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Beelastic und Apstra schaffen eine Blaupause für die Netzwerkautomatisierung Neue IaaS-Konzepte verzichten auf Legacy-Erbschaft

| Autor / Redakteur: Uwe Scholz / Ulrike Ostler

Nur selten bietet sich für einen Carrier und Service-Provider die Möglichkeit, die gesamte Infrastruktur praktisch auf der grünen Wiese zu planen, die neuesten Technologien einzusetzen und praktisch frei von Altlasten das derzeit mögliche Optimum zu realisieren. Und dennoch: So geschehen bei der Schweizer Beelastic AG.

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Der Anspruch des Service-Provider-Angebots von Beelastic: geringse Latenzen und Antwortzeiten bei hoher Kosteneffizienz. Der IaaS-Anbieter hat für seine Services von Frankfurt aus einen Greenfield-Ansatz gewählt.
Der Anspruch des Service-Provider-Angebots von Beelastic: geringse Latenzen und Antwortzeiten bei hoher Kosteneffizienz. Der IaaS-Anbieter hat für seine Services von Frankfurt aus einen Greenfield-Ansatz gewählt.
(Bild: Daniel Dino-Slofer auf Pixabay)

Seit Anfang 2020 bietet der IaaS-Provider hochperformante Services von Frankfurt aus bis in alle Wirtschaftszentren der Schweiz. Die Basis bilden leistungsfähige Hardware sowie ein Netzwerk-Management, das Kunden kosteneffiziente und komfortable Connectivity-Dienste offeriert.

Als Beelastic vor drei Jahren begonnen hat, im Rahmen eines Greenfield-Approaches die Infrastruktur für ein neues Service-Provider-Angebot zu entwickeln, stand der Plan im Vordergrund, MSPs und großen Unternehmen eine Alternative zu den marktbeherrschenden Hyperscalern zu eröffnen. Es war klar, dass dies nur gelingen konnte, wenn neben Performance und Verfügbarkeit auch entsprechende Dienstleistungen bereitgestellt werden, die sich vom Wettbewerb abheben. Und das zu entsprechenden Konditionen.

„Die Real-Time-Gesellschaft benötigt eine Infrastruktur, die geringste Latenz und Antwortzeiten bei hoher Kosteneffizienz garantiert. Das geht nur, wenn durchgängig auf neueste Technologien gesetzt wird. Diese Chance haben wir konsequent genutzt“, erklärt Hanspeter Tinner, Chief Service Officer und Mitbegründer von Beelastic.

Die Software macht den Unterschied

Das Ergebnis ist eindrucksvoll. Das Unternehmen verfügt zum Start über rund 500 Bare-Metal-Server verschiedener Hersteller und bietet ein optisches Dark-Fiber-Netzwerk mit 1.300 Kilometern Länge, das die Wirtschaftszentren von Frankfurt bis Lugano mit einer Geschwindigkeit von 96 mal 100 Gigabit verbindet. „Damit sind wir der einzige Provider, der unsere Latenzzeiten bei Hochverfügbarkeit garantiert“, so Tinner.

Bei der installierten Hardware setzt das Unternehmen auf etablierte Hersteller einschließlich Nvidia-GPUs, die Switches der Nvidia Business-Unit Mellanox und Cumulus als Betriebssystem, bei der Sicherheit auf Fortigate. Darauf aufbauend werden Dienstleistungen von der Nutzung der Bare-Metal-Server über GPU-beschleunigte virtuelle Desktops und Veeam Cloud-Backups bis hin zu „S3“-Storage angeboten.

Beelastic verfügt über die entsprechenden ISO-Zertifizierungen und ist gegenüber den Daten vollständig agnostisch. Alle Transaktionen unterliegen der schweizerischen Gesetzgebung.

Flexibilität prägt die Bereitstellung

Aber diese Infrastruktur ist nur die eine Seite der Medaille. Vielmehr spielt bei der flexiblen und kosteneffizienten Bereitstellung von Übertragungs- und Rechenservices das Netzwerk-Management die herausragende Rolle.

Die am Markt verfügbaren Systeme bieten zwar eine hohe Funktionalität, leiden jedoch oftmals unter dem Zwang, hergebrachte Legacy-Systeme zu unterstützen. Das führt zu einer hohen Komplexität, einer damit verbundenen aufwändigen Betreuung und nicht selten einer mangelnden Stabilität. „Das hat sich nicht zuletzt in Zeiten von Corona gezeigt“, erläutert Tinner. „Wir haben uns mit Blick auf die Zukunft von der Historie befreit und uns entschieden, die Legacy-Systeme nicht mit hohem Aufwand und Kosten nachzuführen. Das hat sich im Nachhinein als der richtige Weg gezeigt.“

Beelastic wollte konsequent einen protektionistischen Ansatz vermeiden. Deshalb kam nur ein Tool in Frage, die offen ist, transparent und auf Standards beruht. Die Software sollte im Zweifel ersetzbar sein, Vendor-Lock-Ins durch Standardorientierung ersetzen und trotzdem eine hohe Effizienz bieten. Fündig geworden ist Beelastic schließlich bei Apstra.

Automatisierung als Schlüsselfunktion

Das „Apstra Operating System“ (AOS) ist eine durchgängige Software zur Automatisierung und Vereinfachung des Designs, der Installation und des Betriebes von Rechenzentrumsnetzwerken. Es bietet eine ganzheitliche Sicht auf alle Elemente und deren Beziehungen im Datacenter.

Als reine Software-Implementierung kann das System auf beliebiger Hardware installiert werden und verbindet beziehungsweise verwaltet alle Geräte via Device-Agents. Einmal installiert, können beliebige Geräte oder Racks logisch zusammengefasst und in Templates organisiert werden.

Die Kombination mehrerer Templates ermöglicht letztlich die Schaffung virtueller Rechenzentren inklusive des erforderlichen Netzwerkes. Auf diese Weise können Netzwerke einfach erweitert oder verkleinert werden, wobei jederzeit ein Einblick in den aktuellen Status gewährt wird.

Das Apstra AOS basiert auf drei Schlüsselfunktionen. Es automatisiert das Design, die Installation sowie den Betrieb des Netzwerkes, es ist kompatibel mit vielen unterschiedlichen Gerätebetriebssystemen und ermöglicht dadurch den Einsatz einer breiten Palette marktführender Hardware von Cisco über Arista und Juniper bis zu Cumulus und White-Box-Lösungen.

Vereinfachung von Implementierung und Betrieb

Diese Key-Features vereinfachen die Installation und das Management von Netzwerken erheblich. Das reicht von Zero-Touch-Bereitstellung der Geräte unterschiedlichster Hersteller über die Identifikation von Fehlerquellen und deren Behebung bis zu Gruppen-basierten Policies und zur Integration mehrerer verteilter Rechenzentren inklusive Load-Balancing und Ressourcenteilung.

Insbesondere das Konzept des Intent-Based-Networking sorgt für die effiziente Kontrolle des gesamten Lifecycles der individuellen Kundennetze. Dabei erlaubt es die Software, dem Netzwerk die konkreten Aufgaben mitzuteilen, ohne jeden Schritt individuell zu definieren. Das AOS generiert automatisch die Konfiguration aller Geräte und installiert sie auf Basis der Service-Beschreibung. Es prüft zudem die beabsichtigte Funktion durch den Vergleich der intendierten und der tatsächlichen Funktion.

„Nachdem wir uns entschieden hatten, auf ein komplett offenes System zu setzen, war der Einsatz des Apstra AOS die folgerichtige Option. Die Implementierung verlief problemlos und der Betrieb ist extrem simpel“, resümmiert Tinner. Gerade mal vier Wochen wurden für den gesamten Prozess benötigt. Für den Betrieb und die Kontrolle des Netzbetriebes ist lediglich ein Mitarbeiter erforderlich.

Zukunftsmusik

Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit dem kontinuierlichen Netzbetrieb arbeitet Beelastic derzeit an den nächsten Schritten für die Erweiterung der Kundenservices. Zwar punktet das Unternehmen derzeit bereits mit einer garantierten 100G-Performance über alle Übertragungsstrecken und Cluster hinweg, aber in naher Zukunft sollen die Kunden auch in die Lage versetzt werden, ihre individuellen Services selbst zu provisionieren. Auch hier setzt Beelastic auf das Prinzip der minimalen Komplexität bei einer garantierten Performance.

Der Autor, Uwe Scholz, ist freier Journalist für Informationstechnologie in Berlin.
Der Autor, Uwe Scholz, ist freier Journalist für Informationstechnologie in Berlin.
(Bild: Zonic Group)

Mit dem Konzept des optimalen Architektur-Designs inklusive der Loslösung von hybriden Legacy-Modellen hat Beelastic einen Weg beschritten, der in Bezug auf zukunftsgerichtete Aufgaben gänzlich neue Performance- und Kostenparameter ermöglichen soll. Von der Private Cloud mit 100G bis hin zur Selbst-Provisionierung von Points-of-Presence mit einem Giga. Das geht am Ende nicht ohne ein durchgängiges Konzept, das auf den Stufen Modelling, Prüfung in der Realität, Deploy and Run basiert, um jederzeit die Verfügbarkeit und Performance sicherzustellen.

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