Kritische Würdigung des jüngsten VDI-Updates

Microsoft Virtual Desktop: Neu oder doch schon einmal dagewesen?

| Autor / Redakteur: Thilo Langenhorst* / Dietmar Müller

Der Windows Virtual Desktop ist bis Ende des Jahres im Azure Marketplace in einer Public Preview verfügbar.
Der Windows Virtual Desktop ist bis Ende des Jahres im Azure Marketplace in einer Public Preview verfügbar. (Bild: gemeinfrei, StartupStockPhotos / Pixabay / CC0)

Es ist ja eigentlich auf den ersten Blick nichts Neues, was Microsoft kürzlich da auf der „Ignite 2018“ in Orlando vorgestellt hat; denn einen virtuellen Desktop gibt es ja von unterschiedlichen Anbietern schon länger. Beim genaueren Hinsehen fallen aber doch mehr und mehr Unterschiede sowie technologische Schmankerl auf, über die es wert ist zu berichten.

Der so genannte Windows Virtual Desktop, der bis Ende des Jahres im „Azure Marketplace“ in einer Public Preview verfügbar ist, ist ein „Windows 10 Virtual Desktop“, der von einem dedizierten Benutzer gestartet werden kann und somit eine Arbeitsoberfläche für jedes Endgerät im gewohnten Windows Look bietet.

Dies ist aber nicht die einzige Basis: Es wird zudem ein „Windows 7 Desktop“ zur Verfügung stehen, aber auch ein so genannter Multi-User Windows 10 Enterprise Desktop, der gleichzeitig von mehreren – man sprach von über 100 Nutzern – genutzt werden kann.

Revolutionäre Vorteile

Letzteres ist eine Revolution, denn bisher war es nur auf Servern möglich, mehr als einem Nutzer gleichzeitig eine Arbeitsoberfläche auf einem Windows-Basis-Betriebssystem zu bieten. Die jetzige Änderung hat mehrere Vorteile: Die Nutzung von Windows-10-spezifischen Diensten wie „Cortana“, „Edge“ und Apps ist nun möglich; denn diese sind selbst beim „Server 2019“ nicht geplant. Zudem sind Anwendungen eher kompatibel zu diesem Client-Betriebssystem, als dass erst die Kompatibilität zu Windows-Servern hergestellt werden muss.

Dies bedeutet, dass Software-Pakete keine speziellen Anpassungen benötigen, damit sie auf Servern lauffähig sind, sondern so funktionieren wie auf physischen Windows-10-Computern selbst. Es muss für „7zip“ keine spezielle Anpassung vorgenommen werden, aber wenn „Autocad“ oder „Photoshop“ auf einem Server laufen soll, dann schon.

Wenn man wiederum genauer hinsieht, kommt dies der Einsicht des Herstellers gleich, dass Server etwas anderes als Clients sind. Die Remote-Desktop-Services für den Windows-Server – die auch andere Anbieter wie Citrix oder Awingu nutzen – sind eben keine „echten“ Clients, sondern nur nachgebaute Systeme – auch wenn sie so aussehen als ob.

Ein Server muss dienen

Gut, ein Windows Server hat ungefähr die gleiche Codebasis wie ein Client, aber es wurden in der Historie aus mehreren Gründen Unterschiede eingebaut. Ein Server muss „dienen“ und hatte aus diesem Grund einige typische Client-Dienste bewusst nicht an Bord. Wenn man sich die aktuellen Windows Server (1709/1803) anschaut, so hat dort das Graphical User Interface (GUI) ohnehin ausgedient.

Gezeigt wurde, wie schnell ein Windows 10 Desktop „deployed“ werden kann. Es waren nur Minuten und dann stand ein voll provisionierter Desktop mit „Office 365 Pro Plus“ und „Onedrive“ zur Verfügung. Dies ist vor allem als Backup oder Notlösung für jeden Nutzer eine schnelle Lösung um wieder arbeitsfähig zu sein, vorausgesetzt man hat all seine Dateien in Onedrive gespeichert.

Die Nutzung des „Known Folder Move“ für Onedrive ist hier unabdingbar und auch die praktischste Lösung, Daten vom Desktop und den „Eigenen Dateien“ zu sichern, seit es Windows Desktops gibt.

Zudem wurde auf der Konferenz gezeigt, dass ein Office 365 Pro Plus inklusive Cached Exchange Mode und ein Onedrive voll unterstützt und sowohl auf den Einzelmaschinen als auch auf den Multi-User-Systemen nutzbar sein wird, und zwar so wie man das von einem physischen Laptop oder Desktop gewohnt ist - Co-Authoring, Teilen und On-demand-Sync inklusive.

Hier müssen sehr weitreichende Fortschritte gemacht worden sein, die auch bei Server-basierten Remote-Desktop-Systemen wirklich gewünscht werden. Die „Shared Computer Activation“ für RDP-Server hat wahrscheinlich jedem Admin mehr als einen Schweißtropfen gekostet, von dem nicht unterstützten Onedrive ganz zu schweigen.

Gateways, Lizenz-Server, Webaccess und Connection Brokers

Nun besteht die Frage, wie Gateways, Lizenz-Server, Webaccess und Connection Brokers gelöst werden. Hier verspricht Microsoft, dass dies durch bestehende Azure Services integriert schon zur Verfügung steht. Die Lizenzierung ist sowieso auf Nutzerbasis geregelt.

Denn aktuell ist es blau auf weiß notiert, dass Microsoft-365-E3-, E5- und selbst F1-Kunden, sowie Windows-E3- und E5-Kunden direkt kostenlos auf die Systeme zugreifen werden können und nur für die tatsächlich verwendeten virtuellen Computerinstanzen (VMs) die typischen Kosten für CPU, Storage und Netzwerk anfallen. Hierfür können auch Optionen wie Azure Reserved Virtual Machine Instances (RIs) genutzt werden, was Einsparungen bei der Bereitstellung ermöglicht.

Wo wir gerade bei Lizenzen und Kosten sind: Der Support für Windows 7 endet bekannterweise am 14. Januar 2020. Überraschenderweise werden für die Windows 7 Virtual-Desktop-Maschinen kostenlos die sonst kostenpflichtigen erweiterten Sicherheits-Updates für Windows 7 (ESU) bis 2023 bereitgestellt. Dadurch hat man laut Microsoft beim Umstieg auf Windows 10 mehr Möglichkeiten zur Unterstützung von veralteten Applikationen.

Was passiert mit den klassischen Remote-Desktop-Systemen? Hier spricht Microsoft von „scalable multi-user legacy Windows environments“ und diese sind auch in Windows Server 2019 vorhanden und bieten damit die Basis für die vorgenannten Desktop-Virtualisierungs-Hersteller.

* Der Autor Thilo Langenhorst ist Teamleiter für Service & Device Management bei Axians und unterstützt Unternehmen in der Realisierung von intelligenten und individuellen IT-Infrastruktur-Services im Systems-Management-Bereich.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45603529 / Virtualisierung)