechenzentren sollten hinsichtlich der Anforderungen des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes nicht ausgenommen werden. Hinsichtlich der Komponenten von Kühlanlagen empfehlen die Autoren eine Verbrauchskennzeichnung entsprechend der Ökodesign-Richtlinie. Empfohlen wird eine Auditierung von Rechenzentren nach DIN EN 16247-1 und eine Verschärfung der Auditierungsmaßstäbe. Auch beim European Code of Conduct for Datacentres müsste nach Meinung der Autoren dringend nachgearbeitet werden, denn dieses Procedere macht keine Vorschriften hinsichtlich der Gesamteffizienz der Klima-Anlagen.
Schließlich fordert die Studie Aufklärung und Informationen sowie weitere landes- und bundesweite Förderprogramme für die Betreiber von Rechenzentren, die die Energie-Effizienz und die Atmosphärenverträglichkeit ihrer Anlagen erhöhen wollen.
Hinsichtlich einiger dieser Ideen entbrannten übrigens zwischen dem Industrieverband Bitkom und dem Umweltbundesamt schon im Vorfeld heiße Debatten: Der Bitkom war dagegen, dass neue Anlagen nur dann auszeichnungsfähig im Sinne des Blauen Engel sind, wenn sie halogenfreie Kältemittel benutzen.

Veranstaltungshinweis: Forum des Umweltbundesamtes
Am 19. und 20. April findet in Darmstadt die Kongressmesse „Future Thinking“ statt. Neu in diesem Jahr ist unter anderem ein Forum des Umweltbundesamtes zum „Energie- und ressourceneffizienter Rechenzentrumsbetrieb “, jeweils ab 11:00 Uhr.
Die Vorträge und Diskussionen drehen sich neben neuesten Erkenntnissen aus der Forschung zu diesen grundlegenden Aspekten auch um die überarbeiteten Kriterien für das Umweltzeichen „Blauer Engel“ für Rechenzentren (RAL-UZ 161), die 2016 für alle Antragsteller gelten. Darüber hinaus werden Konzepte für die Klimatisierung von Rechenzentren und Server-Räumen vorgestellt, die anstatt auf klimaschädliche synthetische Kältemittel auf natürliche Kältemittel zurückgreifen. Sie erfahren außerdem, was im neuen Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes zu Indikatoren Kennzahlen und Indikatoren für ressourceneffiziente Rechenzentren erforscht wird.
* Ariane Rüdiger ist freie Journalistin in München.
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