Datacenter-Racks für jedermann

Linkedin stellt offenes Design für 19-Zoll-IT-Racks vor

| Autor: Ulrike Ostler

Die Social-Media-Company Linkedin entwirft ein 19-Zoll-Rack und teilt die Spezifikation mit allen Interessenten.
Die Social-Media-Company Linkedin entwirft ein 19-Zoll-Rack und teilt die Spezifikation mit allen Interessenten. (Bild: Open19)

Linkedin, bald ein Teil von Microsoft, hat ein 19-Zoll-IT-Rack vorgestellt, das nicht nur Open-Source ist, sondern auch noch kostengünstiger sein soll als jedes der traditionellen Hersteller. Der Kopf hinter der Entwicklung ist Yuval Bachar, Leiter der Infrastruktur-Architektur des Social-Media-Dienstes und früher bereits involviert in die Entwicklung des 21-Zoll-Systems „Open Rack“.

Bachar war bei Facebook angestellt, als unter anderem dort das Open Rack entstand. Somit lässt sich davon ausgehen, dass er sein Handwerk versteht. Zudem war er beteiligt an der Entwicklung der Open-Compute-Switches von Facebook, Sixpack und Wedge und hat, nachdem er bei Linkedin anfing, den „Pigeon“ Top-of-Rack-Switch freigegeben.

AFCO baut für Bloomberg Open Compute Rack

Open Source für das Rack-Design

AFCO baut für Bloomberg Open Compute Rack

03.03.16 - Das Open Compute Project will alle Aspekte des Rechenzentrums abdecken. Neben dem Design von Rechnerachitekturen gibt es auch Initiativen für IT-Schränke, Racks. Bloomberg hat nun bei AFCO die Open Compute Racks geordert, mit leichten Modifikationen. lesen

Die Ziele, das er mit dem 19-Zoll IT-Schrank verfolgt, sind einfach zu verstehen: Die Racks sollen dem gebräuchlisten Maß entsprechen, so dass sich Standardkomponenten einbauen lassen, etwa für die Stromverteilung. Tatsächlich könne Open19 bis zur Hälfte mit Standardelementen bestückt werden, so dass sich einerseits der Aufwand für den Aufbau einer Infrastruktur reduziert und andererseits sich Müll und Kabel einsparen lassen.

Peter Judge, von Data Center Dynamics, der beim Launch in der vergangenen Woche dabei war, zitiert Bachar wie folgt: „Wir haben uns das 21-Zoll Open Rack angeschaut und entschieden: Das Ganze muss in einen 19-Zoll-Schrank passen.“ Open Rack sei zwar durchaus großartig, tauge aber nur für wenige Anwender.

So kann ein Open-Source-Rach von Open19 aussehen.
So kann ein Open-Source-Rach von Open19 aussehen. (Bild: Open19)

Viel, viel preisgünstiger

Open19 indes adressiere kleinere Operatoren und Unternehmen, die ihre Systeme mit konvetonellen IT-Racks kombinierten und ihre Server quasi vor der Stange kauften und nicht als White Boxes, die individuell an die eigenen Bedürfnisse angepasst würden.

„Wir wollten ein Rack, dass es erlaubt, bei den Elementen, die sich in allen Racks wiederfinden, etwa den PDUs, und dem Schrank selber die Kosten um 50 Prozent zu senken. Tatsächlich haben wir eine Ersparnis von 65 Prozent erreicht“, führt Bachar aus.

Somit teilt sich der IT-Schrank in zwei Boxen. In einer befinden sich die Standard-Komponenten, so dass sich dieser Rack-Teil innerhalb einer Stunde bauen und beladen lässt. Bei herkömmlichen Systeme dauere dieser Vorgang etwa sechs Stunden, so Bachar. Stromkabel werden eingespart, indem die Verbindung über eine 12-Volt-Andockstation quasi eingeclipst wird. Die 48-Volt-Module seinen nicht stabil genug, während die 12-Volt-Installtionen einen höheren Durchfluss und vernachlässigbare Verluste gewährleisteten.

Nach Angaben von Linkedin ergeben sich durch das Open-Source-Rack zahlreiche Vorteile.
Nach Angaben von Linkedin ergeben sich durch das Open-Source-Rack zahlreiche Vorteile. (Bild: Open19)

Flexibilität inklusive

Die individuell ausgewählten Module hingegen lassen sich mit zwei bis vier Schrauben befestigen. Bachar gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich um Open19 ein Ökosystem an Lieferanten und Produkten entwickeln möge. Er sagt: “Wir sind nicht groß und mächtig genug, um alles selbst zu machen.“ Er setzt insbesondere auf Server-, Storage- und Komponentenhersteller.

Server zum Beispiel können sowohl eine Höheneinheit ausmachen als auch zwei Höheneinheiten und passen in somit in einen der zwei Boxen oder „Käfige“. Dabei können die die Hälfte der Gesamtbreite einnehmen oder auch die volle Breite. Linkedin hat bereits die meisten Server-Hersteller kontaktiert, um sicherzustellen, dass sich die Motherboards einfach einschieben lassen. „Wir definieren nicht, welcher Server passt, sondern die Passform“, so Bachar. Deshalb sie das Design unabhängig von einem Chassis eines einzelnen Hardwareproduzenten.

Pigeon, der erste 100-Gigabit-Datacenter-Switch von Linkedin.
Pigeon, der erste 100-Gigabit-Datacenter-Switch von Linkedin. (Bild: Linkedin)

Auch in Bezug auf die USV-Systeme ist das Rack flexibel nutzbar. Es lässt sich sowohl eine zentrale Unterbrechungsfreie Stromversorgung einbauen, als auch ein Batterie-Backup. Auch bei der Ausstattung mit Switches wollte man flexibel sein. Linkedin selber nutz die eigenen Open10-Switches, doch lassen sich auch Systeme anderer Hersteller verwenden. Jeder Server kann mit 50 Gigabit pro Sekunde versorgt werden und mit 250 Watt Strom. Auch an ein Management-System haben die Entwickler gedacht. „Wir untersuchen ´Vapor IO`, um die Software integriert in das System auszuliefern, erläutert Bachan.

Erst im vergangenen Monat hatte Microsoft seine Übernahmeabsichten bekannt gegeben: Linkedin soll für 26,2 Milliarden Bestandteil des Konzerns werden. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe jedoch sei Open19 noch nicht spruchreif gewesen, so Bachan. Dennoch zeige Microsoft reges Interesse an der Open-Compute-Spezifikation und habe seine Ideen in punkto Batterien beigesteuert. Mag sein, dass der Konzern Open19 auch in die eigene Infrastruktur integrieren wird.

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