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FI-TS will die Versicherungswirtschaft mit IT-Services bezirzen IT- Outsourcing? Für Versicherungen?

| Autor / Redakteur: Stefan Karpenstein / Ulrike Ostler

Versicherungen stehen dem Thema IT-Outsourcing tendenziell reserviert gegenüber. Dabei nehmen die Herausforderungen immer stärker zu und machen eine effektive und effiziente IT für den Geschäftserfolg fast zur zwingenden Notwendigkeit. Datacenter-Insider.de sprach mit Marc Schuckmann, Bereichsleiter Versicherung bei Finanz Informatik Technologie Service (FI-TS), über aktuelle Entwicklungen der Branche und mögliche Szenarien.

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Marc Schuckmann, FI-TS: „IT rückt immer mehr in den Fokus der Geschäftsprozesse.“
Marc Schuckmann, FI-TS: „IT rückt immer mehr in den Fokus der Geschäftsprozesse.“
(Bild: Wolfgang Maria Weber)

Vor welchen Herausforderungen stehen die Versicherungsunternehmen?

Marc Schuckmann: An erster Stelle sehen wir im Moment die Umsetzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen. Dazu zählen etwa regulatorische Vorgaben wie Solvency II, die EU-Vermittlerrichtlinie oder die Umsetzung von Verbraucherschutzrichtlinien, die insgesamt zu veränderten Rahmenbedingungen führen. Der Handlungsbedarf bleibt in den kommenden Jahren unverändert groß, denn die regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen werden in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen.

Weitere Handlungsfelder in der Versicherungsbranche sind die demografische Entwicklung und der damit einhergehende Fachkräftemangel sowie der intensive Preiswettbewerb. Außerdem müssen Versicherungen auf veränderte Kundenbedürfnisse reagieren und etwa Lösungen für den steigenden Zugriff auf das Internet von unterschiedlichen Devices und von unterwegs. Sie stellen gleichzeitig höhere Anforderungen an die Service-Qualität ihrer Versicherungen und lassen zum anderen eine steigende Wechselbereitschaft erkennen.

Das führt dazu, dass Versicherungen verstärkt darüber nachdenken, Services ohne direkten Mehrwert für ihre Kunden wie etwa Infrastruktur, Inkasso oder der Betrieb der ERP-Systeme an externe IT-Dienstleister abzugeben.

Was heißt das konkret für die IT?

Marc Schuckmann: Wir erleben zurzeit einen massiven Wandel, wie Unternehmen ihre IT bewerten. Sie rückt immer mehr in den Fokus der Geschäftsprozesse. Es ist erkennbar, dass Fachabteilungen die IT stärker in Anspruch nehmen, um fachliche Aufgaben zu lösen etwa für eine zeitgemäße Online-Beratung, die einen unmittelbaren Einfluss auf den Vertrieb hat.

Gleichzeitig spielen weiterhin Themen wie IT-Sicherheit, Standardisierungen und Speichertechniken eine wichtige Rolle. In der Versicherungsbranche sprechen sich in aktuellen Umfragen über 30 Prozent der befragten Manager für eine stärkere Auslagerung aus. Der Wert liegt deutlich über dem branchenübergreifenden Wert von 17 Prozent.

Stichwort NSA-Affäre: Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Verhältnis bei Branchen wie Versicherungen zu IT-Dienstleistern verändert?

Marc Schuckmann: Natürlich hat sich der Umgang mit Fragen zum Thema Datenschutz und -sicherheit ist im Zuge der NSA-Spähaffäre verändert und wir verspüren einen deutlich sensibleren Umgang damit. Die Sicht auf die Zusammenarbeit mit IT-Dienstleistern hat sich nachhaltig verändert.

So hinterfragen Unternehmen heute stärker die rechtlichen Strukturen beim Dienstleister und achten genauer auf die beteiligten Gesellschafter. Für Unternehmen in der Versicherungsbranche kommt dem Thema Branchenerfahrung eine große Bedeutung zu. Sie erwarten in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern nicht nur eine hohe Fach-, sondern auch Branchenkompetenz.

Wie sieht das Leistungsportfolio für Versicherungen aus?

Marc Schuckmann: Wir haben als erfahrener Outsourcing-Partner umfassende Erfahrungen in Compliance-Fragestellungen und kennen die Dynamik der Aufsichtsbehörden. Die Sicherstellung von aufsichtsrechtlichen Vorgaben gehört bei FI-TS zum Tageschgeschäft. Dies gilt nicht nur für Risiko-Management und Informationssicherheit, sondern auch für die Qualität, die physische Sicherheit, das IT-Sicherheitsmanagement, die SAP-Kompetenz und das Projekt-Management.

Aus unserer Sicht war es daher naheliegend, Kräfte für öffentliche und private Versicherer in einem eigenen Unternehmensbereich zu bündeln. Das Lösungsportfolio ist dabei ganz auf die spezifischen Anforderungen von Versicherungen ausgerichtet. Hier suchen wir in Zusammenarbeit mit dem Kunden nach einer zukunftsfähigen Lösung, die seinen Anforderungen entspricht. Auf Basis standardisierter Technologien beziehen wir dabei sowohl klassische Rechenzentrums- als auch Cloud-Services in unsere Überlegungen mit ein.

Wie gestaltet sich den die Zusammenarbeit mit Versicherungen?

Marc Schuckmann: Mit der Versicherungskammer Bayern und der Provinzial NordWest haben sich bereits zwei der größten öffentlichen Versicherer für eine Zusammen-arbeit mit uns entschieden. Als IT-Provider haben wir die Verantwortung für die IT-Infrastruktur und den IT-Betrieb übernommen und halten dabei regulatorische und gesetzliche Vorgaben ein. Dabei haben wir für unsere Kun-den jeweils einen Leistungsschnitt nach deren individuellen Anforderungen realisiert.

Wo sehen Sie über das reine Outsourcing hinaus noch die Entwicklungen bei der Versicherungs-IT?

Marc Schuckmann: Hier sehe ich zwei zentrale Bereiche. Denn ein erfolgreicher Rechenzentrums-Umzug markiert für uns erst den Anfang einer langfristigen Zusammenarbeit. Wir wollen Potenziale identifizieren, um etwa den Grad der Standardisierung zu steigern und auf diesen Weg Kostensenkungen zu ermöglichen. Diese Erwartungshaltung haben übrigens auch Kunden uns gegenüber deutlich formuliert. Zudem verfolgen wir den Gedanken einer zentralen, unternehmensübergreifenden Transaktionsplattform für nicht-strategische Themen.

Ein weiteres zentrales Zukunfts-Thema ist auch für Versicherungen Big Data. Hier entwickeln wir gerade mit Partnern Lösungsansätze, damit Versicherungen eine adäquate Unterstützung erhalten, so dass sie sich verstärkt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

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