Platz für 3.000 Racks

Joint Venture baut 15 Megavoltampere-Rechenzentrum am Main

| Redakteur: Ulrike Ostler

Joint Venture baut 15 Megavoltampere-Rechenzentrum am Main.
Joint Venture baut 15 Megavoltampere-Rechenzentrum am Main. (Bild: Etix Everywhere Deutschland GmbH / CC0)

In Offenbach entsteht ein neuer Rechenzentrum-Campus, für den langfristig bis zu 70 Megawatt zur Verfügung stehen. Die erste Phase des Neubaus soll im 3. Quartal 2019 eröffnet werden. Für den Bau und Betrieb hat sich ein Joint-Venture gebildet: EVO, der lokale Energieversorger, Rechenzentrumsausstatter Data Center Group und der globale Betreiber von Rechenzentren Etix Everywhere haben sich zusammengetan.

Der Neubau entspricht einer Investition von 120 Millionen Euro. Der Standort ist nur auf den ersten Blick ungewöhnlich, hat sich doch Frankfurt zum größten Datacenter-Cluster in Europa entwickelt. Doch die Stadt muss mit der kontinuierlichen Erhöhung der Kapazität und des Energiebedarfs fertig werden, von Wohnraummangel und Verkehrschaos ganz zu schweigen.

Auf der anderen Seite des Mains wurde nun eine enorme Menge an Stromleistung gesichert, um den Aufbau eines riesigen Campus von Rechenzentren, zu gewährleisten. In der ersten Phase des Projekts wird Co-Location-Kapazität auf einer 7.800 Quadratmeter grünen Fläche in Offenbach entwickelt. Bei voller Auslastung wird das 18.000 Quadratmeter große Gebäude mehr als 3.000 Racks auf 8.000 Quadratmeter IT-Fläche beherbergen.

Der Strom

Auch etwa das Maincubes-Rechenzentrum „FRA01“ steht in Offenbach. Betreiber Maincubes One führt als Argument für den Standort die Nähe zu Frankfurt und dem dort angesiedelten Internet-Austauschknoten De-CIX ins Feld. Marc Fröse, Country Manager Deutschland von Etix Everywhere, sagt: „Unsere Kunden profitieren von einem idealen Standort mit überragender Konnektivität und gewaltiger Stromgarantie“

Da trifft es sich gut, dass die Energieversorgung Offenbach (EVO), ein Energieversorger und Entsorgungsunternehmen für Offenbach und die Region, Teil des Joint-Venture ist, mit einem Anteil von 50 Prozent Die Firma beliefert Privatkunden und Unternehmen mit Strom sowie mit Erdgas, Wasser und Wärme. Zudem entsorgt sie Abfälle und Abwasser und erbringt zahlreiche Energiedienstleistungen.

Zum Stromnetz gehören 39 Windräder im Hunsrück, in Rheinhessen, in Nordhessen und im Vogelsberg sowie mehrere PV-Anlagen. Darüber hinaus produziert EVO bis zu 90.000 Tonnen Holzpellets im Jahr aus regionalen Holzabfällen.

Die Beteiligung am Joint Venture sieht wie folgt aus: EVO: 50 Prozent, Etix: 40 Prozent und DCG: 10 Prozent.
Die Beteiligung am Joint Venture sieht wie folgt aus: EVO: 50 Prozent, Etix: 40 Prozent und DCG: 10 Prozent. (Bild: Etix Everywher, EVO, DCG)

Doch wird hier nicht der Bock zum Gärtner? Das Datacenter müsste Interesse haben, Strom zu sparen, Abwärme gegebenenfalls zu vermarkten, der Energieversorger müsste jedoch eine hohe Abnahme seiner Energie wollen. Fröse beteuert jedoch: „Die Beteiligung des Stromanbieters fokussiert auf die Diversifizierung des eigenen Angebotes und nicht auf die gelieferte Strommenge. Daher ist auch eine PUE von 1.2 für die EVO erklärtes Ziel.“

Der Vorteil für den Datacenter-Endkunden und das Rechenzentrum als Anbieter sei jedoch der teilweise Wegfall von Netznutzungskosten und eine EEG-Umlagenkürzung. „Beide Seiten partizipieren davon durch vergleichsweise günstige Stromkosten.“

Der bedeutendste Vorteil am lokalen Markt ist allerdings ohnehin die Strombelieferungsgarantie. Darum sprechen wir auch intensiv

mit den GAFAM-Unternehmen über deren Ansiedlung bei uns. „Denn so etwas ist derzeit auf Frankfurter/Mainova-Gebiet unmöglich. Darum sprechen wir auch intensiv mit den GAFAM-Unternehmen über deren Ansiedlung bei uns", so der Country Manager Deutschland von Etix Everywhere. (Das Akronym steht für Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft.)

Die Architektur

Das Rechenzentrum wird nach der europäischen Rechenzentrumsnorm DIN EN 50600 gebaut und zertifiziert. Es ist für verschiedene Arten von Kunden konzipiert, von großen Cloud-Service-Providern bis hin zu mittleren Unternehmenskunden. Unter den angebotenen Optionen für Kunden wird das Rechenzentrum eine Multi-Tiering-Einrichtung sein, die verschiedene Redundanzebenen innerhalb desselben Gebäudes bietet. Die Kunden können ihren IT-Raum auf Basis der jeweils gewünschten Zertifizierungen auswählen.

Fröse sagt: „Dieses Rechenzentrum wird einzigartige Erweiterungsmöglichkeiten bieten, nur wenige hundert Meter vom IP-Austauschknoten Frankfurt entfernt.“ Tatsächlich liegt das Rechenzentrum weniger als 1 Kilometer vom strategischen Peering-Point De-CIX entfernt. Das bedeutet auch, dass mehr als 20 internationale und nationale Telco-Carrier vor Ort verfügbar sind. Das erlaubt unter anderem eine Konnektivität für Kunden, bei denen die Latenz der Schlüssel zum Betrieb von Anwendungen ist.

So das neue Co-Location-Rechenzentrum in der Planung, mit 10 x 1500 Kilovoltampere-Modulen
So das neue Co-Location-Rechenzentrum in der Planung, mit 10 x 1500 Kilovoltampere-Modulen (Bild: Etix Everywhere)

Dank des Klimas im Frankfurter Raum kann das Rechenzentrum die Nutzung der Indirekten Freikühlung maximieren. In Kombination mit der technischen „2N distributed“-Architektur wird das Rechenzentrum von einem PUE-Wert von 1,2 profitieren.

Zweites Mitglied des Joint-Venture ist die Data Center Group. Ralf Siefen, ihr Geschäftsführer, sagt: „Es war wichtig, eine skalierbare technische Lösung zu finden, die maximale Flexibilität bietet, Ganz gleich, was die Bedürfnisse unserer Kunden sind, unser Design für Rechenzentren ist flexibel genug, um ihre Anforderungen zu erfüllen.“ Fröse ergänzt: „Ein weiteres Highlight ist unsere Vier-Quellen-Technologie, die es ermöglicht, in einem Tier3 DC eine Tier4 SLA von 99,995 Prozent technisch zu gewährleisten.“

Die Data Center Group sollte es wissen; denn sie vereint die Geschäftsbereiche Securisk, RZ-ingcon, Pro-RZ und RZservices sowie das Tochterunternehmen RZ-Products GmbH, um wie es aus dem Unternehmen heißt, Kunden eine ganzheitliche und kompetente Realisierung sowie den sicheren Betrieb von Rechenzentren zu gewährleisten.

Data Center Group auf dem DataCenter Day 2018

Die Data Center Group wird auf dem DataCenter Day 2018, am 23. Oktober im VCC Würzburg, als Aussteller vertreten sein.

Etix-Rechenzentrumsstandorte - vorhanden und geplant
Etix-Rechenzentrumsstandorte - vorhanden und geplant (Bild: Etix Everywhere)

Schließlich wird das Co-Location-Datacenter wird das globale Rechenzentrumsnetz von Etix Everywhere, um einen strategischen Standort erweitern. Denn das Unternehmen mit dem Akronym für EThic Internet eXchange in der Firmenbezeichnung, 2012 mit Hauptsitz in Luxemburg gegründet, ist auf den Bau und Betrieb von Rechenzentren und Kabelstationen spezialisiert.

Das Joint-Venture befindet sich bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen mit vier potenziellen Kunden.

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